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Stammzellen aus der lebenden Maus

24.09.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Ein spanisches Forscherteam hat in lebenden Mäusen aus adulten Zellen embryonale Stammzellen hergestellt. Das berichten Manuel Serrano und seine Kollegen vom Spanischen Nationalen Krebsforschungszentrum (CNIO) in Madrid im Fachjournal »Nature« (doi: 10.1038/nature12586).

Die in vivo reprogrammierten Zellen, sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS), haben sogar ein größeres Differenzierungspotenzial als die in vitro hergestellten. Der Japaner Shinya Yamanaka hatte für die Entwicklung des Verfahrens, aus ausdifferenzierten Zellen iPS herzustellen, im Jahr 2012 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Hierfür werden erwachsene Zellen in Kultur mit einem Cocktail aus vier Genen behandelt, die dann die Reprogrammierung auslösen.

Diese Methode konnten die spanischen Forscher nun bei lebenden Mäusen wiederholen. Hierfür züchteten sie einen gentechnisch veränderten Mäusestamm, bei dem sich Yamanakas vier Gene nach Belieben anschalten ließen. Wurden die Gene aktiviert, entwickelten die Mäuse in verschiedenen Organen Teratome, Geschwülste aus pluripotenten Stammzellen. Die in vivo erzeugten iPS seien sogar auf einer früheren Stufe der Embryonalentwicklung als die in vitro hergestellten, berichten die Forscher. Sie konnten in den Mäusen pseudo­embryonale Strukturen mit den drei typischen Keimblättern Ektoderm, Meso­derm und Endoderm erzeugen.

 

Nun sei es an der Zeit, Methoden zu entwickeln, um die Reprogrammierung lokal begrenzt in ausgewählten Zielstrukturen zu erreichen, schreiben Serrano und seine Kollegen in einer Pressemitteilung des Forschungszentrums. Bis zu einer medizinischen Anwendung dieses Verfahrens beim Menschen sei es noch ein sehr weiter Weg. Doch ihre Ergebnisse könnten zu einem Umdenken in der Stammzellforschung führen. Im nächsten Schritt wäre zu testen, ob diese iPS-Zellen in der Lage sind, Gewebe wie Pankreas, Leber oder Niere herzustellen. /

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