Pharmazeutische Zeitung online
Jahresausblick 2017

Apotheker wollen durchstarten

02.01.2017
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PZ / Apotheker beschäftigt seit dem 19. Oktober 2016 das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) steht den Apothekern zur Seite, die ­drohenden negativen Konsequenzen für die Arzneimittelversorgung in Deutschland abzuwenden. Ob es gelingt, bleibt zu hoffen. Apotheker und Vertreter der Pharmabranche blicken gespannt in die Zukunft. Für die PZ haben sie ihre Erwartungen für das Jahr 2017 festgehalten.

2016 war für die Apotheker eigentlich ein gutes Jahr. Die Politik hatte endlich ein Einsehen und regelte die seit Jahren von der Apothekerschaft geforderte bessere Vergütung für die Abgabe von Rezepturen und Betäubungsmitteln. Mit dem geplanten Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz (AM-VSG), das voraussichtlich im April 2017 in Kraft treten soll, erhalten die Apotheker insgesamt ein Vergütungsplus von jährlich rund 100 Millionen Euro.

 

Positiv ist auch die erfolgreiche Etablierung eines aktualisierten Berufsbilds. Mit der Neudefinition wird der Vielfältigkeit des Apothekerberufs Rechnung getragen. Nun sind neben der Arbeit in der Offizin auch die Tätigkeitsfelder im Krankenhaus, in der Industrie sowie in Wissenschaft und Verwaltung berücksichtigt.

 

Digitaler Medikationsplan

 

Was die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) betrifft, so ist ein anspruchsvolles und langwieriges Modellprojekt umgesetzt und erprobt derzeit beispielhaft die Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker bei der Betreuung von Patienten im Rahmen der Arzneimitteltherapiesicherheit. Mit der elektronisch basierten Erstellung und Aktualisierung eines Medikationsplans ist ARMIN Vorreiter für den laut ­E-Health-Gesetz für 2018 vorgesehen bundesweit verfügbaren digitalen Medikationsplan.

 

Bis zum 19. Oktober 2016 war also alles so weit so gut. Das EuGH-Urteil erschütterte dann jedoch die Grundfesten der Arzneimittelversorgung durch die inhabergeführte Apotheke. Denn es erklärt die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten für Versender mit Sitz im EU-Ausland für europarechtswidrig.

 

Bundesgesundheitsminister Gröhe reagierte schnell und hat Mitte Dezember einen Gesetzentwurf vorgelegt. Er will den Rx-Versand verbieten, um einem drohenden und für viele Vor-Ort-Apotheken ruinösen Preiswettbewerb im Bereich verschreibungspflichtiger Arzneimitteln vorzubeugen. Ihm ist der Erhalt des etablierten Systems einer flächendeckenden Arzneimittelversorgung wichtig. Und dafür kämpfen auch die Apotheker. In ihren Erwartungen für das neue Jahr machen sie und andere Vertreter der Pharmabranche Vorschläge, wie die Arzneimittelversorgung hierzulande noch besser werden kann.

Pharmazeutische Dienstleistungen ausbauen

Spätestens seit Oktober 2016 wissen wir, dass die Pharmazie mit reiner Distribution nicht zu retten ist. Das be­deutet, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken dürfen, ­sondern dort weitermachen müssen, wo wir vor einigen Jahren mit ARMIN, dem Grundsatzpapier der ABDA zur Medikationsanalyse und Projekten wie ATHINA begonnen haben. Wir haben es in diesen Jahren geschafft, der Gesellschaft und Politik klar zu machen, dass wir mehr können – nämlich ­heilberuflich. Wir werden anders wahrgenommen als noch vor zehn Jahren. Und das ist gut so!

 

Nun gilt es, den Weg weiterzugehen, pharmazeutische Dienstleistungen in die Regelversorgung deutscher Apotheken zu implementieren und uns zu positionieren, um auch bei der Umsetzung des elektronischen Medikationsplans in 2018 dabei zu sein. Wünschenswert wäre eine gemeinsame Konzeption der Apothekerschaft, die die Er­fahrungen aus den einzelnen Projekten zusammenfasst. Noch immer werden die Unterschiede betont und nicht das Gemeinsame.

 

Wenn wir Apotheker langfristig in der Rolle als Gesundheitscoach, Medikationsmanager und Teil des inter­­­­dis­ziplinären Netzwerks im Gesundheitswesen etablieren wollen, müssen sich die Rahmenbedingungen verbessern: Dafür brauchen wir Änderungen im Sozialgesetzbuch. Dafür brauchen wir technische Unterstützung durch unsere Softwarehäuser, um schneller und effizienter zu arbeiten. Und wir brauchen eine Honorierung durch Leistungserbringer. Aber am wichtigsten sind Kollegen, die an der Basis trotz knapper Ressourcen patientenorientierte Pharmazie leben. Machen Sie mit bei den Projekten zur Medikationsanalyse und sammeln Sie Arbeitserfahrung.

