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Apothekerhaus

Neue Heimat am Hauptbahnhof

07.07.2015
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Die ABDA zieht in unmittelbare Nähe des Berliner Hauptbahnhofs. Das hat die Mitgliederversammlung vergangene Woche mit großer Mehrheit beschlossen. Demnach wird die Bundesvereinigung einen Neubau in der Heidestraße für insgesamt 31,5 Millionen Euro kaufen. Von ihrer bisherigen Bleibe wollen sich die Apotheker trennen.

Genau ein Jahr hat die Immobiliensuche der ABDA gedauert, jetzt ist die Entscheidung für ein Objekt in der sogenannten Europacity rund 350 Meter nördlich des Berliner Hauptbahnhofs gefallen. »Die ABDA hat ab 2018 eine neue Heimat«, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Der Neubau sei hochfunktional und damit »die optimale Lösung«. Die Kammern und Verbände stimmten mit nur einer Gegenstimme und drei Enthaltungen für den Umzug.

 

Fehlende Räume

 

Bereits im vergangenen Sommer hatte die ABDA-Mitgliederversammlung beschlossen, eine neue Bleibe für die Geschäftsstelle zu suchen. Hintergrund sind fehlende Büroräume im bisherigen Apothekerhaus, denn das historische Mendelssohn-Palais in der Jägerstraße 49/50 ist schon lange zu klein. 37 Mitarbeiter der ABDA müssen daher in angemieteten Büros außerhalb der Geschäftsstelle unterkommen. Vor diesem Hintergrund hatte zwischenzeitlich auch eine Erweiterung des Apothekerhauses um zwei Stockwerke zur Diskussion gestanden. Das wäre jedoch recht teuer gewesen. Zudem war bis zum Schluss nicht klar, ob der Umbau mit Blick auf den Denkmalschutz überhaupt möglich gewesen wäre.

 

Das neue Objekt soll deutlich mehr Platz bieten. Rund 6400 Quadratmeter stehen insgesamt zur Verfügung, 2400 davon allein für Büros. Hinzu kommen unter anderem Besprechungsräume, eine Cafeteria und ein großer Plenarsaal. »In dieser Immobilie können wir auch in zehn bis zwanzig Jahren noch gut arbeiten«, sagte Schmidt mit Blick auf einen möglichen Mitarbeiterzuwachs. Zunächst wird die ABDA nicht alle Räumlichkeiten selbst nutzen und Teile daher voraussichtlich etwa an den Govi-Verlag vermieten.

 

Streng genommen wird die Bundesvereinigung kein ganzes Haus, sondern nur einen in sich geschlossenen Abschnitt kaufen, der rund zwei Drittel eines größeren Komplexes umfasst. Bis die ABDA dort einziehen kann, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Denn das Objekt in der Heidestraße muss erst gebaut werden. Der Umzug soll frühestens im Juli 2018 stattfinden, spätestens aber im April 2020 – je nachdem, wann der Bau beginnt.

 

Zur Miete

 

Dem Mendelssohn-Palais wollen die Apotheker allerdings schon früher den Rücken kehren. Im Herbst soll die Geschäftsstelle in angemietete Räume im sogenannten Lindencorso an der Ecke Friedrichstraße/ Unter den Linden unterkommen. Nur der Geschäftsbereich Arzneimittel bleibt vorerst in Büros in der Jägerstraße 41, für die es längerfristige Mietverträge gibt.

 

Grund für diese Zwischenlösung sind Probleme mit dem Brandschutz im Mendelssohn-Palais. Würde die ABDA dort länger bleiben, müsste sie Beträge in mehrfacher Millionenhöhe investieren, um neuen Vorgaben für Fluchtwege gerecht zu werden. Diese waren durch die Bebauung des Nachbargrundstücks in der Jägerstraße entstanden. »Die Eingriffe in die Substanz wären erheblich«, sagte ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz. Zudem könnten die Umbauten den Verkaufswert der Immobilie verringern.

 

Die Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück hatten auch zu Rissen im Apothekerhaus geführt. Für deren Sanierung waren zuletzt rund 3 Millionen Euro veranschlagt worden. Aus Sicht der ABDA muss der Nachbar diese Kosten tragen. Eine Einigung in dem Streit darüber gibt es allerdings noch nicht. Die Bundesvereinigung will das Objekt in der Jägerstraße nun bald veräußern.

 

Für den Neubau in der Heidestraße muss die Bundesvereinigung 31,5 Millionen Euro zahlen. Hinzu kommen Erwerbsnebenkosten und Ausgaben für die Innenausstattung des Gebäudes. Finanzieren will die ABDA den Kauf vor allem mit Rücklagen aus der Vermögensverwaltung. Hinzu kommt der Erlös aus dem Verkauf des Mendelssohn-Palais. Darüber hinaus könne man Bankdarlehen aufnehmen, sofern dies erforderlich sei, sagte Schmidt.

 

Ehemaliges Bahngelände

 

Das Objekt in der Heidestraße entsteht auf einem ehemaligen Bahngelände. Verkäufer ist die CA Immo Deutschland, eine Tochter der österreichischen Aktiengesellschaft CA Immobilien Anlagen. Sie hat sich eigentlich darauf spezialisiert, Immobilien zu errichten, um sie anschließend zu vermieten. Mit der ABDA wurde daher ein Kompromiss gefunden: Die Bundesvereinigung mietet die Räumlichkeiten zwischen Juli 2018 und Juli 2020 zunächst für zwei Jahre, anschließend geht das Objekt in den Besitz der ABDA über. Verzögert sich der Baubeginn und zieht die ABDA damit erst nach Juli 2018 ein, verkürzt sich der Mietzeitraum entsprechend.

 

Neben der neuen Immobilie segnete die ABDA-Mitgliederversammlung auch den Haushalt für das Jahr 2016 ab. Er sieht ein Wachstum von rund 5 Prozent im Vergleich zum laufenden Jahr vor. Die Mitgliedsbeiträge sollen um 6,3 Prozent steigen. Hintergrund sind Schmidt zufolge vor allem zusätzliche Ausgaben für Personal, da die ABDA eine eigene IT-Abteilung aufbauen will, die sich mit den Themen E-Health und Telematik befassen soll. /

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