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Landesgesundheitsministerin

Apotheker müssen zum Heilberuf stehen

15.03.2011
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Von Daniela Biermann, Münster / Apotheker müssen in der Prävention eine größere Rolle spielen und ihrem Heilberuf gerecht werden, fordert die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Dazu sind die Apotheker bereit, sie erwarten jedoch verlässliche Rahmenbedingungen.

»Versorgen und Vorsorgen: Pharmazie und Prävention« – unter diesem Motto stand der dritte Westfälisch-lippische Apothekertag am vergangenen Wochenende in Münster. Genau das wünscht sich auch Barbara Steffens (Bündnis 90/ Die Grünen), Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen.

Die Apotheken sollten Präventionsangebote machen, die den Bedürfnissen aller Generationen entsprechen. Die Politikerin denkt dabei an Dienstleistungen zur Raucherentwöhnung, Stressbewältigung, Diabetikerschulungen oder Aufklärung in Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen. Als »Versorgung in Pantoffelnähe« seien die Apotheker eine wichtige Säule im Gesundheitssystem, gerade auch im Hinblick auf den demografischen Wandel. Steffens fürchtet allerdings, dass es mittelfristig nicht mehr überall Ärzte und Apotheker geben wird. Daher sei sie keine Freundin von Versandhandel und Pick-up-Stellen. »Wir machen uns eine gute Struktur kaputt«, so Steffens. »Mein Zukunftsentwurf sieht anders aus. Darin sind die Apotheken ein fester Bestandteil.«

 

Auf Landesebene hätten die Politiker jedoch nur begrenzten Einfluss. An der Bundespolitik kritisierte sie, dass Entscheidungen wie die zum AMNOG oft »am Reißbrett mit viel Distanz zu den Menschen vor Ort« getroffen würden. Sie warb für eine grundlegende Reform des gesamten Gesundheitswesens, weg vom sektoralen Denken, bei dem jede Interessensgruppe auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist.

 

Apotheker müssen geschlossen handeln

 

Von den Apothekern forderte die Gesundheitsministerin: »Wo Heilberuf draufsteht, muss auch Heilberuf drin sein.« Damit spielte sie auf schlechte Ergebnisse von Testkäufen an oder die günstige Abgabe von Paracetamol ohne den Schmerzmittelgebrauch kritisch zu hinterfragen. Sie riet den Apothekern, geschlossen zu handeln. »Ihr Platz hängt von Ihnen selbst ab, je nachdem wie Sie Ihren Heilberuf ausführen.«

 

»Wir wollen Verantwortung übernehmen«, betonte Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening. »Um dieser Aufgabe dauerhaft gerecht zu werden, brauchen wir passende und verlässliche Rahmenbedingungen.« Apotheken seien weit mehr als ein Fachgeschäft. »Eine Apotheke ist ein unabhängiges Kompetenzzentrum rund um das Arzneimittel«, so Overwiening. »Wir sind keine Fachverkäufer, sondern an Hochschulen umfassend ausgebildete Heilberufler. Wir wollen mehr pharmazeutisch agieren, als man uns heute lässt. Prävention komplettiert unsere Aufgaben.« / 

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