Pharmazeutische Zeitung online

Kaum zu glauben

03.04.2012
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Es war wirklich bemerkenswert, was da über den Ticker kam: Der Bundesrat spricht sich mehrheitlich für ein Verbot des Rx-Versandhandels aus. Während Vertreter der Apothekerschaft – allen voran ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf – dieses Ergebnis als »einen richtigen Schritt in Richtung Patientensicherheit« begrüßen, meldet sich der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn und artikuliert, dass »der Versandhandel zum Wettbewerb im Apothekenmarkt gehört und dieser für manche eine willkommene Alternative ist«. Und er fügt hinzu: »Die Diskussion über den Versandhandel ist fast reaktionär und eine Debatte von vorgestern«.

 

Beide, sowohl der ABDA-Präsident als auch der Politiker argumentieren mit dem Wohl des Patienten. Wer liegt also falsch mit seiner Einschätzung?

 

Für den ABDA-Präsidenten spricht das Ergebnis der Beratungen eines Fachausschusses, der es sich offensichtlich nicht einfach gemacht hat. Für den CDU-Gesundheitsexperten Spahn spricht die Stimmungslage bei einflussreichen Amplifikatoren, allen voran den Medien.

 

Der Bundesrat kam aufgrund der Empfehlung des Gesundheitsausschusses zu dem Ergebnis, dass »die uneingeschränkte Zulassung des Versandhandels mit Arzneimitteln zu einer Verminderung der Patientensicherheit geführt hat«. Inbesondere die Erfahrung der letzten Zeit hat eindeutig gezeigt, dass die Verbraucher nicht zwischen seriösen und illegalen Anbietern unterscheiden können. Denn »die Hälfte aller im Internet bestellten Medikamente sei gefälscht«, betonte auch noch mal der Gesundheitsausschuss zur Begründung seiner Empfehlung.

 

Die Hälfte der im Internet bestellten Medikamente ist gefälscht? Das nennen wir Evidenz! Evidenz dafür, dass der nur schwer zu kontrollierende Handel mit Medikamenten im Internet ein Schritt in die falsche Richtung war. Niederschmetternd ist das Ergebnis, wenn man die Seriösität des Internetversands von Arzneimitteln bilanziert.

 

Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber dem begründeten Votum des Bundesrates folgt – zur Sicherheit und zum Wohle der Patientinnen und Patienten.

 

Daran glauben mag man zum jetzigen Zeitpunkt hingegen noch nicht.

 

Professor Dr. Theo Dingermann

Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz

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