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Gynäkologie

Infektionen der Intimzone

19.03.2012
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Von Marion Hofmann-Aßmus / Jucken, Brennen, Rötung oder Schmerzen in der Intimzone: Nicht immer steckt eine Candidose dahinter. Stattdessen kommt eine Vielzahl an Erkrankungen infrage. Manche sind auch in Fachkreisen noch relativ unbekannt, etwa die aerobe Vaginitis oder das vulväre Vestibulitis-Syndrom.

Infektionskrankheiten nehmen in der Gynäkologie eine bedeutende Stellung ein. Virale, bakterielle oder fungale Erkrankungen sind häufig, ihre Diagnose ist jedoch teilweise nicht einfach. Die betroffenen Frauen haben daher oft einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie die richtige Diagnose erhalten.

 

Vielen Krankheiten ist gemeinsam, dass sich das normale Keimspektrum der Vaginalflora verändert. Dies betrifft nicht unbedingt die Art der Mikroorganismen, sondern vor allem deren Mengenverhältnis zueinander. In einer gesunden Vaginalflora dominieren bestimmte Laktobazillen-Stämme. Diese können einerseits Bacteriozine (proteinogene Toxine) bilden, die das Wachstum pathogener Erreger hemmen. Andererseits sorgen sie durch die Produktion von Wasserstoffperoxid (H2O2) für ein saures Milieu in der Vagina. Mit einem pH-Wert unter 4,5 schaffen sie ein sehr ungünstiges Wachstumsmi­lieu für andere Mikroorganismen.

 

Dennoch finden sich selbst in einem intakten vaginalen Ökosystem immer auch potenziell pathogene Erreger. So lassen sich bei symptomlosen Frauen zum Beispiel Streptokokken (bis zu 20 Prozent der Frauen), Corynebakterien (bis zu 72 Prozent), Candida albicans (bis zu 30 Prozent) oder Clostridium perfringens (bis zu 9 Prozent) nachweisen. Eine Infektion lösen diese Mikro­organismen jedoch nur aus, wenn die Anzahl der Laktobazillen abnimmt. Dies kann beispielsweise durch die Einnahme von Antibiotika geschehen.

 

Kaum bekannt: aerobe Vaginitis

 

Die bakterielle Vaginose (BV) ist ein klassisches Beispiel für eine Störung der vaginalen Flora (siehe Kasten). Daneben gibt es offensichtlich eine weitere Erkrankung, die sich durch eine andere Ätiologie und unterschiedliche Beschwerden auszeichnet.

Professor Dr. Gilbert Donders vom Universitätskrankenhaus Leuven, Belgien, prägte dafür 2002 den Begriff »aerobe Vaginitis« (AV) (1, 2). Darin zeigt sich bereits ein grundlegender Unterschied: In der Kultur wachsen – im Gegensatz zur bakteriellen Vaginose – überwiegend aerobe Keime, etwa B-Streptokokken. Die Anzahl der Laktobazillen erscheint im Mikroskop wie bei der bakteriellen Vaginose stark verringert, doch fehlen die für diese Infektion typischen Schlüsselzellen. Diese »Clue cells« sind Zellen der Scheidenschleimhaut (Plattenepithelzellen). Bei einer bakteriellen Vaginose sind sie dicht mit Bakterien, meist Gardnerella vaginalis besiedelt. Bei der aeroben Vaginitis zeigen sich dafür vermehrt Leukozyten, denn die Erkrankung geht mit einer Entzündung einher.

 

»Während bei einer bakteriellen Vaginose die Immunreaktion eher unterdrückt erscheint, zeigt sich bei einer aeroben Vaginitis eine starke Immun­reaktion«, erklärte der Gynäkologe bei einem gynäkologischen Symposium in Bielefeld (3). Allerdings gehen die Experten nicht von einer primär bakteriologischen Ursache aus, sondern vielmehr von einem immunologischen Problem im Scheidenepithel.

