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Reisemedizin

Gefährliche Souvenirs

12.02.2013
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Hepatitis, Malaria oder Gelbfieber: Nicht immer sind die Mitbringsel von einer Reise angenehmer Natur. Prophylaxe-Empfehlungen spielen für die Beratung in der Apotheke eine wichtige Rolle. Professor Dr. Thomas Weinke aus Potsdam informierte über wichtige Reiseimpfungen und die Malariaprophylaxe.

Die Durchseuchung mit Hepatitis-A- Viren ist in den Tropen deutlich höher als in Mitteleuropa. Wer nicht geimpft ist, kann sich vor allem über kontaminiertes Trinkwasser oder Lebensmittel infizieren. Weinke informierte, dass die Hepatitis-A-Infektion die häufigste impfpräventable Infektion von Reisenden in Entwicklungsländer ist.

Nach der ersten Hepatitis-A-Impfung (zum Beispiel mit Vaqta®, Havrix®, Havpur®) erfolgt im Abstand von sechs Monaten eine zweite. Danach besteht eine lange Schutzdauer. Laut Weinke sind es mindestens 25 Jahre. Der Tropenmediziner betonte, dass sich alle Expertengruppen einig sind, dass vor Aufenthalten in den Tropen eine Impfung gegen Hepatitis A zu empfehlen ist.

 

Risiko individuell abschätzen

 

Bei anderen Reiseimpfungen sollte eine Risikoabschätzung erfolgen, indem das potenzielle Erkrankungsrisiko und das Risiko durch die Impfung gegeneinander abgewogen werden. Als Beispiel nannte Weinke die Typhus-Impfung. Hochrisiko-Reisende seien zum Beispiel Rucksacktouristen und Menschen, die von Europa aus Freunde und Familie in den Tropen oder Subtropen besuchen. Zur Immunisierung gegen Typhus steht ein parenteraler (Typhim®) und ein oraler Impfstoff (Typhoral®) zur Verfügung. Dem Infektiologen zufolge sind beide gleich effektiv.

 

Viel stärker als bei einer Typhus-Impfung sollte vor einer Gelbfieber-Impfung eine genaue Reiseanamnese vorgenommen werden, so Weinke. Wer zum Beispiel nach Peru reist, braucht die Impfung, wenn er sich im Amazonasgebiet aufhält. In der Hauptstadt Lima könne darauf aber verzichtet werden. Die Einmalgabe verleiht zehn Tage nach der Impfung einen Impfschutz, nach zehn Jahren muss eine Auffrischung erfolgen. Die Indikation ist deshalb streng zu stellen, da der Lebendimpfstoff eine Rest­virulenz besitzt. Weinke berichtete von seltenen, aber potenziell lebensbedrohlichen impfassoziierten viszeralen Nebenwirkungen. Dem Robert-Koch-Institut zufolge liegt die Häufigkeit davon vermutlich bei 1 zu 1 Million. Weinke fügte hinzu, dass bei Männern über 60 Jahre wegen eines höheren Risikos schwerer Nebenwirkungen die Indikation für eine Erstimpfung besonders streng zu stellen ist.

 

Andere Reiseimpfungen schützen zum Beispiel vor Tollwut oder der Japanischen Enzephalitis. Auch bei diesen Impfungen gilt es, vorher eine Risikostratifizierung durchzuführen. Nicht jeder müsse geimpft werden, so Weinke. Gleiches gilt für die Meningokokken-Impfung. Eine Impfindikation wird bei Reisenden in endemische Gebiete gesehen. Hoch­risiko-Gebiet ist das tropische Afrika, der sogenannte Meningitis-Gürtel. Zum Einsatz kommen tetravalente Konjugat-Impfstoffe, die die Serotypen A, C, W135 und Y beinhalten (etwa Menveo®, Nimenrix®). Den oralen Cholera-Impfstoff (Dukoral®) empfiehlt Weinke Reisenden normalerweise nicht. Allerdings weist das Cholera-Toxin eine Antigenverwandtschaft zum ETEC-Toxin auf, sodass die Vakzine auch einen potenziellen Schutz vor einer durch enterotoxische E. coli verursachten Reisediarrhö bietet. Ein ETEC-Schutz könne zum Beispiel bei Patienten mit chronischen Darmentzündungen indiziert sein.

 

Vorsicht Fälschung

 

Neben den Reiseimpfungen ging Weinke auch auf das Thema Malariaprophylaxe ein. Reisenden in Länder mit endemischer Malaria müsse dazu geraten werden, so der Referent. Zu den endemischen Malariagebieten zählen zum Beispiel Länder in West- und Ostafrika sowie Papua-Neuguinea und die Solomonen. Bei Reisen in Länder mit epidemischer Malaria, zum Beispiel Indien, Südost­asien oder Lateinamerika, sei das Risiko, an Malaria zu erkranken deutlich geringer. Eine Chemoprophylaxe für Aufenthalte in diesen Ländern sei nicht gerechtfertigt, allerdings sollten Reisende ein Medikament zur Notfalltherapie (Stand-by-Therapie) im Gepäck haben. Wegen der hohen Gefahr, eine Fälschung zu erwerben, riet der Tropenmediziner eindringlich davon ab, Malaria-Medikamente erst im Reiseland zu kaufen.

 

Präparate wie das Mefloquin-haltige Lariam® oder das Atovaquon- und Proguanil-haltige Malarone® können sowohl zur Chemoprophylaxe als auch zur Stand-by-Therapie eingesetzt werden. Weinke verwies darauf, dass – obwohl in Deutschland nicht dafür zugelassen – auch Doxycyclin zur Chemoprophylaxe eingesetzt wird. Dagegen sei das Artemether- und Lumefantrin-haltige Medikament Riamet® nur eine Option für die Notfall­therapie. Weinke riet von einer Stand-by-Therapie mit Eurartesim® (Piperaquin und Dihydroartemisinin) wegen einer möglichen QTc-Zeitverlängerung ab. Zu den Schutzmaßnahmen gegen Malaria zählt ferner die Expositionsprophylaxe. Weinke empfahl DEET-haltige Repellen­zien (zum Beispiel Nobite® Haut) oder Icaridin-haltige Mittel (zum Beispiel Autan®). Für Vitamin B und Knoblauch sei dagegen keine Schutzwirkung belegt.

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