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Mann und Frau unterscheiden sich auch im Darm

22.01.2013
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von Christina Hohmann-Jeddi / Die Zusammensetzung der Darmflora zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede. Diese könnten eventuell erklären, warum Frauen häufiger an Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose leiden. Darauf weisen Untersuchungen an Mäusen hin, die kanadische Forscher nun im Fachjournal »Science« präsentieren (doi: 10.1126/science.1233521).

 

Jayne Danska und ihre Kollegen vom Hospital for Sick Children in Toronto arbeiteten mit einem Tiermodell für Typ-1- Diabetes, sogenannten NOD-Mäusen (non-obese diabetic mice). Die Weibchen dieser Tiere erkranken mit 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Laufe ihres Lebens an Typ-1-Diabetes. Ihr Erkrankungsrisiko ist deutlich höher als das der Männchen. Wurden die Tiere in keimfreier Umgebung aufgezogen, verschwand dieser Unterschied.

 

Danska und ihre Mitarbeiter konzentrierten sich daher auf die Keimbesiedlung der Tiere. Sie übertrugen die Darmflora von erwachsenen Männchen in junge weibliche Mäuse. In der Folge erkrankten von diesen nur noch 25 statt 85 Prozent. Ein weiterer, unerwarteter Effekt der Fäkal-Transplantation war, dass der Testosteronspiegel der jungen Weibchen stieg. Wenn die Forscher bei den Weibchen den Testosteronrezeptor blockierten, fiel die Schutzwirkung vor der Diabeteserkrankung aus. Das männliche Sexualhormon scheint also für den protektiven Effekt verantwortlich zu sein.

 

Dass das Geschlecht einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora hat und dass die Darmbakterien die Geschlechtshormonspiegel beeinflussen ist ebenso neu wie die Erkenntnis, dass Testosteron an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen beteiligt zu sein scheint. »Wir wissen noch nicht, wie die Fäkal-Transplantation die Testosteronproduktion steigert oder wie dieser Prozess vor Autoimmunerkrankungen schützt«, sagte Danska in einer Pressemitteilung des Krankenhauses.

 

Noch zu klären sei, ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. Wenn ja, ließe sich eventuell über die Regulation der Darmflora das Risiko für Autoimmunerkrankungen senken. Die Autoren der Studie hoffen zudem, dass es künftig einfacher wird, Säuglinge und Kinder mit einem hohen Risiko für Autoimmun­erkrankungen zu identifizieren. / 

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