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Weltgesundheitstag

»Die Waffe Antibiotika ist stumpf«

12.04.2011  18:36 Uhr

Von Stephanie Schersch, Berlin / Resistente Keime sind ein wachsendes Problem. Auch der Weltgesundheitstag hat sich mit diesem Thema befasst. Professor Dr. Reinhard Burger vom Robert-Koch-Institut sprach dabei von einer großen Gefahr für die Bevölkerung.

Immer mehr Antibiotika fallen als Therapiemöglichkeit aus, weil Bakterien Resistenzen entwickeln. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dieses Thema als drängendes Problem auf die Agenda gesetzt und zum Motto beim diesjährigen Weltgesundheitstag am 7. April erklärt. Dabei mahnte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Professor Dr. Reinhard Burger, eindringlich zu einem verantwortungsbewussten Einsatz von Antibiotika. »Die Waffe Antibiotika ist stumpf geworden«, sagte Burger in Berlin. Ärzte verordnen Antibiotika häufig zu schnell und fördern damit die Entstehung von Resistenzen. Unempfindliche Keime werden aber auch über Nahrungsmittel vom Tier auf den Menschen übertragen. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, könnten Infektionen wieder zu einer großen Bedrohung für die Bevölkerung werden, warnte Burger.

In Deutschland gibt es seit 2008 die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie. Ziel sei zum einen, die Zahl der Infektionen zu reduzieren und zum anderen, die Resistenzen einzudämmen, sagte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Er verwies auch auf das geplante Infektionsschutzgesetz, das zurzeit im parlamentarischen Verfahren steckt. In Deutschland erkranken jedes Jahr bis zu 600 000 Menschen an Krankenhauserregern. Rund 20 Prozent davon sind laut Rösler Infektionen mit resistenten Keimen, ein Wert, der deutlich über dem einiger europäischer Nachbarstaaten liegt.

 

Das geplante Gesetz schreibt Hygienestandards für Kliniken vor, eine neue Kommission am Robert-Koch-Institut soll Richtlinien für den Einsatz von Antibiotika aufstellen, an die sich Ärzte halten müssen. Daneben seien aber auch verstärkte Bemühungen in der Forschung notwendig, so Rösler. An die Adresse der Pharmahersteller sagte er: »Ich würde mir wünschen, dass auch in der Industrie weiter an Antibiotika geforscht wird.«

 

Im Kampf gegen resistente Keime arbeiten das Gesundheitsministerium und das Bundeslandwirtschaftsministerium zusammen. »Nur von gesunden Tieren können auch gesunde Nahrungsmittel kommen«, sagte die Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung, Ilse Aigner (CSU). Für den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung gebe es strikte Vorgaben. Sie dürfen erst nach der Untersuchung durch einen Tierarzt verabreicht werden, außerdem gibt es eine Höchstmenge und eine Karenzzeit vor der Schlachtung. »Antibiotika kommen nur dann zum Einsatz, wenn es unbedingt notwendig ist«, versicherte Aigner. Lebensmittel würden zudem auf resistente Erreger überprüft.

 

Neben Maßnahmen auf Bundesebene seien vor allem regionale Netzwerke von Bedeutung, sagte Fabian Feil vom Gesundheitsministerium in Niedersachsen. Darin schließen sich die einzelnen Akteure zusammen, wie Krankenhäuser, Ärzte- und Apothekerkammern, Forschungslabore und Universitäten. »In fast allen Bundesländern wurden bereits solche Netzwerke gebildet oder sie sind um Aufbau«, sagte Feil. Dabei gehe es besonders um den Wissenstransfer und die Fortbildung der Fachberufe. Zudem würden Leitlinien und Empfehlungen aufgestellt, wie resistente Keime bekämpft werden können. /

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