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Heller Hautkrebs

Späte Spuren von zu viel Sonne

20.04.2010
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Von Bettina Sauer, Berlin / Der Sommer kommt und mit ihm die alljährliche Warnung vor den Gefahren der Sonne. Unter anderem gilt sie als Hauptursache für hellen Hautkrebs. Mit diesem Thema beschäftigte sich die Gesellschaft für Dermopharmazie bei ihrer Jahrestagung.

Schrammen, Schuppen, Schwielen – oft hat die schöne Sommerbräune unschöne Langzeitfolgen. Denn UV-Strahlen aus dem natürlichen oder künstlichen Sonnenlicht können hornbildendende Zellen (Keratinozyten) der Oberhaut (Epidermis) entarten lassen und dadurch hellen Hautkrebs verursachen. »Dieser Zusammenhang ist inzwischen eindeutig durch Studien belegt – sogar noch deutlicher als beim schwarzen Hautkrebs«, sagte Professor Dr. Dietrich Abeck, niedergelassener Dermatologe aus München, bei einem Firmenseminar der Spirig Pharma auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie im März in Berlin.

So entwickle sich der helle Hautkrebs meist an Körperstellen, die besonders viel UV-Licht abbekämen, vor allem an Stirn, Nase, Ohren, unbehaarter Kopfhaut, Nacken, Hals, Handrücken und Unterarmen. Zudem erkrankten hellhäutige Personen, die sich sehr leicht Sonnenbrände zuzögen, sowie Menschen, die viel Zeit im Freien verbrächten, auffällig oft an hellem Hautkrebs.

 

Meist zeigen sich die Symptome erst jenseits des 50. Geburtstags, gewissermaßen als Ergebnis von jahre- und jahrzehntelang angehäuften UV-Schäden in der Haut. Begünstigend kommt hinzu, dass das Immunsystem im höheren Lebensalter erlahmt. Normalerweise erkennt und vernichtet es Zellen mit Tumoreigenschaften recht zuverlässig. »Aus diesem Grund ist das Hautkrebsrisiko von immungeschwächten Patienten, die etwa immunsuppressive Medikamente gegen Transplantatabstoßung erhalten, dramatisch erhöht«, sagte Privatdozent Dr. Günther Hofbauer von der Dermatologischen Klinik der Universität Zürich, bei der Veranstaltung. »Ganz grundsätzlich erkranken mehr Menschen an hellem Hautkrebs als an jedem anderen Tumor«, ergänzte Abeck.

 

Den Löwenanteil macht dabei der Basalzellkrebs (Basaliom) aus. Er wird nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie jährlich bei etwa 80 000 Menschen in Deutschland festgestellt. In der Regel entstehen dabei hautfarbene, flache Knötchen, die sich im späteren Verlauf rötlich oder bräunlich verfärben und zudem Krusten und Schuppen ausbilden. Zwar entwickelt der Basalzellkrebs keine Metastasen. Doch wird er unbehandelt immer größer und zerstört dabei möglicherweise tiefe Hautschichten oder sogar Knochen- und Knorpelgewebe.

 

Am zweiten wichtigen Vertreter, dem Stachelzellkrebs (Plattenepithelkarzinom, Spinaliom), erkranken jährlich etwa 20 000 Menschen in Deutschland neu. Meist entwickelt er sich aus einer Vorstufe, einer rauen, roten Hautstelle (aktinische Keratose), die beim Übergang zum Stachelzellkrebs zunehmend schuppig und krustig wird. Auch dieser Tumor nimmt im Krankheitsverlauf immer mehr an Größe zu, zerstört dabei umliegendes Gewebe und bildet zudem gelegentlich Tochtergeschwüre.

 

»Heller Hautkrebs lässt sich fast immer heilen«, betonte Hofbauer. »Aber dafür muss er unbedingt so früh wie möglich medizinisch behandelt werden.« Deshalb lohne es sich, die Hautkrebs-Vorsorge-Untersuchung zu nutzen (siehe Kasten). Zusätzlich sollte sich jeder selbst regelmäßig auf verdächtige Stellen hin untersuchen und gegebenenfalls zur diagnostischen Abklärung an den Hautarzt wenden.

 

Therapie der ersten Wahl für Basaliom und Spinaliom, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium, ist die operative Entfernung. Dabei schneidet der Arzt die betroffenen Hautstellen unter örtlicher Betäubung mit dem Skalpell heraus. Als Alternative, zum Beispiel bei sehr alten Patienten oder hohem Operationsrisiko, eignet sich auch eine Strahlentherapie.

