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Apothekerkammer Westfalen-Lippe

So viele Chancen und Risiken wie noch nie

Es sind turbulente Zeiten für die inhabergeführten Vor-Ort-Apotheken. Auch als kleiner Berufsstand könnten die Apotheker aber viel bewegen, ist AKWL-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening überzeugt. Chancen müssten jetzt ergriffen werden. Dabei ist nicht nur Minister Jens Spahn gefordert.
Daniela Hüttemann
04.12.2019
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»Wir ringen weiterhin um die Gleichpreisigkeit von Arzneimitteln für deutsche Vor-Ort-Apotheken wie für ausländische Versender und stehen zugleich kurz vor der Etablierung neuer honorierter pharmazeutischer Dienstleistungen«, fasste Overwiening heute bei der Delegiertenversammlung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) in Münster die aktuelle berufspolitische Lage zusammen. Ebenso seien Lieferengpässe und die genaue Ausgestaltung des E-Rezepts wichtige Baustellen. Bei Letzterem fehle im aktuellen Gesetzentwurf noch ein umfassendes Makelverbot, dass nicht nur für die ausstellenden Ärzte, sondern auch alle denkbaren Dritten gilt.

»So viele Chancen und Risiken zugleich gab es vermutlich nie zuvor für die wohnortnahe Apotheke«, so Overwiening. »Bleiben wir daher wachsam und engagiert, und lassen Sie uns die Chancen für die Fortentwicklung unseres freien Heilberufs ergreifen.« Jeder Einzelne habe die Chance, sich einzubringen. Jeder Apotheker sollte Kontakte zu lokalen Politikern aufnehmen, sie in die eigene Apotheke einladen und auf die Leistungen und Schwierigkeiten im Apothekenalltag verweisen. »Vielleicht führen Sie das entscheidene Gespräch«, so die Kammerpräsidentin.

Sie selbst hatte im vergangenen Sommer den nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zu Gast. Sein Ministerium war Antreiber des Bundesratsvorstoßes, im aktellen Gesetzesprozess doch noch ein Rx-Versandverbot durchzusetzen.

Overwiening steht aber auch in regelmäßigem Austausch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dieser warte derzeit darauf, bei der EU-Kommission mit dem Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) vorstellig zu werden. Es enthält für die Apotheken drei zentrale Bausteine: Ein Boni-Verbot für rezeptpflichtige Arzneimittel durch Verankerung im Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V), die Einführung definierter honorierter pharmazeutischer Dienstleistungen und ein Makelverbot für E-Rezepte. Die drei Punkte wolle Spahn mit der EU-Kommission im Paket verhandeln, um besser argumentieren zu können. Unklar sei derzeit, ob ein Treffen noch im Dezember oder erst im Januar stattfinden wird. Erst danach könne das parlamentarische Verfahren in Deutschland starten. »Ich möchte noch einmal betonen, dass das EuGH-Urteil zu Boni auf Rezept ein absoluter Irrtum ist«, so Overwienig.

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