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Stammzellen durch Stress erzeugt

05.02.2014  10:00 Uhr

dpa / Auf eine ganz andere Art als bisher haben Wissenschaftler aus Japan und den USA Stammzellen erzeugt: Sie setzten adulte Zellen schwachen Stress-Stimuli wie Zitronensäure oder physikalischem Druck aus.

 

Die sich da­raus entwickelnden Zellen konnten sich wieder in nahezu jeden Zelltyp entwickeln, berichten die Forscher im Fachjournal »Nature« (doi: 10.1038/ nature12968). Das Team um Haruko Obokata vom Riken-Zentrum im japanischen Kobe nennt diese Zellen, die sie aus ausdifferenzierten Zellen von neugeborenen Mäusen gewonnen hatten, »Stap-Zellen« (stimulus-triggered acquisition of pluripotence, durch einen Reiz angestoßene Bildung von Pluripotenz).

Mit genetischen Markern konnten sie nachweisen, dass die Zellen ähnliche Eigenschaften haben wie embryonale Stammzellen. Pflanzten die Forscher Stap-Zellen in einen Mäuse-Embryo ein, so entstanden Tiere, deren Gewebe sich sowohl aus Nachfahren der eigenen Zellen, als auch aus denen der Stap-Zellen zusammensetzte, heißt es in »Nature« (doi: 10.1038/nature12969). Zudem heben die Wissenschaftler eine besondere Eigenschaft hervor: Stap-Zellen entwickelten sich sogar in eine Art Trophoblast – eine äußere Zellschicht von Em­bryonen, die wichtig für das Einnisten in die Gebärmutter ist. Dies deute auf eine besonders breite Differenzierungsfähigkeit der Zellen hin, schreibt das Team.

 

Die Rückprogrammierung von Körperzellen in einen pluripotenten Zustand war zuvor nur durch genetische Manipulationen gelungen. Das Verfahren, solche jugendlichen Zellen durch simplen Säurestress zu erzeugen, eröffne ganz neue Möglichkeiten, um eines Tages patienteneigene Stammzellen zu erzeugen, kommentiert Austin Smith von der britischen Universität Cambridge in »Nature«. Man müsse allerdings bedenken, dass die Versuche bisher nur mit unausgereiften Mäusezellen gemacht wurden. Es bleibe abzuwarten, ob dies auch bei anderen Organismen gelinge, vor allem beim Menschen. Außerdem müssen die Ergebnisse erst von unabhängigen Arbeitsgruppen noch reproduziert werden. /

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