 

Die klinischen Symptome unter­scheiden sich ebenfalls von der bakteriellen Vaginose. Patientinnen mit aerober Vaginitis berichten über Schmerzen in der Scheide und Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr); der Ausfluss erscheint gelblich-grün, hat jedoch keinen Amingeruch. Der pH-Wert ist ebenfalls erhöht und liegt über 5,2. Laut Donders können auch Mischungen aus beiden Erkrankungen vorkommen.

 

Schwierig zu behandeln

 

Ein einheitliches Schema oder eine Leitlinie für die Therapie der aeroben Vaginitis gibt es bislang nicht. »Metronidazol eignet sich nicht zur Behandlung«, kon­statierte Donders. Er behandle je nach mikroskopischem Befund lokal mit An­tibiotika, Estrogenen, Antiseptika wie PVP-Iod und bei ausgeprägten Entzündungszeichen mit Corticosteroiden.

Bakterielle Vaginose als ökologische Störung

Die bakterielle Vaginose weist einige charakteristische Merkmale auf. So bemerkt die Frau meist einen homogenen grau-wässrigen Ausfluss sowie einen fischigen Geruch, der durch Aminbildung entsteht. Der Scheiden-pH-Wert liegt über 4,5. Ansonsten verursacht die Erkrankung weder Schmerzen noch Juckreiz oder sonstige Symptome, da es sich nicht um eine entzündliche Krankheit handelt. Im Mikroskop zeigt sich ein 100- bis 1000-facher Anstieg patholo­gischer Bakterien, insbesondere von Gardnerella vaginalis und genitalen Mykoplasmen, während die Anzahl der Laktobazillen substanziell vermindert ist. Sind im Phasenkontrastmikroskop Schlüsselzellen (Clue cells) zu erkennen, ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine bakterielle Vaginose.

 

Als Standardtherapie gilt Metronidazol, entweder sieben Tage lang zweimal 500 mg peroral oder ein- bis zweimal 2 g peroral im Abstand von 48 Stunden. Die intravaginale Applikation von Metronidazol (zweimal 1 g im Abstand von 24 Stunden) ist gemäß einer Studie ebenso wirksam wie die orale Einmalgabe von 2 g (5). Allerdings scheint sie besser verträglich zu sein und mit einer höheren Zufriedenheit und besseren Compliance der Frauen einherzugehen als die orale Einnahme. Als gleichwertige Alternative steht Clindamycin als 2-prozentige Vaginalcreme (sieben Tage, 5 g täglich) zur Verfügung.

 

Problematisch ist die hohe Rezidivrate. Dafür wird ein bakterieller Biofilm verantwortlich gemacht, der dem Vaginalepithel anhaftet und durch die gängigen Medikamente nicht zu beseitigen ist. Eine routinemäßige Mitbehandlung des Partners wird in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) derzeit nicht empfohlen, wird aber besonders bei rezidivierender bakterieller Vaginose diskutiert. Für Schwangere ist die orale oder intravaginale Gabe von Metronidazol oder Clindamycin nach dem ersten Trimenon erlaubt. In den Leitlinien wird die intravaginale Gabe von pH-senkender Milchsäure als »in der Prävention tendenziell wirksam« beschrieben.

Eine Störung der Vaginalflora ist besonders für Schwangere problematisch. Denn sie erhöht die Gefahr einer aufsteigenden Infektion und damit das Risiko für eine Frühgeburt. Eine Abnahme der Laktobazillen geht mit einem Anstieg des pH-Werts einher. Diesen Indikator kann die Frau durch Scheiden-pH-Messung mit einem Testhandschuh selbst ermitteln. Ob sich damit allerdings Frühgeburten verhindern lassen, ist fraglich. Dies zeigte die Evaluation eines Modellvorhabens aus dem Jahren 2004 bis 2006, die kürzlich publiziert wurde (4). Schwangere Frauen maßen den pH-Wert in der Scheide zwischen der 12. und 32. Schwangerschaftswoche zweimal wöchentlich und ließen auffällige Messergebnisse gynäkologisch abklären und gegebenenfalls behandeln. Ein statistisch signifikanter Vorteil bei der Verhütung von Frühgeburten konnte in dieser Auswertung nicht belegt werden.

