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Kunst und Alchemie

Hexenküche und Zauberlabor

08.04.2014
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Von Ulrike Abel-Wanek, Düsseldorf / Den Wunsch, Neues entstehen zu lassen, teilten Alchemisten mit vielen Künstlern. Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf präsentiert in einer großen Ausstellung die Verbindung von Kunst und Alchemie in vergangener und heutiger Zeit.

Die Schau beginnt bei Adam und Eva. Die Neugier und Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten, ins Unbekannte vorzustoßen und dafür auch Risiken auf sich zu nehmen, zeichneten schon das erste Menschenpaar aus. Neugierig auf Neues waren seit jeher auch Alchemisten und Künstler. Beide wollten die Welt erforschen und den Geheimnissen der Natur auf die Spur kommen –die einen in geheimnisumwitterten Laboratorien, die anderen mit Pinsel und Farbe. Beider Wege und Ziele weisen überraschende Gemeinsamkeiten auf, wie die Ausstellung »Kunst und Alchemie – das Geheimnis der Verwandlung« nun zeigt. Die Schau gliedert sich in zwei große Abschnitte: einen Teil mit alten Objekten aus vormoderner Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts und einen neuen Teil mit der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

 

Welche Faszination die Alchemie auf viele bildende Künstler ausübte, zeigen die prachtvollen Gemälde von Meistern der Renaissance und des Barocks, mittelalterliche Buchmalereien, leuchtend zinnoberrote Glaskunst, Waffen- und Goldschmiedearbeiten, Keramiken und Bronzen ebenso wie die Arbeiten von Surrealisten und zeitgenössischen Künstlern: insgesamt rund 350 Bilder, Objekte und Installationen von unter anderem Brueghel, Cranach, Dürer und Rubens, aber auch von Max Ernst, Beuys, Polke oder Kiefer. Für eher an Naturwissenschaft und Technik Interessierte: die Kunst- und Wunderkammer mit exotischen Pflanzen- und Tierpräparaten und wissenschaftlichen Instrumenten, die Alchemistenküche und ihre Gerätschaften aus dem 17. bis 19. Jahrhundert oder die historische Pigmente-Sammlung.

 

Eine der antiken Wurzeln der Alchemie liegt in der Färbekunst. Der Farbe wurde im alten Ägypten die Fähigkeit zugesprochen, Dinge zu verwandeln – ob in der Metallurgie Silber durch verschiedene Verfahren einen goldartigen Überzug erhielt, ob geschmolzenes Glas in den Farben von Halbedelsteinen aus dem Ofen kam oder ob man Stoffe purpurn färbte.

 

Die Kunst, Gold zu machen

 

Die Alchemie gilt bis heute als die obskure Kunst, Gold zu machen, sie wird mit Magie und Hexerei oder Täuschung gleichgesetzt. Seit sie im Zeitalter der Aufklärung aus dem Wissenschaftsbetrieb verschwand, sah man in ihr eine eher betrügerische und sogar schädliche Bewegung. Neuere Geschichtsforschung korrigiert dieses Bild und zeigt, dass Alchemisten und ihr Handwerk auch ernsthafte Beiträge für die vormoderne Kultur geleistet haben. Die Alchemie zielte keineswegs einseitig – und wie jeder weiß fruchtlos – auf die Herstellung von Edelmetallen ab. Vielmehr produzierten Alchemisten eine Vielzahl ebenso einfach herzustellender wie nützlicher Chemikalien, mit denen sie auch regen Handel betrieben: Medikamente, Farbstoffe, Legierungen oder Kosmetika. Die ersten Naturforscher und Chemiker waren Alchemisten. Universitätsprofessoren und Aristokraten zählten zu den Anhängern der Alchemie, angesehene Persönlichkeiten wie der Arzt Paracelsus, der Physiker Isaac Newton oder der Dichter Wolfgang von Goethe nahmen sie ernst. Ein erstmals in Europa ausgestelltes Originalmanuskript von Newton ist einer der Höhepunkte der Düsseldorfer Schau. /

Ausstellung

Kunst und Alchemie – Das Geheimnis der Verwandlung, Stiftung Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf, 5. April bis 10. August 2014, www.smkp.de

 

Katalog: Hirmer-Verlag, ISBN 978-3-777-421988. Museumsausgabe: EUR 29,90, Buchhandel: EUR 39,90

 

Die Ausstellung ist Teil der Quadriennale Düsseldorf, ein alle vier Jahre stattfindendes Fest der Bildenden Kunst, an dem sich alle führenden Düsseldorfer Ausstellungshäuser beteiligen.

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