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Heuschnupfen

Topische Corticoide sind erste Wahl

15.03.2017
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Von Kerstin A. Gräfe, Eschborn / Bei mittelschweren bis schweren Formen von Heuschnupfen empfehlen internationale Leitlinien Nasensprays mit Glucocorticoiden als Mittel der Wahl. Gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung begrüßt ein Allergologe daher den OTC-Switch von Fluticason und Mometason.

»Heuschnupfen ist alles andere als eine banale Erkrankung«, sagte Professor Dr. Ludger Klimek vom Zentrum für Rhino­logie und Allergologie in Wies­baden der PZ. Betroffene klagten nicht primär über die laufende Nase oder die tränenden Augen, sondern vielmehr über eine chronische Erschöpfung. »Die Entzündung muss ausreichend bekämpft werden«, sagte Klimek. Ansonsten drohe eine Chronifizierung und ein sogenannter Etagenwechsel hin zu einem Asthma bronchiale.

 

Kaum systemische Nebenwirkungen

 

Die internationale Initiative ARIA (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma) spricht Behandlungsempfehlungen aus, die sich nach Stärke und Dauer der Symptome richten. Bei leichten Beschwerden, die den Alltag kaum beeinträchtigen, und bei nur unregelmäßig auftretenden Symptomen empfiehlt sie orale Antihistaminika. Handelt es sich um mittelstarke bis schwere, regelmäßig auftretende Symptome, die den Alltag beeinträchtigen, sind topische Glucocorticoide Mittel der Wahl. Durch die lokale Gabe könne bei kontinuierlicher Anwendung eine hohe Schleimhautkonzentration bei mini­malem Risiko systemischer Nebenwirkungen erzielt werden, so Klimek.

 

Bis Herbst 2016 waren topische Beclo­metason-Präparate ohne Rezept verfügbar, Fluticason- und Mometason-haltige hingegen nicht (siehe Kasten). »Dafür gab es keine Rationale«, sagte Klimek. Zum einen weise Beclometason im Vergleich zu den beiden anderen Corticoiden eine geringere Rezeptoraffinität auf. Zum anderen gelangten bei Beclomtason etwa 15 Prozent in den Blutkreislauf, bei Fluticason und Mometason nur etwa 2 Prozent. Dem Allergologen zufolge sind demnach Fluticason und Mometason wirksamere und neben­wirkungsärmere Optionen.

 

Wichtig sei es, auf den richtigen Gebrauch der Nasensprays hinzuweisen. »Wir empfehlen unseren Patienten, den Sprühstoß mit der rechten Hand in die linke Nasenöffnung zu applizieren und umgekehrt«, sagte Klimek. Ziel sei es, den Sprühstoß Richtung Augen­winkel und nicht Richtung Nasen­scheidewand zu applizieren. Dadurch ließen sich Septumschäden und Nasenbluten deutlich verringern. Zudem empfahl er, das Spray prophylaktisch zu verwenden. Dadurch lasse sich der Medikamentenverbrauch insgesamt um etwa ein Drittel reduzieren. /

OTC-Switch

Die Wirkstoffe Mometasonfuroat und Fluticasonpropionat wurden im Oktober vergangenen Jahres aus der Verschreibungspflicht entlassen. Das gilt allerdings nur für den Einsatz bei Erwachsenen mit dia­gnostizierter saisonaler allergischer Rhinitis, nicht für den bei chronischen Erkrankungen. Die maximale Tagesdosis von beiden Wirkstoffen beträgt 200 µg. Erste nicht verschreibungspflichtige Nasensprays mit Mometason wie Mometahexal® Heuschnupfenspray von Hexal oder Momeallerg® von Galenpharma waren bereits ab November 2016 erhältlich. Seit Beginn dieses Jahres ist mit Otri-Allergie® Nasenspray Fluticason von Glaxo-Smith-Kline auch ein Fluticason-haltiges OTC-Präparat auf dem Mark. Das Vorgänger­produkt Otri-Allergie® Heuschnupfen mit Beclometason ist inzwischen außer Handel.

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