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Hypertonie

Grenzwerte für Blutdruckscreening

09.04.2009
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Empfehlungen zum praktischen Vorgehen

Bei allen Hypertonikern sollte der Blutdruck mindestens auf Werte unter 140/90 mmHg gesenkt werden.

Der Zielblutdruck sollte bei Diabetikern und Hypertonikern mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulären Risiko kleiner als 130/80 mmHg sein.

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz und einer Proteinurie > 1 g/Tag wird ein Zielblutdruck von kleiner als 125/75 mmHg als erforderlich angesehen.

 

Der Informationsbogen gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil werden die in der Apotheke gemessenen Blutdruckwerte und der Messarm sowie der bei der Messung verwendete Gerätetyp festgehalten. Der zweite Teil soll dem Patienten mithilfe eines Ampelschemas verdeutlichen, wie er auf die gemessenen Werte reagieren sollte. Werte im roten Bereich zeigen an, dass umgehend der Arzt aufgesucht werden sollte. Bei Werten im gelben Bereich sollten Patienten mit Diabetes, Nieren- und Herzerkrankungen in absehbarer Zeit einen Arzt kontaktieren. Bei Patienten ohne diese Risikofaktoren sollte die Messung innerhalb eines Monats wiederholt und bei Bestätigung der Messwerte direkt der Arzt kontaktiert werden. Über Werte im grünen Bereich sollte der Arzt beim nächsten Besuch routinemäßig informiert werden.

 

Daten aus randomisierten kontrollierten Studien (RCT) machen eine Behandlung sowohl der isolierten systolischen als auch der diastolischen Hypertonie erforderlich (3). Daher berücksichtigt die Empfehlung zum Arztverweis sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruckwert. Fallen bei einem Patienten systolische und diastolische Blutdruckwerte in verschiedene Kategorien, sollte die höhere Kategorie Anwendung finden. Im Falle eines hohen kardiovaskulären Gesamtrisikos ist der Beginn einer medikamentösen Intervention schon bei hoch-normalem Blutdruck, das heißt systolischen Blutdruckwerten von 130 bis 139 mmHg oder diastolischen Werten von 85 bis 89 mmHg gerechtfertigt (siehe dazu Tabelle 1).

Tabelle 1: Definition und Klassifikation der Blutdruckstufen

Kategorie systolischer BD [mmHg] diastolischer BD [mmHg]
optimal < 120 < 80
normal 120 - 129 80 - 84
hoch-normal 130 - 139 85 - 89
Grad 1 Hypertonie 140 - 159 90 - 99
Grad 2 Hypertonie 160 - 179 100 - 109
Grad 3 Hypertonie ≥ 180 ≥ 110
isolierte systolische Hypertonie (ISH) ≥ 140 < 9

Diabetes, Nieren- und Herzerkrankungen stellen Risiken dar, die schon bei niedrigeren Blutdruckwerten einen Verweis an den Arzt notwendig machen. Der dritte Teil des Informationsbogens ist dazu gedacht, Messwerte beziehungsweise Patientenangaben, die zusätzlich in der Apotheke ermittelt wurden, dem Arzt weiterzuleiten, da sie bei einer Gesamteinschätzung des Gesundheitszustandes hilfreich sein können.

 

Zur Blutdruckmessung in der Apotheke wurde vom ZAPP der ABDA eine Standardarbeitsanweisung (SOP, siehe PDF-Datei) erarbeitet, anhand derer die Blutdruckmessung in der Apotheke qualitätsgesichert durchgeführt werden kann. Diese SOP gibt Hinweise, welche Aspekte bei der technischen Ausstattung der Apotheke, bei der Vorbereitung und Durchführung der Blutdruckmessung sowie der Dokumentation berücksichtigt werden sollten.

 

Diagnose der Hypertonie

 

Den über den Informationsbogen mitgeteilten Verdachtsmoment gilt es dann durch den Arzt zu prüfen. Nach der Definition »Hypertonie« der WHO wird eine chronische Erhöhung des Blutdrucks über 140 mmHg systolisch und 90 mmHg diastolisch unabhängig von der Krankheitsursache als Hypertonie bezeichnet (4). Zur Diagnoseabsicherung sollten die Werte der Gelegenheitsblutdruckmessung durch ein zweites Messverfahren (ambulante Blutdruck-Langzeitmessung [ABDM], Patientenselbstmessungen, Ergometrie) verifiziert werden (1). Nach der »Leitlinie zur Behandlung der arteriellen Hypertonie« der DHL und der Deutschen Hypertonie Gesellschaft wird die Hypertonie in die in Tabelle 1 aufgeführten Kategorien eingeteilt. Fallen bei einem Patienten systolischer und diastolischer Blutdruck in unterschiedliche Kategorien, sollte die höhere Kategorie Anwendung finden.

