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Malaria

Artemisinin-Herstellung vereinfacht

24.01.2012
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PZ/dpa / Ein neuartiger Fotoreaktor soll die Herstellung des Antimalariamittels Artemisin preiswerter und einfacher machen. »Wir gehen davon aus, dass 800 unserer einfachen Fotoreaktoren reichen, um den weltweiten Bedarf an Artemisinin zu decken«, sagte der Chemiker Peter Seeberger, Direktor des Potsdamer Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung, der das Modell vorstellte.

In sechs Monaten soll die neue Synthese anwendungsreif sein. Bislang wird Artemisinin in einem aufwendigen Verfahren aus der Heilpflanze Artemisia annua, dem Einjährigen Beifuß, extrahiert. Mit der Substanz lässt sich der von Mücken übertragene Erreger Plasmodium falciparum, Verursacher der Malaria tropica, behandeln. Der Anteil des Artemisinins in der Pflanze liege aber bei höchstens 1 Prozent, erklärte Seeberger. Präparate mit Artemisinin seien daher etwa zehnmal teurer als andere Mittel.

Seeberger hat mit seinem Mitarbeiter François Lévesque einen Weg gefunden, das chemisch anspruchsvolle Artemisinin zu synthetisieren. Als Basis ihres fotochemischen Verfahrens dient den Forschern Artemisininsäure, ein Abfallprodukt des bisherigen Verfahrens. »Für jedes Gramm Artemisinin aus der Pflanze fällt die zehnfache Menge der Säure an«, erklärte Seeberger. 40 Prozent davon könne man in den reinen Wirkstoff verwandeln. Die Säure lässt sich zudem auch biotechnologisch in Hefe erzeugen.

 

Derzeit könne der Reaktor derzeit pro Tag 200 Gramm des Wirkstoffs herstellen. Seeberger rechnet damit, dass ausgefeiltere Geräte künftig das Vierfache produzieren. Malaria-Therapien, die derzeit noch etwa 10 US-Dollar kosteten, könnten künftig für den halben Preis oder ein Drittel zu haben sein. Das Verfahren sei patentiert worden.

 

Die Suche nach günstigen Produktionsverfahren treibt Forscher seit Jahren um. Mit Unterstützung der Bill & Melinda Gates-Stiftung haben etwa Wissenschaftler der Universität Berkeley an einer Herstellungsmethode für Artemisinin geforscht. Auf dieser Grundlage produziert seit Kurzem Sanofi: »Sanofi hat ein Verfahren zur semi-synthetischen Herstellung entwickelt, das auf Arbeiten von Professor Keasling von der Universität Berkeley zurückgeht«, sagte der Sprecher des Unternehmens. »Als Ausgangstoff wird in Hefe eine Artemisinin-Vorstufe produziert.« Mit einer Kombination biotechnologischer und chemischer Modifikationen entstehe dann Artemisinin. Zu Menge und Kosten machte Sanofi keine Angaben. / 

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