 

Experten wie Donders empfehlen bei einer stark geschwächten Laktobazillen-Population dennoch die Applikation von Laktobazillen mittels Scheidenzäpfchen.

 

Schmerzvoll: vulväres Vestibulitis-Syndrom

 

Schon die kleinste Berührung im Intimbereich löst bei Frauen mit vulvärem Vestibulitis-Syndrom (VVS) starke Schmerzen aus. Die Frauen beschreiben diese entweder als Brennen und Stechen oder als Gefühl von Wundsein. Die Beschwerden halten über Monate und Jahre hinweg an. Im Extremfall können die Frauen kaum mehr sitzen und in engen Hosen nicht mehr schmerzfrei gehen.

Bei dieser noch weitgehend unbekannten Krankheit überwiegen die Ungewissheiten. Klar ist: »Vulva« bezeichnet die weibliche Schamregion und »Vestibulum« den Scheidenvorhof, der von den kleinen Schamlippen umschlossen wird. Hier sitzen die Schmerzen. Allerdings gibt es diverse Bezeichnungen für das Leiden. In der Literatur sind neben dem »vulvären Vestibulitis-Syndrom«, auf das sich die International Society for the Study of Vulvovaginal Diseases (ISSVD) vormals festgelegt hat, auch der Begriff »Vulvodynie« oder »Burning Vulva-Syndrom« bekannt. Bei der ISSVD war zudem die Bezeichnung »vulväres Dysentesie-Syndrom« im Gespräch. Teilweise wird das Syndrom als eine spezielle Form der Vulvodynie bezeichnet – eine Erkrankung, die chronische Schmerzen am weiblichen äußeren Genitale beinhaltet.

 

Unklar ist weiterhin die Häufigkeit. Die Angaben in der Literatur schwanken zwischen 5 und 16 Prozent aller Frauen. In Lehrbüchern ist die Krankheit kaum beschrieben, und es gibt nur wenige Studien dazu. Folglich ist das vulväre Vestibulitis-Syndrom bislang selbst unter Gynäkologen relativ unbekannt.

 

Schwierig ist auch die Diagnose. Klagen über nicht auffindbare Schwellungen im Genitalbereich führen die Ärzte in die Irre. Mit bloßem Auge ist oft nur ein wenig Rötung zu erkennen. Entsprechend häufig sind die Fehldiagnosen. Viele Frauen haben bis zur korrekten Diagnose jahrelange Behandlungen mit Antimykotika und Antibiotika hinter sich, die ihnen keinerlei Linderung verschafft haben.

 

Einen wichtigen Hinweis gibt die Lokalisation des Schmerzes. Wie Donders erklärt, sind meist zwei Bereiche der Vulva und des Scheidenvorhofs (stellt man sich diesen Bereich als rundes Ziffernblatt vor, bei 5 und 7 Uhr) besonders druckempfindlich, wenn man sie mit einem Wattestäbchen berührt (Touch-Test). »Reagieren vier Punkte schmerzhaft, also zusätzlich bei 11 und 13 Uhr, leiden die Frauen häufig unter sehr starken Schmerzen, die jegliches Sexualleben unmöglich machen«, berichtet der Gynäkologe.

 

Worauf das Schmerzsyndrom beruht, ist ebenfalls ungeklärt. Diskutiert wird eine gestörte Regulation der Immunantwort. Gewiss scheint, dass weder eine HPV- noch eine genitale Candida-Infektion damit assoziiert sind. Oft tritt das Syndrom gemeinsam mit einer interstitiellen Zystitis, einer chronischen abakteriellen Blasenentzündung, auf. Die Betroffenen nennen als Ausgangspunkt zudem häufig ein Trauma, etwa eine schwere Geburt mit großem Dammschnitt.

 

Einig sind sich die Experten, dass das vulväre Vestibulitis-Syndrom nicht den psychosomatischen Krankheiten zuzuordnen ist. Ein Besuch beim Psychologen sollte der Frau nur empfohlen werden, wenn ihre Psyche aufgrund langjähriger Schmerzen und gravierender Partnerschaftsprobleme beeinträchtigt ist.

