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Unspektakulär stabil

09.02.2016  15:59 Uhr

Es fehlt etwas in diesem Jahr. Nein, es ist kein wirklicher Verlust, es mutet eher an wie ein in Vergessenheit geratenes Ritual. Das jährliche Weh­klagen über gallopierende Arzneimittelausgaben scheint in diesem Jahr auszubleiben. Die von der ABDA in der vergangenen Woche kommunizierten und vom Informationsdienstleister IMS Health in dieser Woche bestätigten 5 Prozent Wachstum bei den Arzneimittelausgaben im Jahr 2015 (lesen Sie dazu Arzneimittelausgaben: Rabatte bremsen Kostenanstieg) sind offenbar auch für die Krankenkassen zu wenig spektakulär, die alten Kampagneninstrumente auszupacken.

 

Das liegt auch daran, dass der Anstieg von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr ziemlich exakt so prognostiziert worden war. Die knapp 33 Milliarden Euro waren eine Punktlandung. Die Krankenkassen dürfen sich an dieser Stelle bei den Apothekern dafür bedanken, dass sie laut IMS 3,4 Milliarden Euro aus den Rabattverträgen eingesammelt und an die Kranken­kassen weitergeleitet haben.

 

Im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung machen sich die Apotheker nicht nur über die Kosten von Arzneimitteln Gedanken, sondern auch über deren Nutzen. Hierbei stehen ganz sicher die Hepatitis-C-Medikamente im Licht. Innerhalb weniger Jahre ist es Forschern gelungen, eine bislang häufig tödlich verlaufende Erkrankung in den allermeisten Fällen heilen zu können. Dass sich die Hersteller diesen Erfolg mit zum Teil unanständig hohen Preisen versüßt haben, adelt diese nicht – wundert uns aber auch nicht. Laut ABDA wurden 2015 in Deutschland HCV-Medikamente im Wert von 700 Millionen Euro abgegeben. Mittlerweile befinden sich die Preise immerhin im moderaten Sinkflug. Grund zur Sorge wäre aber fehl am Platz. Das belegen schon die prallgefüllten Kassen der Pharmariesen wie Pfizer und Shire, mit denen diese im vergangenen Jahr bei geringfügig kleineren Unternehmen auf Einkaufstour gegangen waren. Die 36 innovativen Wirkstoffe aus dem Jahr 2015 werden die Erträge der Pharmahersteller auch im Jahr 2016 stabil halten.

 

Gute Perspektiven also für die Branche – aber leider nicht für alle. Bei den Apothekern bleibt die Freude verhalten. Ein kleines Plus von 1,2 Prozent bei der Packungszahl schlägt sich im Ertrag kaum nieder. Die Chancen auf ein höheres Honorar sind in diesem Jahr vage. Auch im ­Bundestagswahljahr 2017 wird sich das wahrscheinlich kaum ändern. ­Stabilität ist nicht immer ein Gewinn. Die Krankenkassen wird es dennoch freuen.

Daniel Rücker

Chefredakteur

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