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Kein Geschenk

31.01.2012
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Hurra, Weihnachten ist gerade vorbei, und es gibt schon wieder Geschenke. Nein, nicht für jeden. Nur für die Apotheker – und die Pharmaindustrie, aber das soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Freuen Sie sich schon? Nein? Das ist auch gut so. Denn was die Krankenkassen derzeit als Geschenk an die Apotheker verkaufen wollen, ist leider keines (lesen Sie dazu Apothekenlobby: Zu stark für den Rest der Welt?).

 

Zu den Fakten: Die Bundestagsfraktion der Union hat in der vergangenen Woche ein Positionspapier zur anstehenden Novellierung des Arzneimittelgesetzes vorgestellt. Darin schlägt sie vor, dass ab 2013 der Kassenabschlag zwischen Apothekern und Krankenkassen wieder ausgehandelt werden soll und zwar ausgehend von dem Vor-AMNOG-Betrag von 1,75 Euro. Damit hat die Union anerkannt, dass ihr die zeitliche Befristung der Abschlagssenkung noch präsent ist. Das soll hier gar nicht marginalisiert werden. Es gibt viele Politiker, die sich später nicht mehr daran erinnern, was sie zuvor leichtfertig versprochen hatten, weil sie fürchten diese Standhaftigkeit sei mit zu starkem Gegenwind verbunden.

 

Das tut die Union in diesem Fall nicht. Sie bleibt hier verlässlich. Immerhin. Der AOK und der IKK gehen die Abgeordneten damit allerdings schon zu weit. Wer wird denn gleich zum Äußersten bereit sein und Worthalten wollen, scheinen sie sich zu denken. Die Rückkehr zu 1,75 Euro sei ein »Geschenk an die Apotheker«, sagen die Kassenvorstände Uwe Deh und Hans-Jürgen Müller und dokumentieren damit eine durchaus bizarre Vorstellung davon, was ein Geschenk ist. Wer zwei Jahre hintereinander etwas abgenommen bekommt, soll sich freuen, wenn er im dritten Jahr nicht wieder geschröpft wird? Das Leben von Kassenvertretern muss sehr hart sein.

 

Und jetzt? Im besten Fall bleibt die Union standhaft und die FDP erinnert sich noch daran, dass das AMNOG auch ihre Idee war. Dann stehen die Chancen ganz gut dafür, dass der Kassenabschlag 2013 ausgehend von 1,75 Euro verhandelt wird. Für die Apotheker wäre das zwar kein verspätetes Weihnachtsgeschenk, aber immerhin würde diese Ausgangssituation für das nächste Jahr etwas mehr wirtschaftliche Stabilität versprechen. So schlecht stehen die Chancen darauf nicht – sonst würden die Krankenkassen nicht so vehement dagegen kämpfen.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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