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Naturdrogen

Raub der Hortensien

15.03.2011
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Von Daniela Biermann / Immer mehr Gärtner müssen Angst um ihre Hortensien haben. Seit Jahresbeginn haben Diebstähle der Zierpflanzen aus Fernost in einigen Gebieten Deutschlands stark zugenommen. Der Grund: Einige Pflanzenteile werden als Cannabisersatz geraucht.

»Das Phänomen des Hortensien-Klaus kennen wir seit mindestens zehn Jahren«, sagte Erster Kriminalhauptkommissar Frank Federau, Leiter der Pressestelle des Landeskriminalamts (LKA) Niedersachsen, gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. »Meistens steigt die Zahl der Anzeigen im Frühjahr.« Denn mit den ersten Sonnenstrahlen treiben die von weiß über lila bis blau blühenden Hydrangea-Arten aus und bilden die Blütenansätze für das Folgejahr. Gleichzeitig ist von Februar bis Mai Hauptblütezeit der Gartenhortensie.

Die jungen Hortensien-Triebe sowie die oberen Blütenbereiche werden vermutlich von Angehörigen der Cannabis-Szene geraucht, so der LKA-Sprecher. Die Szene gelte als sehr experimentierfreudig, zumal der Konsum von Hortensien und ihrer Inhaltsstoffe legal ist (ihr Diebstahl dagegen nicht). Das LKA geht von Einzeltätern aus, vermutlich Jugendliche und junge Erwachsene. Ein Handel mit getrockneten Hortensien sei dem LKA bislang nicht bekannt.

 

Ob das Rauchen getrockneter Hortensien eine ähnlich berauschende Wirkung hat wie Cannabis, bezweifeln Wissenschaftler. Bislang sei noch kein Inhaltsstoff bekannt, der psychotropisch auf das Gehirn wirken könnte, heißt es beim Giftinformationszentrum Nord in Göttingen. Auch Vergiftungsfälle nach absichtlicher Inhalation würden selten gemeldet. Experten warnen vor einer Blausäure-Vergiftung, die beim Rauchen aus cyanogenen Glykosiden freigesetzt werden könnte. Medizinische Fälle seien jedoch noch nicht beschrieben worden. Daneben enthalten Hortensien unter anderem Cumarine und Chinazolin-Alkaloide. /

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