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Geschäftsidee

Ein Student als Unternehmer

18.04.2011
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Von Daniela Biermann, Münster / Wer kennt ihn nicht, den Kater am Morgen danach? In einigen Apo- und Diskotheken gibt es dagegen ein neues Brausepulver, den »Katerkiller«. Erfinder, Hersteller und Vermarkter in einer Person ist Stefan Rack, Pharmaziestudent im achten Semester. Mit der PZ sprach er über Ideen und Mut, Nachtschichten und Steuererklärungen.

Viertes Semester, Physiologie-Vorlesung. Thema: Was macht Alkohol mit dem menschlichen Körper? Einfach ausgedrückt bringt er den Elektrolythaushalt gehörig durcheinander. Die Folge sind Dehydrierung und Kopfschmerzen. »Dagegen kann man doch was machen«, dachte sich der Münsteraner Pharmaziestudent Stefan Rack und nahm kurzerhand die mütterliche Küche als Versuchslabor in Beschlag.

Magnesiumcitrat, Kaliumchlorid, Natriumhydrogencarbonat: Rack mischte verschiedene Salzkombinationen, die er zunächst an sich selbst ausprobierte. Auch Freunde und Kommilitonen ließen sich überzeugen. Sogar bei einer kleinen »klinischen Studie« machten sie mit – »nur zum Spaß«, versichert Rack.

 

Mithilfe seines Wissens aus Pharmazeutischer Chemie und Technologie verfeinerte der Student seine Rezeptur weiter, bis ein orangefarbenes, leicht lösliches Brausepulver entstand. Dabei galt es, einige galenische Schwierigkeiten zu überwinden: »Es war erst gar nicht so einfach, den Salzgeschmack zu überdecken.«

 

Wunsch-Vertriebsweg Apotheke

 

Rack scheint jedoch den richtigen Mix getroffen zu haben: Die Beutelchen mit pinkem »Katerkiller«-Logo verkaufen sich prächtig. Aus einem Küchenexperiment ist ein kleines Unternehmen geworden. Mittlerweile vertreibt Rack den »Katerkiller« erfolgreich über das Internet (www.der-katerkiller.de). Diskotheken in Westfalen-Lippe und München zählen zu seinen Abnehmern. Am liebsten sähe Rack sein Produkt aber auf dem HV-Tisch von Apotheken – wie in seiner Ausbildungsapotheke in Bielefeld.

 

»Als Pharmazeut lege ich Wert darauf, ein Produkt in Apothekenqualität herzustellen«, so Rack. »Es hilft wirklich. Am besten man nimmt einen Beutel mit einem großen Glas Wasser noch vor dem Zu-Bett- gehen. Es soll die Leute aber nicht zum Trinken animieren.« Aufklärung gehört daher für ihn dazu. Auf der Homepage ist klar und deutlich zu lesen, was man seinem Körper antut, wenn man große Mengen Alkohol trinkt. Rack verweist auch klar auf die Grenzen seines Produkts: »Der Katerkiller hat keinen Einfluss auf den Alkoholspiegel im Blut, die Fahrtüchtigkeit oder die Giftwirkung von Alkohol«, heißt es explizit auf jedem einzelnen Beutel.

 

Zugelassen ist der »Katerkiller« als Nahrungsergänzungsmittel. Vor der eigentlichen Firmengründung im September vergangenen Jahres lag viel Arbeit. Rack ließ sich bei der Unternehmensgründung beraten, konsultierte einen Anwalt, eröffnete ein Geschäftskonto, stellte Anträge bei Lebensmittelüberwachungsamt sowie Patent- und Markenamt. »Ich musste jede Menge Gesetzestexte wälzen«, erzählt Rack. »Seitdem kann ich durch keinen Supermarkt mehr gehen, ohne mir die Kennzeichnung von Lebensmitteln genau anzusehen.« Auch mit Betriebswirtschaft hat er sich auseinandergesetzt. Jetzt steht die erste Steuererklärung seines Lebens an. »Bei dem Gedanken daran kommt mir das kalte Grauen«, gibt Rack zu. Der Spaß an der Geschäftsidee überwiege jedoch bei Weitem.

 

Start mit 40 kg Rohstoffen

 

In einem Gewerbegebiet hat Rack einen geeigneten Raum angemietet. Mithilfe von Kommilitonen hat Rack die erste Charge »Katerkiller« – fast 40 Kilogramm Rohstoffe – selbst angemischt, parallel zu seinem Praktikum in Pharmazeutischer Technologie. Verwendet habe er Ausgangsstoffe in Arzneibuchqualität, Hygienevorschriften selbstverständlich beachtet, Protokolle gewissenhaft geschrieben. Nur die Abfüllung hat ein anderes Unternehmen übernommen. Herausgekommen sind rund 10 000 Beutel à 3,7 Gramm Katerkiller. »Während der gesamten Entwicklung konnte ich immer wieder Wissen aus dem Studium anwenden«, erzählt Rack.

Das kommt ihm hoffentlich bald zugute. Denn es geht in großen Schritten auf das Zweite Staatsexamen zu. Gleichzeitig steigt die Zahl der Bestellungen. Einige Stunden am Tag kostet ihn der Betrieb. Mit Freunden legt er auch mal die eine oder andere Nachtschicht beim Versand ein. Dazu kommen seit einem ersten Bericht der Regionalzeitung Anfang des Jahres immer wieder Presseanfragen.

 

»Ein paar Aufgaben muss ich wohl bald abgeben«, so Rack. Dabei stützt er sich vor allem auf einen alten Schulfreund, der in Münster Politikwissenschaft studiert. Tobias Zimmermann unterstützt Rack von Anfang an und kümmert sich vor allem um die Öffentlichkeitsarbeit – »er ist aber auch für alles andere da, wenn es denn nötig ist«, weiß Rack.

 

Die unternehmerische Verantwortung liegt allerdings allein auf Racks Schultern. Das Startkapital, einen vierstelligen Betrag, stellte seine Mutter, selbst Diplomchemikerin, zur Verfügung. Mittlerweile könnte der Kleinunternehmer sogar sein Studentenleben von den Einnahmen finanzieren. Und die selbst erschaffene Marke gewinnbringend verkaufen? Fremde Investoren könne er sich derzeit nicht vorstellen. »Schließlich ist das mein Baby!«

 

Keine Angst vor der Konkurrenz

 

Die Inhaltsstoffe sind zwar kein Geheimnis, die Mischung selbst nicht patentierbar. »Im Prinzip könnte das jeder machen«, so Rack. »Aber das Logo und die Marke machen den Erfolg aus«, ist sich der geschäftstüchtige Student sicher. »Und vor allem die Idee und der Mut, so ein Projekt durchzuziehen.« Gerade Pharmazeuten hält er unternehmerisch für zurückhaltend – anderen möglichen Mitwettbewerbern dagegen fehle eben »die pharmazeutische Finesse«. Angst vor Konkurrenz hat Rack daher nicht.

 

Wie es mit seinem Unternehmen weitergeht, lässt er vorerst auf sich zu kommen. Gerade bewerbe er sich um Plätze für das Praktische Jahr. »Ich möchte erst mal den klassischen Weg gehen: Approbation und Diplom, danach vielleicht eine Promotion in Klinischer Pharmazie oder Pharmakologie«, so Rack. Weiter hat er noch nicht geplant. Genug Ideen für neue Produkte hat er allerdings bereits. Genaueres will er allerdings noch nicht verraten. / 

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