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Multiple Sklerose

Fingolimod- Weiterentwicklung macht sich bereit

28.03.2018  10:13 Uhr

Sven Siebenand / Das Pharmaunternehmen Novartis plant, in Kürze die Zulassung für den Multiple-Sklerose-Wirkstoff Siponimod in den USA zu beantragen. In der EU soll der Zulassungsantrag erst später eingereicht werden, da noch eine Beratung mit der europäischen Zulassungsbehörde EMA stattfindet.

 

Das Einsatzgebiet von Siponimod soll die sekundär progrediente Multiple Sklerose (SPMS) werden. Diese ist gekennzeichnet durch eine sukzessive Verschlechterung der neurologischen Funktion. Das führt zu einer fortschreitenden Behinderungsprogression, die weitgehend unabhängig von Schüben ist. Es besteht ein hoher ungedeckter Bedarf an wirksamen und sicheren Behandlungen, die die Behinderungsprogression bei SPMS verzögern können.

 

Eine wichtige Grundlage des Zulassungsantrags werden die Ergebnisse der Phase-III-Studie Expand sein. Wie Wissenschaftler um Professor Dr. Ludwig Kappos von der Universität Basel aktuell im Fachmagazin »The Lancet« berichten, konnte Siponimod das stetige Fortschreiten von Behinderungen verlangsamen (DOI: 10.1016/S0140-6736(18) 30475-6). Die 1646 Teilnehmer der Studie erhielten entweder einmal täglich 2 mg Siponimod oder Placebo. Siponimod reduzierte gegenüber Placebo das Risiko einer nach drei Monaten bestätigten Behinderungsprogression um statistisch signifikante 21 Prozent. Im Schnitt nahmen die Probanden den Wirkstoff über 18 Monate ein. Langzeitdaten fehlen zwar noch, doch zeigten Hirnscans nach 24 Monaten Behandlung, dass sich unter Verum die Rate des Hirnvolumenverlusts um 23 Prozent verlangsamte. Als Nebenwirkungen traten unter anderem Bradykardie, Hyper­tonie, Leukopenie, erhöhte Leberenzymwerte, Krämpfe und Makulaödeme auf.

 

In einem begleitenden Kommentar merkt Dr. Luanne Metz von der Universität Calgary an, dass Siponimod in der Studie nicht alle sekundären Endpunkte positiv beeinflusst hat (DOI: 10.1016/S0140-6736(18)30426-4). Sie hält den Zeitraum des primären Endpunkts – Verzögerung der Behinderungsprogression nach drei Monaten – für zu kurz. Um herauszufinden, ob die Einnahme wirklich effektiv bei SPMS sei, müsse eine zweite Studie das Ergebnis bestätigen. Novartis plant jedoch, die Zulassung für Siponimod in den USA nun unmittelbar zu beantragen.

 

Agonist an S1P-Rezeptoren

 

Siponimod hat einen ähnlichen Wirkmechanismus wie das bereits seit einigen Jahren verfügbare Fingolimod (Gilenya®), das ebenfalls aus dem Hause Novartis stammt. Dessen aktiver Metabolit, Fingolimod-Phosphat, ist ein Modulator an Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptoren (S1PR), vor allem der Rezeptorsubtypen 1, 4 und 5. Von besonderer Bedeutung ist dabei die agonistische Aktivität am S1PR1, wodurch der Austritt von Lymphozyten aus den Lymphknoten und damit die Einwanderung in ZNS-Entzündungsgebiete verhindert werden kann. Man führt diese Wirkung auf eine Herunterregulierung der S1PR1 und eine Internalisierung dieser Rezeptoren zurück, mit welcher der Körper auf die agonistische Aktivität von Fingolimod-Phosphat reagiert. Siponimod ist ebenfalls ein S1PR-Agonist. Im Vergleich zu Fingolimod soll er aber deutlich selektiver die Rezeptor-Subtypen 1 und 5 ansprechen. Wie Fingolimod ist auch Siponimod oral bioverfügbar. /

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