Pharmazeutische Zeitung online
Rabattverträge II

Last für Apotheken

17.04.2012  18:18 Uhr

Von Daniel Rücker / Seit ihrer Einführung vor fünf Jahren nerven Rabattverträge die Apotheker. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, kritisiert die Vereinbarung und macht wenig Hoffnung auf baldige Besserung.

PZ: Die Rabattverträge werden fünf. Ist das ein Grund zu feiern?

 

Becker: Nein, das sicher nicht. Die Rabattverträge sind eine Last für die Apotheken, das ist ganz klar. Rabattverträge kosten uns Zeit bei der Beschaffung der Medikamente und bei der Beratung der Patienten, die umgestellt werden müssen. Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, dies zu tun. Ich sage aber auch ganz klar: Das ist Zeit, die wir besser für die pharmazeutische Beratung unserer Patienten verwenden könnten.

 

PZ: Wie haben sich die Rabattverträge im Laufe der Zeit entwickelt? Ist der Umgang einfacher geworden?

Becker: Nein, es gibt immer wieder Probleme, vor allem mit der Lieferfähigkeit der Hersteller. Das absolute Negativbeispiel war hierbei natürlich ein Metoprololsucccinat-Präparat. Ab Juni 2011 hätten die Apotheken AOK-Versicherte damit versorgen müssen. Im September 2011 war es vonseiten des Herstellers immer noch nicht lieferbar. Das ist nicht hinnehmbar. Immerhin scheint die AOK nun konsequenter mit Unternehmen umzugehen, die nicht liefern können. Die kurzfristige Kündigung gegenüber einem Hersteller von Metformin war ein deutliches Zeichen.

 

PZ: Wie bewerten Sie die unterschiedlichen Rabattverträge im Markt? Gibt es gute und schlechte?

 

Becker: Das ist ganz einfach. Ein Rabattvertrag ist gut, wenn er in den Apotheken keine Probleme bereitet, wenn die Hersteller liefern können und die Logistik keinen Zusatzaufwand verursacht. Schön wäre es auch, wenn die Krankenkassen ihre Versicherten frühzeitig darüber informieren würden, dass diese demnächst vielleicht mit anders aussehenden Medikamenten versorgt werden. Das ist aber nicht die Realität. Und die Politik will das Thema anscheinend nicht aufgreifen.

 

PZ: Gibt es eine sinnvolle Alternative zu Rabattverträgen?

 

Becker: Mit den Zielpreisen haben wir den Rabattverträgen ein besseres Konzept gegenübergestellt. Die Krankenkassen haben es aber mit allen Mitteln bekämpft und damit verhindert.

 

PZ: Wie lange wird es noch Rabattverträge geben?

 

Becker: Das kann ich nicht sagen. Wir hätten gerne intelligentere Kostendämpfungsinstrumente. Meine Einschätzung ist aber, dass wir noch eine Weile mit Rabattverträgen leben müssen, auch wenn wir das nicht wollen. / 

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