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Apothekenlobby

Zu stark für den Rest der Welt?

31.01.2012
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Von Daniel Rücker / Ein eher harmloses Positionspapier der Gesundheitspolitiker aus der CDU/CSU- Bundestagsfraktion kommt bei Krankenkassen schlecht an. Die Medien haben dafür viel Verständnis.

Bislang konnte man der Bundesregierung kaum vorwerfen, sie habe die Apotheker über Gebühr bevorzugt. Die im Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) für zwei Jahre festgelegte Erhöhung des Kassenrabattes von 1,75 Euro auf 2,05 Euro hat die Apotheker in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten gebracht. In ihrem Positionspapier haben die Gesundheitspolitiker der Union nun festgestellt, dass der Abschlag ab 2013 auf der Basis von 1,75 Euro wieder zwischen Kassen und Apothekern verhandelt werden soll.

Wünsch Dir was

 

Im Prinzip haben sie damit die Rechtslage wiedergegeben. Bei AOK-Vize Uwe Deh reicht dies bereits aus, von einer »Wünsch-Dir-was-Liste der Apothekenlobby« zu sprechen. Er vermutet ein »Geschenk für die Apotheker im Wahljahr 2013«. Ein paar Tage später schloss sich der IKK e. V. der abstrusen Argumentation an. Die Union plane ein Geschenk für Industrie und Apotheker, noch bevor das AMNOG wirklich greife, sagte IKK-Chef Hans Peter Wohlseifer, der weder verriet, ab welchem Überschuss er das AMNOG als einen Erfolg bezeichnet hätte und warum ein Überschuss von vier Milliarden Euro für die Kassen zu wenig, der Entzug von mehreren hundert Millionen Euro aber für die Apotheker ein Geschenk ist. Sekundiert werden AOK und IKK von der »Financial Times Deutschland« und der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, die die Verarmungsfantasien der Kassen aufgriffen.

 

Geschenke verteilt derzeit aber nicht nur die Union an die Apotheker. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und die Bundesländer knickten vor der übermächtigen Apothekerlobby ein. Haben doch nun Bund und Länder in einer unheiligen Allianz die von Bahr geplante »Apotheke light« abgeschossen, bedauerte die »Berliner Zeitung«, ohne ihren Lesern mitzuteilen, was sie verpassen, wenn es nun auch weiterhin keine Apotheken ohne Labor und Rezeptur gibt. /

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