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Pharmazie wieder beleben

05.04.2007  12:06 Uhr

Pharmazie wieder beleben

Es ist immer wieder erschreckend, wenn man hören und lesen muss, dass viele Bundesbürger nicht mehr wissen, warum sie Ostern feiern. Dabei könnte und sollte für uns in der abendländischen und christlichen Kultur Ostern zum Nachdenken und In-sich-Gehen motivieren. Warum ist Jesus gekreuzigt worden und am dritten Tag wieder auferstanden? Trauer und Freude, Ende und Neuanfang kann mit Ostern verbunden werden.

 

Gewisse Parallelen zur Pharmazie lassen sich nicht verleugnen. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass viele unserer Berufskollegen und -kolleginnen nicht mehr wissen, warum sie Pharmazie studiert haben, was pharmazeutische Tätigkeit überhaupt bedeutet und dass sie den Auftrag als Heilberufler nicht mehr wahrnehmen wollen oder können. Dabei setzen sie oft auf falsche Propheten, die ihnen aus vordergründigen finanziellen Eigeninteressen das Heil zum Beispiel unter einem grünen Kreuz oder in einer Kette versprechen. Die Bedingungen lauten, sich selbst aufzugeben und die Individualität gegen eine Marke einzutauschen. Dass sie dabei persönlich nur verlieren können, ihre Unabhängigkeit aufgeben und dafür ökonomisch keine Garantie bekommen zu überleben, wird nicht gesehen oder verdrängt.

 

Gerade die aktuelle, von der Politik angestoßene Diskussion um die vertrauliche Beratung bei der Abgabe von Arzneimitteln in der Apotheke (siehe hier) zeigt, wie labil die vermeintliche Ruhe in der Apothekenlandschaft ist. Die Zukunft der deutschen, individuell geführten Apotheke, so wie sie die meisten Kolleginnen und Kollegen noch wollen, wird davon abhängen, wie die Apotheker ihre Rolle als Heilberufler wahrnehmen und in welchem Umfang die Gesellschaft vom Wissen der Apotheker profitieren kann. Deshalb kann sich der Apotheker nicht auf Preisdumping und Rabattgewährung reduzieren lassen, er muss zum Nutzen der Patienten einen interdisziplinäreren Wissenstransfer mit den Ärzten initiieren. Politik und auch die Krankenkassen müssen davon überzeugt werden, dass die Unabhängigkeit der Apotheken die Basis für den Nutzen des Systems darstellt. Die Auferstehung und die Wiederbelebung der Pharmazie in der Praxis ist der Garant für den Erfolg.

 

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Chefredakteur

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