 

Rein empirische Therapie

 

Alle Therapieansätze sind beim vulvären Vestibulitis-Syndrom rein empirisch, deutsche Leitlinien fehlen. Fest steht nur, dass die häufig verschriebenen Antimykotika und Antibiotika nicht helfen. Da niedrig dosierte Kontrazeptiva (insbesondere gestagenhaltige) als Auslöser nicht ausgeschlossen werden können, empfiehlt Donders seinen Patientinnen, diese umgehend abzusetzen. »Man sollte den Frauen zudem sagen, dass keine rasche Heilung in Aussicht steht«, betonte der Gynäkologe.

 

Folgende Therapieansätze erwiesen sich als teilweise erfolgreich, größere Studien fehlen jedoch:

 

lokale Estrogenanwendung,

lokale Corticosteroide,

Elektrostimulation,

Injektionen mit Botulinumtoxin,

intraläsionale Injektion von Dexamethason,

perorale Gabe von Gabapentin oder trizyklischen Antidepressiva,

Hautexzision.

 

Manche Patientinnen scheinen gut auf eine »biorestorative« Creme anzusprechen, die ein Lysat aus kultivierten Zellen (humane fetale Hautzellen) mit antiinflammatorischen Zytokinen enthält. Das Topikum ist in Deutschland aber nicht zugelassen. Donders und seine Arbeitsgruppe untersuchten die Wirkung in einer placebokontrollierten Doppel-Crossover-Studie. »Wir sahen unter der Creme keinen dramatischen Effekt, aber einen ermutigenden Trend zu Besserung«, berichtete der Gynäkologe bei einer Fachtagung (3a).

 

Die operative Entfernung der schmerzenden Hautbereiche (Exzision) gilt als letzter Ausweg, wenn alle anderen Versuche scheitern. Eine retrospektive Kohortenstudie mit 57 Patientinnen bescheinigt dieser Methode gute Erfolge. Die Schmerzen verringerten sich durchschnittlich um 66,7 Prozent. Die weitaus meisten Frauen (91 Prozent) waren mit dem Ergebnis der Operation zufrieden (6).

 

Chlamydien: unbemerkt, aber nicht ungefährlich

 

Keine Schmerzen und nur gelegentlichen Ausfluss verursacht eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten: die Infektion mit Chlamydia trachomatis. Problematisch ist sie, weil sie bei Frauen Eileiterentzündungen und -vernarbungen verursacht, die das Risiko für Eileiter-Schwangerschaften erhöhen beziehungsweise zur Unfruchtbarkeit führen können. Jede vierte bis fünfte Frau ist nach einer Infek­tion steril (7). In Deutschland sind davon schätzungsweise 100 000 Frauen betroffen (8).

Männer sind nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) ebenso häufig infiziert. Eine unbehandelte Infektion kann zur Zeugungsunfähigkeit führen.

 

Bemerkt werden die Folgen der Infektion oft erst nach Jahren, denn die akute Infektion verläuft häufig unauffällig. Nur etwa 20 Prozent der Frauen registrieren Symptome wie einen gelblich-klebrigen Ausfluss, leichte Zwischenblutungen oder diskrete Beschwerden im Unterleib. Auch von den betroffenen Männern verspüren nur etwa 50 Prozent Anzeichen einer Infektion, beispielsweise Schmerzen beim Urinieren, Hodenschmerzen oder schleimig-eitrigen Ausfluss. Chlamydien können Harnröhre, Prostata und Nebenhoden infizieren. Mit Antibiotika wie Tetracyclinen (Doxycyclin) oder Makroliden (Azithromycin) lassen sie sich gut behandeln.

 

Fachleute sprechen von einer »heimlichen Epidemie«, die sich vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausbreitet. So verzeichnete das ECDC 2009 mehr als 343 000 Fälle in der EU, insbesondere bei den 15- bis 24-Jährigen. Doch scheint dies nur die Spitze des Eisbergs zu sein, denn in vielen Ländern, darunter Deutschland besteht keine Meldepflicht. Somit liegen für Deutschland keine Zahlen über die genaue Infektionsrate vor.