 

Viele Therapien für frühe Formen

 

Zur Behandlung früher, oberflächlicher Hautkrebsformen sowie von aktinischen Keratosen gibt es inzwischen eine Fülle weiterer Methoden. Die Auswahl richtet sich nach der Zahl und dem Schweregrad der Hautschäden, nach kosmetischen Aspekten sowie der Vorgeschichte und den Vorlieben der Patienten, heißt es in einem europäischen Konsensuspapier, das Autoren um Professor Dr. Eggert Stockfleth von der Charité Universitätsmedizin Berlin 2008 im »European Journal of Dermatology« (Band 18 (6), Seite 651) veröffentlichten. Demnach können Ärzte die Problemzone mit einem scharfrandigen Löffel ausschaben (Kürettage) oder durch Arzneimittel, beziehungsweise eine Laser-, Licht- oder Kryotherapie zerstören. Sie lässt sich aber auch durch rezeptpflichtige Medikamente in Creme- und Gel-Form beseitigen, die Patienten mehrere Wochen lang eigenständig zu Hause anwenden. Die Präparate enthalten das Zytostatikum 5-Fluorouracil (Efudix®), das die DNA- und RNA-Synthese von Tumorzellen hemmt, das antientzündliche Diclofenac (Solaraze®) mit einem noch unbekannten dermalen Wirkmechanismus oder den Immunmodulator Imiquimod (Aldara®). Nur relativ selten fänden heutzutage orale und topische Retinoide und chemische Peelings Verwendung, heißt es in dem Konsensuspapier. Denn die Wirksamkeit der Retinoide gegen aktinische Keratosen sei wissenschaftlich umstritten, und die Peelingbehandlung wirke vielfach nicht besonders nachhaltig.

 

Dagegen erzielten die anderen aufgeführten Therapien gute Erfolge. Ausdrücklich empfiehlt das Konsensuspapier, die aktinischen Keratosen besser nicht unbehandelt zu lassen. Denn etwa jede zehnte entwickle sich zu einem Stachelzellkrebs weiter. Zudem benötigten alle Patienten im Anschluss an die Therapie regelmäßig Nachsorgeuntersuchungen und einen umfassenden Schutz vor UV-Strahlen. »Wer einmal eine aktinische Keratose oder hellen Hautkrebs hatte, bekommt sie oft ein weiteres Mal«, erklärte Hofbauer.

 

Die vorbeugenden Wirkung des Sonnenschutzes belegt eine Studie, die der Autor des Konsensuspapiers, Stockfleth, und Kollegen 2009 im »British Journal of Dermatology« (Band 161, Supplement 3, Seite 78) veröffentlichten. Daran nahmen 60 Patienten teil, die nach einer Organtransplantation Immunsuppressiva erhielten und bereits Spinaliome oder aktinische Keratosen aufwiesen. Sie bekamen ein Sonnenschutzpräparat mit einem Lichtschutzfaktor über 50 (Daylong actinica®, Spirig Pharma), mit dem sie täglich vorm Verlassen des Hauses alle unbedeckten Körperstellen einrieben. Nach zwei Jahren war die Zahl der Spinaliome gegenüber dem Ausgangswert nicht gestiegen, die der aktinischen Keratosen sogar um etwa die Hälfte gesunken. »Wir empfehlen unseren immunsupprimierten Patienten, sich mit einem Sonnenschutzmittel mit einem Lichtschutzfaktor über 50 einzucremren, und zwar täglich, sogar im Winter«, kommentierte Hofbauer.

 

Sonnenschutz für alle

 

Doch auch wer keinen Hautkrebs und kein erhöhtes Risiko dafür hat, solle sich vor Sonnenstrahlen schützen. Das verringere zudem das Risiko für Sonnenbrände, vorzeitige Hautalterung und schwarzen Hautkrebs. Als Maß für die Strahlungsintensität und damit die Gefährlichkeit gilt der UV-Index (für Deutschland abrufbar unter www.uv-index.de). Ab einem Wert von 3 empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz die Meidung der Mittagssonne (zwischen 11 und 15 Uhr), das Tragen eines Hutes mit breiter Krempe und von Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt. Ungeschützte Körperstellen seien reichlich mit Sonnenschutzpräparaten einzucremen. Dabei empfiehlt das Amt Kindern und Erwachsenen mit empfindlicher und nicht-lichtgewöhnter Haut einen Lichtschutzfaktor über 15. Sonst sollte er mindestens doppelt so hoch sein wie der UV-Index. „Extrem wichtig sind diese Maßnahmen bei Kindern, die höchst empfindlich auf Licht reagieren«, sagte Abeck. Wer seinen Nachwuchs heute schütze, erspare ihm womöglich später ein Krebsleiden. /

Hautkrebs-Screening

Seit Juli 2008 bekommen gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening erstattet. Die Deutsche Krebshilfe zog dieser Tage eine erfolgreiche erste Bilanz. Demnach nutzten schon 11 Millionen Menschen das Angebot – etwa ein Viertel der Berechtigten. 38 000 Haut- und Hausärzte ließen sich entsprechend weiterbilden. Und 80 Prozent der Untersuchten möchten gemäß einer Online-Umfrage wieder am Screening teilnehmen.

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