Materialien für die Qualitätssicherung der Patientenberatung

Zur Qualitätssicherung der Patientenberatung wurden vom ZAPP der ABDA verschiedene Standardarbeitsanweisungen entwickelt. Sie unterstützen den Apotheker bei der Umsetzung der Patientenberatung zu den Themen Blutdruck- und Blutzuckerselbstkontrolle, Insulinanwendung durch den Patienten, Peak-Flow-Messung, gesundes Ernährungsverhalten und Gewichtsreduktion. Zu den Themen Blutzuckerselbstkontrolle, Insulinanwendung und Inhalationstechnik wurden zusätzlich Check-Listen erarbeitet, die eine Verlaufsdokumentation der Beratung und damit eine Erfolgskontrolle ermöglichen.

 

Diese Arbeitsmaterialien, Informationstexte für den Patienten zur Blutdruckselbstmessung und die Informationsbögen Blutzuckertest und Blutdruck-Check finden Sie unter www.abda.de/Themen/Qualitätssicherung.

Diese Blutdruck-Schwellenwerte wurden auf der Grundlage von epidemiologischen und klinischen Daten ermittelt, stellen jedoch keine rationalen Grenzwerte für einen behandlungsbedürftigen Bluthochdruck dar, da das Risiko für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen beziehungsweise cerebrovaskuläre Komplikationen mit der Blutdruckhöhe kontinuierlich zunimmt (3). Dementsprechend ist ein hoch-normaler Blutdruck (siehe dazu Tabelle 1) bei Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko bereits als Hypertonie zu bewerten, während er bei Patienten mit einem niedrigen Risikoprofil als akzeptabler Blutdruck gilt.

 

Risikostratifikation und Zielwerte

 

Blutdruckgrenzwerte für medikamentöse Interventionen und Blutdruckzielwerte sind somit nicht für alle Hypertoniker gleich, sondern bedürfen einer differenzierten Betrachtung vor dem Hintergrund des kardiovaskulären Gesamtrisikos (Risikostratifikation) (1). Die Mehrzahl der Hypertoniker ist durch zusätzliche, die Prognose bestimmende kardiovaskuäre Risikofaktoren gefährdet. Für die Einleitung der Therapie sind das kardiovaskuläre Risiko und der Grad der Blutdruckerhöhung bedeutsam. In Tabelle 2 ist das kardiovaskuläre Gesamtrisiko für die verschiedenen Blutdruckklassen in Abhängigkeit von Risikofaktoren dargestellt (3). Risikofaktoren sind zum Beispiel Rauchen, Dyslipidämie und Bauchfettleibigkeit (Taillenumfang männlich ≥ 102 cm, weiblich ≥ 88 cm).

Unter Endorganschäden werden Linksherzhypertrophie, erniedrigte Kreatininclearance oder erniedrigtes Glomerulumfiltrat sowie Mikroalbuminurie subsummiert. Klinisch manifeste kardiovaskuläre Erkrankung stellen unter anderem ischämischer Schlaganfall, Myokardinfarkt, Angina Pectoris, Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen sowie periphere Gefäßerkrankungen dar.

 

Das Hauptziel bei der Behandlung von Hypertonikern ist die Reduktion des kardiovaskulären Gesamtrisikos (1). Dies erfordert sowohl die Senkung des Blutdrucks als auch die Therapie aller zusätzlichen Risikofaktoren. Eine medikamentöse antihypertensive Behandlung sollte bei den meisten Patienten direkt begonnen werden, deren kardiovaskuläres Risiko als stark erhöht oder sehr stark erhöht eingestuft wird (3). Patienten mit leicht oder mäßig erhöhtem Risiko sollten über Wochen bis Monate beobachtet werden und eine nicht medikamentöse Therapie erhalten (vor allem Gewichtsreduktion, Rauchen aufgeben, mehr Bewegung). Wenn nach dieser Beobachtungszeit systolische Blutdruckwerte von 140 mmHg oder höher oder diastolische Blutdruckwerte von 90 mmHg und höher persistieren, sollte eine medikamentöse Therapie begonnen werden. Bei Patienten mit schwerer Hypertonie (Grad 3) sollte die Diagnose innerhalb weniger Tage bestätigt und dann rasch eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden.

PDF-Dateien

Literatur

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Goebel, R., Hämmerlein, A. und Schulz, M., Arterielle Hypertonie. Teil 1: Epidemiologie, Definition und nicht medikamentöse Behandlungsstrategien. PZ Prisma 14 (2007) 137-148.

Middeke, M., Arterielle Hypertonie. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2005

Deutsche Hochdruckliga e. V. – Deutsche Hypertonie Gesellschaft: Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie. (2008)

Diers, K., Manuale zur pharmazeutischen Betreuung – Band 6: Hypertonie. Govi-Verlag, Eschborn 2003

Mancia, G., De, B. G., Dominiczak, A., et al., 2007 ESH-ESC Practice Guidelines for the Management of Arterial Hypertension: ESH-ESC Task Force on the Management of Arterial Hypertension. J. Hypertens. 25 (2007) 1751-1762.

 

Kontakt

ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Geschäftsbereich Arzneimittel der ABDA

Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP)

Jägerstraße 49/50

10117 Berlin

E-Mail: arzneimittel(at)abda.aponet.de

 

Professor Dr. Joachim Hoyer

Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga

Bundesgeschäftsstelle der Hochdruckliga

Berliner Straße 46

69120 Heidelberg

E-Mail: Hochdruckliga(at)t-online.de

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