 

Eine Interventionsstudie in Berlin zeigte besorgniserregende Ergebnisse (9). 10 Prozent der 17-jährigen, überwiegend asymptomatischen Mädchen hatten eine frische Chlamydien-Infek­tion ohne davon zu wissen.

Lichen sclerosus

Der Lichen sclerosus (LS) gehört zu den chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen und tritt hauptsächlich im Vulvabereich auf. Möglich ist auch eine Lokalisation an Unterarmen, Stamm oder Hals. Männer oder Kinder können ebenfalls betroffen sein, meist erkranken jedoch Frauen im 5. bis 6. Lebensjahrzehnt.

 

Die typischerweise weißlich glänzenden, scharf begrenzten Herde verur­sachen häufig Juckreiz, Spannungs­gefühle und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Bei fortgeschrittener Erkrankung können eine Sklerosierung (Verhärtung) der betroffenen Hautstellen, Atrophie und Schrumpfung der Schamlippen und Verengungen, zum Beispiel am Blasenausgang, auftreten. Worauf der Lichen sclerosus beruht, ist noch nicht geklärt. Man diskutiert Autoimmunprozesse, infektiöse (wie Borreliose), genetische oder hormonelle Auslöser.

 

Für alle Betroffenen sind hochpotente Corticoide wie Clobetasol-17-propionat zur Lokaltherapie das Mittel der Wahl. Zunehmend werden Calcineurinant­agonisten wie Tacrolimus oder Pime­crolimus erfolgreich (off-label) angewandt. Testosteron-haltige Cremes sind aufgrund ihrer Nebenwirkungen (Klitorisschwellung, vermehrte Behaarung, Zyklusstörungen) nicht zu empfehlen. Das Apothekenteam kann den Frauen milde Waschdetergenzien sowie die Verwendung von Gleitmitteln beim Geschlechtsverkehr empfehlen. Zur Pflege eignen sich etwa Dexpanthenol-haltige Cremes.

In der Bevölkerung ist über diese Infektionen wenig bekannt, gerade die Jugendlichen sind ahnungslos. Eine sozioepidemiologische Befragung ergab, dass 83 Prozent der Jugendlichen noch nie etwas von Chlamydien gehört hatten. Noch weniger (94 Prozent) wussten von ihrer hohen Verbreitung unter Jugendlichen (9). Dies ist ein Grund dafür, dass das 2008 eingeführte Screeningprogramm für Frauen unter 25 Jahren kaum Resonanz findet. Dabei wird im Labor nach dem Erbmaterial von Chlamydia trachomatis in einer Urinprobe gefahndet. Die Beteiligung an diesem von den Krankenkassen bezahlten Programm liegt unter 10 Prozent.

 

Häufige Rezidive bei Herpes genitalis

 

Herpes genitalis wird normalerweise durch das Herpes-simplex-Virus (HSV) Typ 2 beim Geschlechtsverkehr übertragen. Dieses ist mit einer Prävalenz von 60 Prozent in der Normalbevölkerung weit verbreitet. Doch finden Gynäkologen immer häufiger auch den für Lippenherpes verantwortlichen HSV Typ 1 im Genitalbereich. Die Infektion passiert meist beim oral-genitalen Kontakt.

»HSV Typ 1 und 2 kommen mittlerweile fast gleich häufig vor, sodass der orale Herpes für die genitale Erkrankung ebenfalls von großer Bedeutung ist«, erklärte der Urologe Professor Dr. Florian M. E. Wagenlehner aus Gießen auf einem gynäkologischen Symposium in Bielefeld (3a). Auch Co-Infektionen mit beiden Typen sind relativ häufig.

 

Für die Betroffenen ist insbesondere die Erstinfektion im Genitalbereich sehr unangenehm. Sie führt zu schmerzhaften, teilweise ulzerierenden Vesikeln sowie Lymphdrüsenschwellung und Fieber. Erst nach zwei bis drei Wochen heilen die Symptome ab. Übrigens kann HSV Typ 2 auch an anderen Körperstellen als im Genitalbereich auftreten. Häufig sind Infektionen rund um Tätowierungen, denn Hauttraumata scheinen die Läsionen durch das Virus zu fördern.

