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Erstattungsbeträge

Schwierigkeiten bei Importen

18.02.2013
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Von Anna Hohle / Seit dem 1. Februar bildet die Apotheken-EDV Erstattungsbeträge für Medikamente mit einer frühen Nutzen­bewertung ab. In den meisten Fällen verläuft deren Abrechnung seitdem ohne Probleme – dennoch hat die Einführung einige Fragen offengelassen. Nun müssen die Softwarehäuser erneut nachrüsten.

Zuletzt musste es schnell gehen. Eigentlich sollten die Erstattungsbeträge, die Kassen und Hersteller seit vergangenem Jahr für Arzneimittel mit einer Nutzenbewertung vereinbaren, bereits im vergangenen Juli abgerechnet werden. Doch die technische Umsetzung erwies sich als kompliziert. Erst im Dezember war abzusehen, wie die Abrechnung in den Apotheken durchgeführt werden sollte. Nachdem die Krankenkassen bereits beklagt hatten, Pharmahersteller und Apotheker würden die Abrechnung absichtlich blockieren, legten die Softwarehäuser eine Extraschicht ein und brachten die Updates pünktlich zum 1. Februar in die Apotheken.

 

Zeitdruck hinterlässt Spuren

 

So weit, so gut. Doch der Zeitdruck hat Spuren hinterlassen. Anscheinend wurde vor der hastigen Einführung nicht jeder mögliche Einzelfall bedacht. So gibt es Unsicherheiten im Zusammenhang mit Importarzneimitteln. Für diese gilt bislang folgende Regel: Apotheker sind gehalten, immer dann einen Import abzugeben, wenn dieser mindestens 15 Prozent oder 15 Euro günstiger ist als das Originalpräparat. Halten sich die Apotheker nicht daran, drohen Retaxierungen.

Anders sieht es aus, wenn für ein Medikament ein Rabattvertrag besteht, also ein Preisnachlass zwischen Hersteller und Krankenkasse vereinbart wurde. Dann hat die »Abgabe eines rabattbegünstigten Arzneimittels Vorrang vor der Abgabe eines nicht rabattbegünstigten importierten Arzneimittels«, so steht es in Paragraf 5 des Rahmenvertrags über die Arzneimittelversorgung. Der Apotheker muss also stets das rabattierte Präparat abgeben, selbst wenn ein Import günstiger wäre.

 

Verunsicherung gab es nun in Bezug auf die Frage, ob auch Erstattungsbeträge unter diese Regelung fallen. Denn immer wieder zeigte ihnen die Software auch für Medikamente, für die bereits ein Erstattungsbetrag ausgehandelt wurde, Reimporte als vermeintlich günstigere Alternative an. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat sich nun mit Kassen, Herstellern und Großhändlern geeinigt. Apotheker müssen beim Preisvergleich zwischen Originalprodukt und Reimporten stets den Erstattungsbetrag miteinberechnen. Dann nämlich ist das Präparat des Originalherstellers in der Regel günstiger als jeder Import.

 

Das Problem ist nur, dass diese Rechenaufgabe bislang beim Apotheker liegt. Denn die Apothekensoftware verrechnet Erstattungsbeträge und Reimporte in der Regel noch nicht. Apothekenmitarbeiter müssen im Zweifel erst im ABDA-Artikelstamm nachsehen, ob für ein Arzneimittel ein Erstattungsbetrag gilt und ihn dann mit dem Preis des Importarzneimittels abgleichen. Allerdings soll es bald eine Lösung geben, die diesen Aufwand unnötig macht: »Wir informieren die Softwarehäuser, damit die Apotheken dies zukünftig sofort in ihrer Software erkennen«, teilte die ABDA in der vergangenen Woche mit.

 

Update ist auf dem Weg

 

Mathias Schindl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Apothekensoftwarehäuser, kann die Unsicherheit der Apotheker beim Vergleich mit Importarzneimitteln nachvollziehen. Er bestätigte, dass der Deutsche Apothekerverband die Softwarehäuser über eine notwendige Änderung informiert habe. Diese hätten auch bereits ein entsprechendes Update entwickelt, das derzeit ausgeliefert werde.

 

Die Softwarehäuser hatten Schindl zufolge bereits im Dezember nachgefragt, wie mit dem Erstattungsbeträgen bei der Auswahl von Importarzneimitteln zu verfahren sei. Anders als heute sei ihnen damals jedoch erklärt worden, Erstattungsbeträge seien nicht zu berücksichtigen. Nun stellt sich die Lage anders dar und die Softwarehäuser müssen nachrüsten.

 

Dennoch hat Schindl wenig Hoffnung, dass dieses Update das letzte war. Noch seien zu viele Fragen im Zusammenhang mit Erstattungsbeträgen unklar. Auch wenn die ABDA deutlich gemacht habe, dass Erstattungsbeträge ihrer Auffassung nach unter Paragraf 5 des Rahmenvertrags fallen, fehle hierzu leider noch die rechtliche Klarstellung. Schindl stellt sich die Frage, ob diese Regelung im Zweifel nicht außerdem bedeuten würde, dass sich auch die Zuzahlung des Patienten am Erstattungsbetrag orientieren müsste? Diese Frage könnte in Zukunft zu weiteren Änderungen in der Software führen, vermutet Schindl. Auch weitere Punkte seien noch ungeklärt. Würden etwa Erstattungsbeträge demnächst auch auf Parenteralia angewendet, stehe vermutlich die nächste Aktualisierung an.

 

Nun ist es Aufgabe eines Softwarehauses, regelmäßig Aktualisierungen in die Apotheken zu liefern. Fragt man Schindl, geschieht dies in letzter Zeit jedoch zu häufig – und ist oftmals unnötig. Der ADAS-Vorsitzende glaubt fest daran, dass Probleme wie die derzeit fehlende Verrechnung mit den Importarzneimitteln vermeidbar wären, wenn die Softwarehäuser bei geplanten Regeländerungen früher als bislang einbezogen würden. »Mit einem ausreichenden Vorlauf von mindestens drei, besser sechs Monaten könnten unsere Experten solche Probleme rechtzeitig erkennen und zur Klärung bringen«, sagt Schindl. »Dann hätte es das aktuelle Update gar nicht geben müssen«.

 

Bislang werden für 14 Arzneimittel Erstattungsbeträge abgerechnet. Eine überschaubare Zahl, die betroffenen Präparate können sich Apotheker notfalls merken und zum Beispiel im Fall der Importarzneimittel die Erstattungsbeträge unter Umständen selbst nachschlagen. Doch werden durch die frühe Nutzenbewertung immer weitere Medikamente hinzukommen. /

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