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Feuchte AMD

Antikörper erhält Sehkraft

27.02.2007
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Feuchte AMD

Antikörper erhält Sehkraft

Von Annette Immel-Sehr, Köln

 

Der kürzlich zugelassene Antikörper Ranibizumab könnte Menschen, die an einer exsudativen altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) leiden, ein beträchtliches Stück Lebensqualität und Selbstständigkeit wiedergeben.

 

Als Durchbruch in der Behandlung der AMD bezeichnete Dr. Peter Maag, Novartis, den Antikörper Ranibizumab bei der Einführungspressekonferenz von Lucentis®. Anders als mit bisherigen Therapieformen scheint es mit ihm zu gelingen, nicht nur den kontinuierlichen Sehverlust zu stoppen, sondern das Sehvermögen von AMD-Patienten zu verbessern.

 

In der westlichen Welt ist die AMD die häufigste Erblindungsursache bei Menschen über 50 Jahren. Wie der Name der Erkrankung schon sagt, sind vor allem ältere Menschen davon betroffen, ab dem 80. Lebensjahr etwa jeder Zweite. Angesichts der Alterspyramide unserer Gesellschaft wird die Bedeutung der AMD weiter steigen.

 

Bei der AMD unterscheidet man zwei Formen: die trockene und feuchte Form. Von der trockenen Verlaufsform, sind etwa 85 Prozent der Patienten betroffen. Sie ist derzeit nicht behandelbar, schreitet aber meist nur langsam voran. Problematisch ist vor allem der spontane Wechsel in die aggressivere feuchte Krankheitsform, die unbehandelt schnell zum Sehverlust führen kann. Aus der Choroidea (Aderhaut) wachsen im Bereich der Makula krankhaft veränderte neue Blutgefäße in die Retina. Diese Gefäße sind undicht und sondern Blut beziehungsweise serumartige Flüssigkeit in das umliegende Netzhautgewebe ab. Es kann zur Narbenbildung in der Netzhautmitte kommen und damit zur Zerstörung wichtiger Sehzellen. Verantwortlich für die Gefäßsprossung ist ein Wachstumsfaktor, der Vascular Endothelial Growth Factor A (VEGF-A). Warum dieser plötzlich vermehrt gebildet wird und damit zum Ausbruch der feuchten AMD-Form führt, ist derzeit noch unklar. Typische Symptome der Erkrankung sind verschwommenes Sehen, reduzierte Sehkraft, Verzerrung von Objekten und Linien und ein blinder Fleck im Zentrum des Sehfeldes.

 

Therapieansätze wie thermische Laserkoagulation oder operative Methoden sind nur bedingt erfolgversprechend. Von der sogenannten photodynamischen Therapie (PDT) mit Verteporfin (Visudyne®) erhoffte man sich vor einigen Jahren große Fortschritte. Die klinische Anwendung hat jedoch gezeigt, dass das Sehvermögen der mit PDT behandelten Patienten zwar im Durchschnitt besser ist als von unbehandelten Patienten, doch ist das Ergebnis insgesamt nicht zufriedenstellend.

 

Die Anti-VEGF-Therapie ist ein relativ neuer Ansatz. Der jetzt zugelassene Wirkstoff Ranibizumab, ein humanisiertes monoklonales Antikörperfragment, neutralisiert alle Isoformen des VEGF-A und hemmt hierdurch das Wachstum choroidaler Neovaskularisationen und deren Hyperpermeabilität bei der feuchten AMD. Durch seine geringe Größe kann er alle Retinaschichten durchdringen und gelangt direkt zu den choroidalen Neovaskularisationen. Die Erfolge sind beachtlich: Bis zu 40 Prozent der Patienten in den Zulassungsstudien konnten ihr Sehvermögen durch Ranibizumab verbessern. Insgesamt profitierten mehr als 90 Prozent durch einen Erhalt der Sehschärfe (siehe auch hier). Jetzt sollen weitere Studien zeigen, ob sich durch die Kombination mit einer PDT-Therapie die Wirksamkeit weiter verbessern und/oder die Anzahl der intravitrealen Injektionen senken lässt. Derzeit sind im Durchschnitt 5,5 Nachinjektionen pro Jahr nötig, um den Therapieerfolg zu sichern.

 

Bisher wurde die intravitreale Injektion von Ranibizumab nicht in den Leistungskatalog der GKV aufgenommen. Daher muss die Therapie derzeit noch individuell von der Krankenkasse auf Basis eines Kostenvoranschlags bewilligt werden. Das ist nicht nur lästig für den Patienten, sondern kostet unter Umständen auch wertvolle Zeit. Denn die Therapie der AMD ist um so wirkungsvoller, je früher sie begonnen wird.

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