 

Genitalherpes neigt zu häufigen Rezidiven, die durchschnittlich fünf bis sechs Mal pro Jahr auftreten. Doch zumindest bei Frauen nehmen die Beschwerden mit jedem Wiederaufflammen etwas ab. Heilbar ist die Erkrankung nicht. Patienten, die die ersten Anzeichen sicher erkennen, sollten sofort mit der Therapie beginnen, um die Schwere des Rezidivs zu verringern.

 

Peroral werden verschiedene antivirale Medikamente eingesetzt, etwa Aciclovir (200 mg fünfmal täglich oder 400 mg dreimal täglich), Valaciclovir (500 mg zweimal täglich) oder Famci­clovir (250 mg dreimal täglich) über fünf bis zehn Tage. Alternativ ist ein kürzeres Regime mit Aciclovir (800 mg zweimal täglich) über zwei Tage oder Valaciclovir (500 mg zweimal täglich) über drei Tage möglich. Die Virustatika reduzieren insbesondere bei der Primärinfektion die Schwere und Dauer der Episode deutlich.

 

Zu beachten ist, dass Personen mit genitalem HSV ein signifikant höheres Risiko haben, sich mit HIV und möglicherweise auch anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen anzustecken.

 

Dauergast Candida

 

Der Hefepilz Candida albicans ist die häufigste Ursache für die chronisch rezidivierende Vulvovaginalcandidose (CRVC). Laut Definition plagt diese die Frauen mehr als viermal im Jahr, in schweren Fällen sogar jeden Monat. Sie geht mit Juckreiz, Brennen und vermehrtem Ausfluss einher und stellt die Ärzte vor ein großes Problem. Selbst während einer Dauertherapie mit einem Antimykotikum können akute Infektionen auftreten. Fachleute gehen davon aus, dass der Grund dafür in einer Disposition der Frau liegt. Verbessert sich die lokale Immunschwäche aus bislang unbekannten Gründen, bleibt eine erneute Infektion aus.

 

Da die Candidose nicht heilbar ist, empfiehlt die DGGG in ihrer Leitlinie zur Vulvovaginalcandidose lokale oder orale Erhaltungstherapien. Allerdings erlitt die Hälfte der Patientinnen bereits kurz nach Beendigung der Dauertherapie einen Rückfall, unabhängig davon, ob sie mit Clotrimazol (500 mg lokal), Ketoconazol (100 mg peroral) oder Fluconazol (150 mg peroral) behandelt wurden. Den größten Erfolg scheint eine Prophylaxe zu erzielen, die mit einer Initialdosis von Fluconazol (dreimal 200 mg peroral in der ersten Woche) beginnt und anschließend ein zwölfmonatiges Erhaltungsregime mit reduzierter Dosis verfolgt (10). Damit blieben fast 90 Prozent der Frauen nach sechs Monaten und 77 Prozent nach einem Jahr krankheitsfrei.

 

Einige Experten empfehlen, zur Stabilisierung der Vaginalflora spezifische Laktobazillus-Stämme entweder oral einzunehmen (Probiotika) oder als Vaginalzäpfchen in die Scheide zu applizieren. Der Erfolg dieser Anwendungen ist noch nicht endgültig belegt.

 

Möglicherweise bietet die Impfung gegen Candida albicans künftig eine neue Option. Im Tiermodell war eine Impfung gegen eine saure Aspartatprotease, einen auch in der Humanmedizin wichtigen Pathogenitätsfaktor, erfolgreich. Sie induzierte die Bildung von Antikörpern, die die Tiere vor einer anschließenden gezielten Infektion mit Candida schützten. Beim Menschen soll die Impfung voraussichtlich noch 2012 in einer ersten Studie erprobt werden.

