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Onkologie

Nebenwirkungen besser im Griff haben

15.01.2007  14:58 Uhr

Onkologie

Nebenwirkungen besser im Griff haben

Von Christa Socher, München

 

Ein gutes Nebenwirkungsmanagement bei Krebspatienten verbessert nicht nur deren Lebensqualität und die Akzeptanz der Therapie, sondern erleichtert auch die Behandlung in häuslicher Umgebung. Jedoch wird zurzeit in Deutschland nur etwa 60 Prozent der Krebskranken eine Supportivtherapie angeboten, obwohl sie für fast 90 Prozent verfügbar wäre.

 

Diese Quote gilt es zu erhöhen, lautet das Fazit der Referenten eines Fachpresse-Workshops »Supportivtherapie in der Onkologie« in München. Im Mittelpunkt stand die Therapie mit monoklonalen Antikörpern wie EGFR-(Epidermal-Growth-Factor-Rezeptor)-Hemmern. Diese Wirkstoffe unterbinden die unkontrollierte Aktivierung zahlreicher Zellfunktionen über den EGFR wie Proliferation, Differenzierung, Migration, Adhäsion und Angiogenese und verhindern beziehungsweise verzögern ein Fortschreiten der Erkrankung.

 

»Bei etwa 80 Prozent der Patienten treten unter einer Therapie mit EGFR-Inhibitoren akneiforme Hautveränderungen vor allem im Gesicht, an Kopfhaut, Nacken und Stamm auf«, informierte Privatdozent Dr. Thomas Dirschka, Facharzt für Dermatologie und Venerologie aus Wuppertal. Die Stärke dieser Nebenwirkung scheine zwar zum einen ein Zeichen für das Ansprechen der Therapie zu sein. Zum anderen stelle sie aber für den Patienten eine hohe, vor allem psychische Last dar, die sich negativ auf die Compliance auswirken kann. Diese Nebenwirkung sei jedoch beherrschbar und vor allem nach Beendigung der Therapie vollständig reversibel.

 

Medikamentös seien in der exsudativen Phase mit Papeln, Pustelbildung und Juckreiz in Gesicht und am Stamm vor allem austrocknende und antibiotische Gele und Lotionen mit Kühleffekt angezeigt. Für die Kopfhaut eigneten sich alkoholische Lösungen. Nur bei sehr ausgeprägten Reaktionen komme eine systemische Therapie mit Gyrasehemmern infrage. In der Übergangsphase werden antibiotische Lotionen eingesetzt.

 

Die xerotische Phase ist durch sehr trockene, spannende Haut auf erythematösem Grund und hohe Irritabilität der Haut gekennzeichnet. Gesicht und Kopfhaut sollten jetzt vor allem mit rückfettenden panthenolhaltigen Cremes beziehungsweise Lotionen und der Körper mit harnstoffhaltigen Lipolotionen gepflegt werden. Zusätzlich ist auf unbedeckter Haut die Anwendung eines hohen Lichtschutzes angezeigt. Auch die Hautreinigung sollte phasenangepasst ablaufen, beginnend mit einem Reinigungskonzentrat, gefolgt von milden Cremeseifen und schließlich Duschölen.

 

Bei circa 10 Prozent der Patienten treten nach einer mindestens zweimonatigen Behandlungsdauer sehr schmerzhafte, rhagadiforme (mit Schrunden einhergehende) Hautveränderungen und Paronychien (Entzündungen der lateralen Nagelfalz) auf. Bei Einrissen helfen Hydrokolloidpflaster und nächtliches Einfetten. Paronychien können mit Antiseptika und austrocknenden Pasten behandelt werden. In schweren Fällen bringt eine Nagelextraktion dem Patienten die schnellste Erleichterung.

 

Die prophylaktische Gabe von Tetrazyklinen und Antihistaminika bereits zwei Wochen vor Behandlungsbeginn mit EGFR-Inhibitoren zeige laut Dirschka in vielen Fällen eine deutliche Abmilderung der Nebenwirkungen. Der Mediziner betonte, wie wichtig eine phasengerechte und nach dem Lokalisationsort und der Ausdehnung ausgerichtete Behandlung sei.

 

In der Apotheke sollte den Betroffenen eine kompetente Beratung bei der Auswahl geeigneter Pflegeprodukte vor allem in der xerotischen Phase und bei Lichtschutz- und Hautreinigungsfragen angeboten werden. Der Apotheker könne die Therapie aktiv unterstützen und zu einer erhöhten Compliance beitragen.

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