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Arzneimittel

Internet fördert Kriminalität

08.04.2008  17:38 Uhr

Arzneimittel

Internet fördert Kriminalität

Von Daniel Rücker

 

Es vergeht keine Woche ohne neue Hiobsbotschaften zum Internethandel mit Arzneimitteln. Jetzt hat sich das Bundeskriminalamt (BKA) zu Wort gemeldet und von einem Anstieg der Delikte im vergangenen Jahr berichtet. Die ABDA plant eine Informationskampagne.

 

Der Trend ist eindeutig. Wie heftig der Anstieg ausgefallen ist, lässt sich jedoch nicht quantifizieren. Vor einer Woche hat das BKA auf seiner jährlichen Pressekonferenz in Wiesbaden die Arzneimittelkriminalität erstmals als eigenen Punkt erfasst. Die Arzneimittelkriminalität zählt nunmehr zu den sechs Bereichen, die vom BKA auf der Jahrespressekonferenz explizit dargestellt werden. Allein dies macht die Größe des Problems deutlich.

 

In rund 2400 Fällen stellten die Ermittler eine Straftat fest. Vor allem der illegale Handel mit gefälschten Arzneimitteln über das Internet habe deutlich zugenommen, sagt das BKA und untermauert damit die Ergebnisse einer eigenen Untersuchung aus dem Vorjahr.

 

Zwar liegt ein Schwerpunkt auf Lifestyle-Medikamente. Wie der zuständige BKA-Abteilungspräsident Jürgen Maurer in Wiesbaden ausführte, beschränken sich die Fälscher aber nicht darauf: »Alles wird gefälscht: Schlankmacher, Krebs- und Schmerzmittel und zigtausende andere Präparate, darunter auch bekannte Arzneimittel.« Manche Fälschungen seien nicht einmal für Fachleute zu erkennen.

 

Dabei tappen die Besteller oft ahnungslos in die Falle. Der illegale Versandhandel über das Internet erhöhe erheblich die Gefahr, dass Verbraucher unwissentlich Arzneimittel konsumieren, die zu schweren gesundheitlichen Schäden bis hin zum Tod führen können, heißt es in der BKA-Pressemeldung.

 

Oftmals handle es sich bei den Tätern um Banden und kriminelle Organisationen: »Die Verfahren in Deutschland zeigten die internationale Dimension, hohe Gewinnmargen und konspirativ organisierte Handelsstrukturen der Arzneimittelkriminalität - und damit organisierte Täterstrukturen.«

 

Kriminalität jetzt bekämpfen

 

Neben dem Vertrieb gefälschter Medikamente ist Doping der zweite große Block in der Arzneimittelkriminalität. Vor allem im Radsport sei die unerlaubte Leistungssteigerung mit chemischen Substanzen ein flächendeckendes Problem. Gleichzeitig gehe vom Spitzensport eine Signalwirkung für den Breitensport aus. Dort seien die Gefahren besonders groß, da die Sportler in der Regel nicht unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle stünden.

 

Der Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Heinz-Günter Wolf, forderte angesichts der dramatischen Zahlen, die »organisierte Arzneimittelkriminalität jetzt zu bekämpfen«. Der Bericht entlarve das Internet eindeutig als »Einfallstor der organisierten Kriminalität beim Handel mit Medikamenten«. Gesellschaft, Behörden und Politik sollten dies als »Weckruf« verstehen, die organisierte Arzneimittelkriminalität zu bekämpfen. Wolf: »Wir brauchen eine schnelle Lösung für ein dramatisch wachsendes Problem.«

 

Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutisch-Technischen Assistentinnen (BVpta), Sabine Pfeiffer, schloss sich Wolfs Forderung nach einem schnellstmöglichen Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln an. Pfeiffer: »Es ist für keinen Verbraucher nachprüfbar, ob es sich bei einer Internetapotheke um einen seriösen Anbieter oder lediglich um einen Geschäftemacher handelt.« Deshalb sei niemand wirklich davor geschützt, im weltweiten Netz an einen kriminellen Scharlatan zu geraten.

 

Die sich in immer schnellerer Folge wiederholenden Meldungen über Arzneimittelfälschungen haben die ÀBDA zu einer bundesweiten Kampagne unter dem Titel »Vorsicht, Fälschung!« bewogen. Ab diesem Freitag erhalten alle deutschen Apotheken einen Umschlag mit Material zur Weitergabe an die Patienten. Darin findet sich ein Plakat für den Aushang im Schaufenster sowie jeweils rund 500 Informationszettel im Format DIN A6, die den Apothekenkunden mitgegeben werden können. Die ABDA hofft, dass sich möglichst viele Apotheken dieses extrem wichtigen Themas annehmen und ihre Patienten über die Gefahren alternativer Vertriebswege aufklären. Das Ziel sei es, »viele Millionen Menschen daran zu erinnern, dass der sicherste Weg in die Apotheke ihres Vertrauens führt.«

 

Die ABDA will die Kampagne mit einer intensiven Medienarbeit begleiten. Unter www.aponet.de finden Apotheker und Apothekenkunden zudem zahlreiche Informationen und nützliche Links zum Thema Arzneimittelfälschung.

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