 

Beruhigen, beraten und nachfragen

 

Viele Betroffene gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie sich immer wieder neu mit Pilzen anstecken, etwa auf öffentlichen Toiletten. Hier kann man die Frauen beruhigen: Dies ist nicht der Fall. Vielmehr ist Candida albicans bei bis zu 30 Prozent aller Frauen ein Bestandteil der natürlichen Vaginalflora (11). Die Reinfektionen erfolgen also vermutlich aus dem eigenen Keimreservoir.

 

Auch vor übertriebener Intimhygiene ist zu warnen, da Seife die Haut zusätzlich strapaziert, dem Pilz aber nichts anhaben kann. Hier rät man besser zu einer geeigneten Waschlotion – oder nur zur Reinigung mit Wasser.

 

Juckreiz gilt zwar als typisches Anzeichen einer Candidose, ist jedoch kein Ausschließlichkeitsmerkmal. Daher sollte das Apothekenteam vor der Abgabe von Antimykotika gründlich nachfragen und die Frau bei Unklarheiten zum Arzt schicken. Dies gilt in jedem Fall bei sehr jungen oder schwangeren Frauen sowie Kundinnen, die noch nie eine Vaginalmykose hatten. Laut einer Studie litt nur ein Drittel der Frauen, die vaginale Antimykotika-Zubereitungen zur Selbsttherapie gekauft hatten, tatsächlich an einer Candidose (12). /

Literatur

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Donders, G. G. et al., Definition of a type of abnormal vaginal flora that is distinct from bacterial vaginosis: aerobic vaginitis. Br. J. Obstet. Gynecol. 109 (2002) 34-43.

Symposien »Infektionen in Gynäkologie und Geburtsmedizin« am 6. und 7. Nov. 2009 und (3a) am 26. und 27. Nov. 2010 in Bielefeld. Veranstaltet von Dr. August Wolff GmbH & Co. KG Arzneimittel.

Bitzer, E.-M.. et al., Vaginale pH-Selbstmessung zur Verhinderung von Frühgeburten: Eine prospektive kontrollierte Studie. Dtsch. Arztebl. Int. 108, Nr. 6 (2011) 81-86.

Brandt, M., et al., Intravaginally applied me­tronidazole is as effective as orally applied in the treatment of bacterial vaginosis, but exhibits significantly less side effects. Eur. J. Obstet. Gynecol. Reprod. Biol. 141 (2008) 158-162.

Tommola, P., et al., Long-term follow up of posterior vestibulectomy for treating vulvar vestibulitis. Acta Obstet. Gynecol. Scand. 90 (2011) 1225-1231.

Keck, C., Clad, A., Infektionen in der Reproduktionsmedizin. Gynäkologe 37 (2004) 607-617.

Paavoonen, J., Eggert-Kruse, W., Chlamydia trachomatis: An impact on human reproduction. Hum. Reprod. Update 5 (1999) 433-447.

Gille, G., et al., Chlamydien – eine heimliche Epidemie unter Jugendlichen. Dtsch. Ärztebl. 102 (2005) 2021-2025.

Donders, G., et al., Individualized decreasing dose maintenance fluconazole regimen for recurrent vulvovaginal candidiasis (ReCiDiF trial). Am. J. Obstet. Gynecol. 199 (2008) 613.e1- 613.e9.

Mendling, W., Vaginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis. Springer Medizin Verlag Heidelberg 2006.

Ferris, G. D., et al., Over-the-counter antifungal drug misuse associated with patient diagnosed vulvovaginal candidosis. Obstet. Gynecol. 99 (2002) 419-425.

 

Die Autorin

Marion Hofmann-Aßmus absolvierte eine Ausbildung als veterinärmedizinisch-technische Assistentin (VMTA) und studierte anschließend Diplom-Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Promoviert wurde sie 1999 mit einer Arbeit im Bereich der molekularen Kardiologie an der Chemischen Fakultät der LMU München. Seither ist sie freiberuflich in verschiedenen Redaktionen und als Fachjournalistin tätig.

 

Dr. Marion Hofmann-Aßmus, Abt-Führer-Straße 9a, 82256 Fürstenfeldbruck, E-Mail: hofmann_assmus(at)t-online.de

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