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COPD

»Demonstration ist wichtig«

08.04.2008  17:22 Uhr

Pharmacon Davos 2008

COPD: »Demonstration ist wichtig«

 

Der kontinuierlichen Wahrnehmung der Mitverantwortung des Apothekers bei der Arzneimittel-Therapie von COPD-Patienten kommt große Bedeutung zu.

 

»Je spezifischer die Betreuung, umso nachhaltiger die Effekte«, sagte Dr. Nils Keiner, Rüsselsheim. Die Qualität der derzeitigen Versorgung von COPD-Patienten sei laut einer Studie mit 105 Patienten am Klinikum Erfurt von effizienten Mängeln in der Diagnose und Therapie geprägt und daher verbesserungswürdig. Beratungsgespräche und Schulungen zur Arzneimittel-Handhabung steigern nach diesen Daten die Compliance, den Gesundheitszustand und die emotionale und soziale Rollenfunktionsfähigkeit des Patienten. Krankenhausverweildauer und Wiedereinweisungsrate sinken.

 

Die COPD-Prävalenz liegt laut Keiner bei 10 bis 15 Prozent. Die Dunkelziffer sei hoch. »COPD ist unter den führenden Todesursachen die einzige, die weltweit in der Verbreitung zunimmt. 2020 wird sie den dritten Platz hinter Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnehmen«, betonte der Krankenhausapotheker.

 

Als vier Säulen des Behandlungskonzeptes schilderte er Prävention (Raucherentwöhnung, Schutzimpfung, Arbeitsplatzhygiene), die medikamentöse Therapie mit β2-Sympathomimetika, Anticholinergika, Theophyllin, Glucocorticoiden, Mukolytika und Antibiotika sowie nicht medikamentöse Therapieoptionen (körperliches Training, Patientenschulung, Physiotherapie und Ernährungsberatung) und apparative/operative Behandlungsmaßnahmen (Beatmung, Emphysemchirurgie, Lungentransplantation). 

 

Der Stufenplan zur Therapie der vier COPD-Schweregrade reicht vom Einsatz kurz wirksamer Bronchodilatatoren als Bedarfstherapie (Ipratropium, Fenoterol, Salbutamol, Terbutalin) bei leichten Formen über die zusätzliche Gabe ein oder mehrerer lang wirksamer Bronchodilatatoren (Salmeterol, Tiotropium) als Dauertherapie bei mittleren Formen bis hin zur zusätzlichen Dauertherapie mit inhalativen Glucocorticoiden (Beclometason, Budesonid, Fluticason) ab Schweregrad III und bei häufigen Exazerbationen. 

 

Effektive Patientenschulung, so Keiner, beinhaltet insbesondere Anweisungen zur Inhalationstechnik der eingesetzten Medikamente und Handhabung der diversen Darreichungsformen. Ob Dosieraerosole oder Pulverinhalatoren: »Demonstration ist wichtig«, so Keiner. Bei der Handhabung von Dosieraerosolen komme es bei mehr als 50 Prozent der Fälle zu Koordinationsfehlern nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Synchronisation von Sprühstoß und Inhalation. »Inhalationshilfen machen Sinn, da die Koordinationsprobleme entfallen und eine bessere Wirkstoffdeposition in der Lunge bei geringeren Wirkstoffmengen im Mund und somit weniger Nebenwirkungen wie Mundsoor und Heiserkeit erzielt werden.« Der Referent hob auch die Bedeutung von aerosolerzeugenden Geräten wie Düsen- und Ultraschallverneblern hervor.

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