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Auslandsemester

Ohne Fleiß kein Reis

12.04.2010
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Von Jan-Frederik Schlender / Da mich die chinesische Sprache fasziniert und ich durch einige Reisen Asien näher kennenlernen konnte, war bei mir der Entschluss gereift, ein Auslandsemester in einem chinesisch-sprachigen Land anzugehen. Die Möglichkeit bot sich durch den Direktaustausch der Uni Bonn. Dabei lernte ich auch die asiatische Arbeitsmentalität kennen.

Glücklicherweise hatte ich nach meiner Ankunft in Taipeh noch eine Woche Zeit zur Eingewöhnung. Die Stadt war beeindruckend. Drei Millionen Menschen auf einer Stadtfläche so groß wie Münster, Hochhäuser, überfüllte Straßen und Temperaturen über 30 °C. Nach der Orientierungsveranstaltung an der National Taiwan University (NTU) und den ersten Unternehmungen mit anderen Austauschstudenten, begann die Vorlesungszeit.

Die NTU besitzt ungefähr ein Prozent der Gesamtfläche Taiwans; es fiel daher nicht leicht, am Anfang alle Institute und Räume sofort zu finden. Allein die medizinische Fakultät, der ich angehörte, befand sich in einem riesigen Komplex mit dem Universitätsklinikum im Zentrum der Stadt. Das Institut gefunden, stellte ich bei einer Begrüßungsveranstaltung für die neuen Masterstudenten schnell fest, dass ich der einzige Nicht-Asiat war. Das Institut hatte fast keine Erfahrung mit Austauschstudenten und da das Studium grundlegend anders aufgebaut war, galt es, in der ersten Woche die Ziele meines Aufenthalts abzustecken.

 

Zuerst stand die Kurswahl auf dem Programm. Online konnte ich vor meiner Anreise Kurse wählen. Diese Kurse erwiesen sich jedoch ziemlich schnell als Wiederholung dessen, was ich bereits in Bonn gelernt hatte. Innerhalb der ersten zwei Wochen konnte ich dann aber die Kurse wechseln. Ausländer haben grundsätzlich ein Vorrecht bei der Kurswahl an der NTU. Die meisten Professoren erklärten sich auch schnell bereit, zumindest wichtige Thesen auf Englisch anzu-­sprechen.

Während des Bachelorstudiums besteht für Pharmaziestudenten in Taiwan keine Laborpflicht. Im Masterstudium bewirbt man sich dann auf einen ganz bestimmten Fachbereich bei einem Professor. In dem Arbeitskreis des Professors verbringt man mindestens zwei Jahre. Währenddessen ist der Besuch einiger Kurse vorgeschrieben. Viele Studenten warten Jahre, um eine Zusage an dieser größten Universität des Landes und einer der führenden Asiens die Zusage zu erhalten. Ich habe mich um einen Platz bei einer Technologie-Professorin bemüht. Wie alle anderen Professoren auch, hatte sie ihre Promotion in Amerika gemacht. Daher war die Kommunikation von Beginn an problemlos. In ihrem Labor waren neben mir noch zwei weitere Masterstudenten und zwei Doktoranden tätig.

 

Meine Arbeit befasste sich mit einer In-vivo-Studie von Theophyllin-Retardtabletten. Hierfür hatte mich ein Pharmakologe aus dem Institut angelernt und unterstützt. Die Arbeitszeit war eigentlich frei gesteckt, jedoch gilt insgeheim, dass niemand abends vor dem Professor nach Hause geht. Dies bedeutete häufiger eine Anwesenheit bis in die späten Abendstunden.

 

Chinesisch für Anfänger

 

Neben meiner Arbeit am Institut habe ich auch einen Chinesisch-Sprachkurs besucht. Dieser war über den Direktaustausch organisiert und fand täglich für zwei Stunden statt. Zwar war es ab und zu schwierig, die Arbeit im Labor mit dem täglichen Kurs zu vereinbaren, allerdings lernte ich hier schnell die nötigsten Umgangsformen für den Alltag. Darüber hinaus war es die einzige Veranstaltung, die ich zusammen mit anderen Austauschstudenten besuchen konnte.

 

Abschließend kann ich nur jedem empfehlen, den Schritt in einen außereuropäischen Kulturkreis zu wagen, um dort ein Praktikum zu absolvieren. Die Anstrengungen im Vorfeld haben sich auf jeden Fall gelohnt und mir einige unvergessliche Erlebnisse beschert. Bedenken, sich in dieser großen Stadt nicht zurechtfinden, waren stets unangebracht, denn die Taiwanesen halfen einem immer bereitwillig weiter und begleiteten einen auch gern bis zum Ziel. Auch wenn nur wenige Englisch sprechen und man gut beraten ist, schnell die nötigsten Vokabeln zu lernen, kann man schnell Anschluss finden und eine schöne Zeit dort verbringen. / 

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