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DAC/NRF

Neues im Ratgeber für Labor und Rezeptur

06.03.2012  15:55 Uhr

Von Michael Hörnig und Antje Lein / Ende 2011 ist die aktuelle Ergänzungslieferung des DAC/NRF erschienen. Beim DAC standen die farbige Darstellung makroskopischer und mikroskopischer Merkmale von Ausgangsstoffen sowie die Revision zahlreicher Stoff-Monographien im Vordergrund. In das NRF wurden drei neue Rezepturmonographien aufgenommen.

Zur Unterstützung der Eingangsprüfung von Ausgangsstoffen und für die Anfertigung von Prüfzertifikaten auf Basis der DAC-Monographien wurden für pflanzliche Drogen farbige Abbildungen mit den makroskopischen und mikroskopischen Merkmalen sowie den entsprechenden Dünnschicht-Chromatogrammen veröffentlicht.

Die Drogen wurden maßstabsgetreu abgebildet und die jeweiligen charakteristischen Merkmale deutlich herausgearbeitet und vergrößert. Die farbigen Abbildungen können jedoch den Text der Monographie oder der alternativen Identifizierung nicht ersetzen. Sie dürfen daher nicht als eigenständiges Prüfkriterium verwendet werden, da die lokalen Bedingungen, insbesondere bei der DC-Auswertung, zu unterschiedlichen Ergebnissen, das heißt, zu unterschiedlichen Farbgebungen führen können.

 

Qualität der Ausgangsstoffe

 

Im Dezember 2011 wurde die deutsche Ausgabe der siebten Auflage des Europäischen Arzneibuchs veröffentlicht. Da der DAC in Anlehnung an das Arzneibuch aktualisiert wird, wurden die DAC-Monographien beginnend mit den Buchstaben A bis B ebenfalls überarbeitet.

 

Die Revision der Monographien enthält einige der folgenden Bestandteile: Die Synonyme wurden durch neue Querverweise zu externen Datenbanken erweitert. Die Geschmacksprüfung, die unter Eigenschaften aufgeführt war, wurde aus Gründen der Arbeitssicherheit gestrichen. Da die restlichen DAC-Monographien ab Buchstabe C bis Z noch Geschmacksprüfungen enthalten können, sei darauf hingewiesen, dass auf diese zukünftig verzichtet werden soll. Im DAC wird die Geschmacksprüfung im Rahmen der weiteren Revision vollständig gestrichen werden.

 

Bei den Identitätsprüfungen wurde die DC-Methode bei pflanzlichen Drogen auf die DAC-Probe 10 (HPTLC) und bei Stoffen auf die DAC-Probe 11 (Mini-DC) umgestellt. Die Verwendung von gefährlichen und gesundheitsschädlichen Reagenzien wurde erheblich reduziert. Ziel ist es, vollständig auf REACH- und CMR-Stoffe zu verzichten. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass für die alternativen Identifizierungsverfahren des DAC bereits Geräte- und Reagenzienlisten veröffentlicht wurden. Für die Durchführung der alternativen Identifizierung sind keine weiteren Geräte und Reagenzien, neben Vergleichssubstanzen, notwendig.

Fundorte der Arbeitsunterlagen

DAC/NRF-Loseblattwerk:

CD mit Arbeitsvorlagen im Abschnitt »Dokumentation« Kapitel II

 

DAC/NRF auf CD:

Startseite »DAC/NRF-Tools« und Ordnersymbol in der Menüleiste

Bei der Prüfung auf Reinheit wurde die Prüfung auf Verwandte Substanzen geringfügig umgestellt: Die relativen Retentionen sind nicht mehr Bestandteil der Eignungsprüfung und die Verunreinigungen werden nun mit einer Strukturformel dargestellt. Die pharmakologischen Kommentare zu den Monographien wurden aktualisiert und, sofern nötig, ergänzt. Aufgrund der Aktualisierung wurden einige Monographien gestrichen, da diese Stoffe entweder obsolet oder nicht mehr gebräuchlich sind, oder aus anderen Gründen nicht mehr verwendet werden sollen.

 

Neues zur Herstellung

 

Die drei neuen Rezepturvorschriften des NRF befinden sich im Rezepturteil unter »Dermatika/Hautantiseptika« und »Sedativa«. Nachdem es auf dem deutschen Markt keine rektal applizierbare Darreichungsform für Chloralhy­drat mehr gibt, wurde in Anlehnung an eine in den Niederlanden etablierte Vorschrift für Chloralhydrat-Klysmen die Monographie für das NRF entwickelt. Sie orientiert sich in Konzentration und Auswahl der Grundlage an einem früher erhältlichen Fertig­­arzneimittel. Die Rezeptur »Chloralhydrat-Klysma 200 mg/ml (NRF 17.5.)« wird vorrangig in der Pädiatrie angewendet, vor operativen Eingriffen oder diagnostischen Maßnahmen und als Beruhigungsmittel bei Krampf­anfällen.

