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Rx-Versandverbot

Rüge an das Wirtschaftsressort

22.03.2017  09:50 Uhr

Von Daniela Hüttemann, Münster / Um die bewährte Arzneimittelversorgung durch die Apotheken weiterhin zu gewährleisten, gibt es für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) keinen anderen Weg als ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Das betonte der Minister auf dem Westfälisch-Lippischen Apothekertag am Samstag in Münster.

Wer die Erlaubnis von Boni auf Rezept durch ausländische Versandapotheken als großen Befreiungsschlag für die Kundenorientierung sehe, habe nicht begriffen, dass Arzneimittelversorgung weit mehr ist als Arzneimittelverkauf, so Gröhe. Sich von Rabatten verführen zu lassen, sei nicht hip und modern. Wenn man in jeder Nacht und an jedem Wochenende einen Notdienst in der Nähe haben will und trotzdem Schnäppchen jagt, rühre dies am Solidarsystem.

 

Appell an die SPD

Gröhe sei daher überrascht vom Koalitionspartner SPD, der sonst so für Solidarität werbe, aber immer noch die Durchsetzung des Rx-Versandverbots blockiere. Eine Rüge bekam auch das Wirtschaftsressort, das bislang der Einleitung des EU-Notifizierungsverfahrens des Gesetzentwurfs noch nicht zugestimmt hat, dabei bedürfe es dazu nicht der Zustimmung der SPD-Bundestagsfraktion. »Jeden Tag verlieren wir unnötig Zeit«, ärgerte sich Gröhe im Hinblick auf das nahende Ende der Legislaturperiode. Er wünsche sich vom Wirtschaftsressort dieselbe Leidenschaft, die es zur Rettung der 16 000 Arbeitsplätze bei Tengelmann (Kaiser´s) an den Tag gelegt habe, auch für die mehr als 150 000 Mitarbeiter in den Apotheken.

 

Denn ohne ein Rx-Versandverbot sieht auch der Bundesgesundheitsminister hierzulande das Apotheken­system in Gefahr. »Wir haben Millionen von Versicherten, die ihren Dienst rund um die Uhr brauchen«, sagte Gröhe zu den Apothekern. »Ich stehe dazu: Was sich bewährt hat, wollen wir erhalten.« Und dazu sieht er keinen anderen Weg als das Rx-Versandverbot. Man habe bislang keine andere Lösung gefunden, und es sei nun auch höchste Zeit für die SPD, die Suche nach anderen Möglichkeiten aufzugeben.

 

Auch die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) ist seit Langem eine Fürsprecherin der Apotheken vor Ort. Ihr werde oft vorgeworfen, ein Versandhandelsverbot passe nicht zum digitalen Zeitgeist. »Der Zeitgeist ist für uns kein Selbstzweck. Er kann nicht als Argument benutzt werden, um verlässliche Strukturen zu zerstören, die seit Jahrhunderten funktionieren«, so Steffens. »Wir brauchen die Apotheken. Wir brauchen keinen Zeitgeist, sondern Verlässlichkeit, Sicherheit und Wohnortnähe.« Sie forderte die Bundesregierung auf, das Notifizierungsverfahren von Gröhes Gesetzentwurf endlich anzustoßen. Lesen Sie mehr zum WLAT ab Seite 62 in der Druckausgabe 12/2017 der PZ (liegt vor am 23. März). /

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