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Medikamente wie am Fließband

25.02.2015  09:53 Uhr

Von Sven Siebenand / Die Durchfluss­chemie hat das Potenzial, die Produk­tion von Wirkstoffen grundlegend zu verändern. Dieser Meinung sind Forscher des Max-Planck-Institutes für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) in Potsdam und der Freien Universität (FU) in Berlin.

 

Wie sie in einer Pressemitteilung informieren, läuft die Reaktion bei kontinuierlichen Durchflussverfahren in Rohren ab und unterscheidet sich damit grundlegend vom sogenannten Batch-Verfahren, bei dem sich alle Reagenzien in einem einzigen Gefäß befinden und die Reaktion wie in einem Kochtopf stattfindet. 

 

Auf diese Weise können bei Durchflussverfahren viel geringere Mengen an Chemikalien sicherer und effizienter miteinander reagieren. Die Durchfluss­chemie, auch Flow Chemistry genannt, habe dadurch entscheidende Vorteile im Vergleich zu anderen Verfahren. Der Wirkstoff könne schneller und oft auch kostengünstiger produziert werden. Zudem seien die Reaktionen besser zu kontrollieren.

 

Das neue Verfahren ähnelt der Fließbandproduktion. Den Wissenschaftlern gelang es, erstmals ein vergleichbares Verfahren für die Produktion wichtiger Arzneimittel anzuwenden. So ist dem Team um Professor Dr. Peter H. Seeberger vom MPIKG bereits die Synthese von verschiedenen Wirkstoffen in einem einzigen modular aufgebauten Reaktor gelungen. Dazu zählen Gabapentin, Pregabalin und Baclofen. Zuletzt schafften es die Wissenschaftler auch, den HIV-Wirkstoff Efavirenz mithilfe eines neu entwickelten Verfahrens der kontinuierlichen Durchflusschemie herzustellen und seine Produktion zu vereinfachen. Sie verwendeten neuartige, günstige Kupferverbindungen als Katalysatoren und konnten bisher übliche toxische Substanzen überflüssig machen, zum Beispiel das als Giftgas bekannte Phosgen.

 

Dr. Camille Correia vom MPIKG stellt fest: »In nur drei chemischen Schritten konnten wir den Wirkstoff in weniger als zwei Stunden herstellen. Das ist nach bestem Wissen der schnellste Weg. Efavirenz ist leider oft noch zu teuer, um in Entwicklungsländern eingesetzt werden zu können. Wir hoffen, dass unsere Arbeit dazu beiträgt, Efavirenz und andere Medikamente kostengünstiger werden zu lassen.« /

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