 

Ein neue dermatologische Rezeptur ist das »Abwaschbare Salicylsäure-Öl 2 % / 5 % / 10 % mit Triamcinolonacetonid 0,1 % (NRF 11.140.)« als Alternative zur Rezeptur NRF 11.134. Eine besonders intensive Wirkung auf schuppender und entzündeter Kopfhaut erreicht man durch Anwendung über Nacht unter Okklusion. Am nächsten Morgen wird das Öl mit Shampoo ausgewaschen. Dies wird wesentlich erleichtert, wenn die Zubereitung bereits ein Tensid enthält. In der neuen Rezeptur ist das der Macrogol-4-laurylether. Die zweite neue Vorschrift zur Hautbehandlung ist die »Lipophile Cayennepfefferdickextrakt-Creme (NRF 11.141.)«, deren Anwendungsgebiete Juckreiz und lokale Analgesie sind. Die antipruriginöse Wirkung setzt erst nach einigen Tagen ein. Die Behandlungsdauer beträgt bis zu sechs Wochen. Während dieser Zeit kann die Wirkstoffkonzentration bei guter Verträglichkeit allmählich gesteigert werden. Deshalb ist die Rezepturvorschrift diesbezüglich detailliert abgestuft.

 

Die Waage im Fokus

 

Welche Waage ist die richtige für den Ansatz? Wie viel Wirkstoff muss mindestens eingewogen werden, um vor unzulässigen Wägefehlern sicher zu sein? Das Kapitel Allgemeine Hinweise I.2.9. im NRF beschäftigt sich ausführlich mit diesen Fragen. Eine einfache Methode, die Leistungsfähigkeit der Waage abzuschätzen, ist die Ermittlung der sogenannten Mindesteinwaage, vergleiche Kapitel I.2.9.3. Hierzu wird die Waage tariert, ein Gefäß unter alltagstypischen Bedingungen auf die Waage gestellt, und der Wert nach Stillstand der Waage abgelesen. Der Vorgang wird mehrfach wiederholt. Aus den Anzeigewerten und deren Standardabweichung lässt sich die Mindesteinwaage berechnen. Sie steht für die Menge Rezeptursubstanz, die man mindestens einwiegen muss, um ausreichende Präzision zu erzielen.

Die Prüfung ist sinnvoll, wenn der Standort der Waage geändert wird, oder bei wechselnden klimatischen Bedingungen. Als Arbeitshilfen wurden zwei neue Dokumente zum Waagenmanagement aufgenommen, eine Vorlage zum Aufnehmen der Ablesewerte und Kenngrößen der Waage, sowie ein Excel-Arbeitsblatt zur Berechnung der Mindesteinwaage. Diese Dateien ergänzen die bekannten Arbeitsvorlagen zur Rezepturdokumentation, der Arztkommunikation und Einwaagekorrektur.

 

Wichtige Änderungen

 

Von Dermatologen häufig verschrieben werden Rezepturen mit »Lipophiler Cremegrundlage NRF 11.104.«. Der Name der Grundlage wurde wegen der Prüfvorschrift im DAC bereits vor Jahren geändert in »Hydrophobe Basiscreme DAC«. Nun hat sie im NRF ihren alten Platz verlassen und ist der Systematik wegen in den Abschnitt Stammzubereitungen gerückt. Sie besetzt dort die Ziffer S.41. Ebenfalls aus dem Rezepturteil in die Stammzubereitungen verschoben wurden das Nichtionische und das Anionische wasserhaltige Liniment (ehemals Vorschriften 11.92. und 11.93.) sowie die Hypromellose-Haftpaste 40 % (ehemals Vorschrift 7.8.).

 

»Aus alt mach neu« hieß es bei der Excel-Datenbank zur Einwaagekorrektur. Sie wurde optisch aufbereitet und mit weiteren Wirkstoffen ergänzt. Die Maske zur Faktorberechnung steht nun direkt am Anfang jeder Gruppe. Die Datenbank ergänzt das Kapitel Allgemeine Hinweise I.2.1.1. und erleichtert das Prozedere wesentlich. Die Berechnung des Korrekturfaktors erfolgt automatisch auf Eingabe der Daten aus dem Prüfzertifikat und zusätzlicher Kenngrößen, die den Stoffen in den Berechnungsgruppen zugeordnet sind. Hier noch zwei Tipps. Der Korrekturfaktor ist chargenspezifisch und soll bei der Eingangsprüfung der Substanz berechnet und auf dem Standgefäß notiert werden. Bei manchen Stoffen gibt es mehrere Bezugsgrößen, je nach Art der Verordnung. Am einfachsten ist es, zunächst sämtliche dafür infrage kommenden Faktoren zu berechnen und zu dokumentieren. Das heißt gleichzeitig, alle für den Stoff theoretisch relevanten gelben Felder mit den passenden Daten zu füllen.

 

Über die Streichung von Monographien informiert die Tabelle I.5.-1 in den Allgemeinen Hinweisen I.5. des NRF. Sie betrifft zumeist Rezepturen, für die kein Praxisbedarf mehr zu erkennen ist. Die Rezepturen zu archivieren und weiter herzustellen, ist aber in aller Regel möglich. / 

Kontakt

Die regelmäßige Überarbeitung von DAC/NRF bietet Platz für Änderungen und Neues. Hier ist die Unterstützung aus der Praxis gefragt. Anregungen zur Ergänzung und konstruktive Hinweise nehmen die Mitarbeiter von DAC/NRF deshalb gern entgegen: m.hoernig(at)govi.de oder a.lein(at)govi.de.

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