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ABDA

Mitgliederversammlung votiert gegen Hauskauf

01.03.2011  18:11 Uhr

Von Daniel Rücker, Berlin / Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wird das Grundstück Jägerstraße 48 in Berlin nicht kaufen, um dort ein neues Haus zu errichten. Die Mitgliedsorganisationen der ABDA haben das Vorhaben mehrheitlich abgelehnt.

Am Ende fiel das Votum ziemlich deutlich aus. Mit rund 65 Prozent Neinstimmen entschied sich die Mehrheit der Landesapothekerkammern und Verbände bei der ABDA-Mitgliederversammlung am 24. April in Berlin dagegen, das Nachbargrundstück zum Deutschen Apothekerhaus zu kaufen und darauf ein neues Gebäude für die Berufsvertretung zu bauen. Die Entscheidung setzte den Schlusspunkt unter eine rund drei Monate währende, sehr intensiv und teilweise sachlich kontrovers geführte Diskussion innerhalb der ABDA und ihrer Mitgliedsorganisationen.

Im vergangenen Herbst war der ABDA das Nachbargrundstück zum Apothe­ker­haus angeboten worden. Das darauf befindliche Haus sollte abgerissen und ein neues Bürogebäude errichtet werden. Diese Option konnte die Berufsvertretung nicht ungeprüft verwerfen, denn die Raum­kapazität im Apothekerhaus war am Limit. Die Diskussion in der Mitglie­derversammlung machte bereits deut­lich, dass man zwar intensiv um eine Entscheidung rang, das Meinungsbild der Mitgliedsorganisationen aber hetero­gen war.

 

Vorbehalte gegen den Kauf gab es unter anderem wegen des relativ hohen Kauf­prei­ses. Grundstück und Neubau sollten ursprünglich 23,5 Millionen Euro kosten. Zudem sollte ein Teil der Bürofläche des neuen Hauses vermietet werden, was aus Sicht einiger Mitgliedsorganisationen ein gewisses Risiko barg. Die Befürworter des Hauskaufs führten die Möglichkeit der Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Deutschen Apothekerhaus ins Feld. Außerdem sei es sinnvoll, die räumlich getrennten Geschäftsbereiche der ABDA wieder zusammenzulegen und so durch die Trennung bedingte Reibungsverluste zu minimieren. Dass es der ABDA-Geschäftsführung gelungen war, den Kaufpreis auf 21,5 Millionen Euro herunterzuhandeln, hatte schließlich keinen maßgeblichen Einfluss auf die Abstimmung mehr. / 

Kommentar: Demokratie

All denjenigen, die der ABDA zuletzt demokratisches Verhalten, Basisnähe und Transparenz abgesprochen haben, sollte das jetzt ein wenig unangenehm sein. Die vergangenen drei Monate haben das Gegenteil gezeigt: Die Entscheidungsfindung bei der ABDA und ihren Mitgliedsorganisationen war von Beginn an demokratisch.

 

Jeder kann seine eigene Meinung zum Kauf des Grundstückes Jägerstraße 48 haben. Dass die ABDA angesichts der nicht befriedigenden Arbeitsmöglichkeiten im Deutschen Apothekerhaus nach neuen Räumen suchen muss, war aber zwingend. Es dürfte kaum einen Mitarbeiter im Deutschen Apothekerhaus geben, der dies nicht genauso sieht. Es wäre also grob fahrlässig gewesen, das Angebot nicht zu prüfen.

 

Die Entscheidungsfindung war auch transparent. Wobei Transparenz nicht bedeuten kann, dass jeder Apotheker und jeder Journalist, der dies wünscht, detailliert über den aktuellen Stand der Diskussion informiert wird. Es ging um einen zweistelligen Millionenbetrag. Niemand, der bei Sinnen ist, würde Details über laufende Verhandlungen und Geschäfte dieser Größenordnung veröffentlichen.

 

Am Ende der Entscheidungsfindung stand ein ablehnendes Votum der Mitgliederversammlung, obwohl zu Beginn die Stimmung eher positiv war. Dies macht es noch schwerer, den Kritikern zu folgen. Offensichtlich waren doch die Informationen an die Mitgliedsorganisationen dergestalt, dass einige von ihnen ihre Position änderten – trotz des objektiven Bedarfs für neue Büroräume.

 

Wenn Zweifel an demokratischem Verständnis angebracht sind, dann betrifft das diejenigen, die Informationen aus vertraulichen Sitzungen an die Medien weitergeben haben und so offensichtlich ein von ihnen erwünschtes Ergebnis fördern wollten, anstatt dies allein der demokratischen Abstimmung im dafür vorgesehenen Gremium zu überlassen.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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