 

Ich wünsche mir, dass wir in 2017 mit der Einbindung pharmazeutischer Dienstleistungen einen großen Schritt weiterkommen. Medikationsanalyse können Vor-Ort-Apotheken im direkten Patientenkontakt eben viel besser als Versender.

Einmalige Chance nutzen

Für 2017 wünsche ich mir bezogen auf die Pharmazie in Leipzig, dass von allen Beteiligten die einmalige Chance genutzt wird, hier einen innovativen Modellstudiengang aktiv zu gestalten. Ich wünsche mir, dass patienten­bezogene Inhalte verstärkt in den Fokus rücken, da diese auch in der späteren Berufspraxis in allen Tätigkeits­feldern immer wichtiger werden. Die Fortsetzung der ­bereits guten Zusammenarbeit in Leipzig zwischen Pharmazeuten und Medizinern kann zum Beispiel für die Visitenteilnahme der Pharmaziestudierenden auf der Station genutzt werden. Umgekehrt profitiert von dieser gelebten Zusammenarbeit »Arzt und Apotheker am Patientenbett« auch die Medizin.

 

Mit der Gründung des Zentrums für Arzneimittelsicherheit in Kooperation mit dem Universitätsklinikum wurde bereits vor einiger Zeit ein wichtiger Grundstein dieser Zusammenarbeit in Forschung und Patientenversorgung gelegt. Diese gute Ausgangsbasis kann nun auch verstärkt für die Lehre genutzt werden. Die zentrale Frage – nicht nur für uns, sondern auch für die Zukunft des Berufsstands – wird lauten: »Gelingt es uns Apothekern, unsere ganz besondere ­Expertise einzubringen, um die Arzneimitteltherapie für den Patienten effektiver und sicherer zu machen?« Um dieses Ziel zu erreichen, sollten wesentliche Inhalte im Studium von Apothekern für angehende Apotheker vermittelt werden. Die gute Kooperation mit öffent­lichen Apotheken – und mit niedergelassenen Ärzten – soll für die Lehre intensiviert werden. Grundlagen einer interdisziplinären Zusammenarbeit können bereits an der Universität gelegt werden.

 

Zum Beispiel können in einer Übungsapotheke theoretische Fähigkeiten und praktische Fertigkeiten für die Kommunikation mit Arzt und Patient sowie für den Transfer der wissenschaftlichen Arzneimittelinformation in die Praxis geübt werden. Ganz wichtig ist dabei, dass in einem universitären Studium auch eine patientenorientierte Forschung bereits für die Pharmaziestudierenden erlebbar ist. All diese Aspekte in einem Modellstudiengang einzubinden und diese einmalige Chance für Leipzig zu nutzen – das wünsche ich mir für 2017.

Approbation als erstes Ziel

Meine erste Erwartung an das Jahr 2017 ist es, die Approbation in Deutschland zu bekommen und als approbierte Apothekerin zu arbeiten. 2013 habe ich mein Studium in Syrien abgeschlossen und meine syrische Approbation bekommen. Danach habe ich in meiner eigenen Apotheke für eineinhalb Jahre gearbeitet. Dann kam mir die Idee, in Deutschland zu arbeiten. Mein Bruder – er ist seit vier Jahren hier und arbeitet als Arzt in Castrop-Rauxel – half mir, meinen Plan umzusetzen. Zurzeit mache ich ein Praktikum als Apothekerin unter Aufsicht in der Paracelsus-Apotheke in Herne als Vorbe­reitung auf die Kenntnisprüfung. Meine Fachsprachenprüfung habe ich im August bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe bestanden.

 

Im Prinzip haben die deutsche und die syrische Apotheke die gleiche Aufgabe: die Bevölkerung mit Arzneimitteln zu versorgen. Aber in Syrien kann man zum Beispiel eine Apotheke alleine ohne Mitarbeiter betreiben; so war es bei mir. Einen weiteren Unterschied gibt es in den Arzneimittelpreisen. In Syrien sind die Medikamente günstiger und jeder bezahlt selbst, nicht die Krankenkassen.

 

Von den Deutschen habe ich einen guten Eindruck gewonnen. Während meines Aufenthalts habe ich schon viele deutsche Freunde und Kollegen kennengelernt. Sie sind wirklich sehr nett, freundlich und hilfsbereit. Ich freue mich, mit den Deutschen weiterzuarbeiten. Künftig möchte ich gern in der Offizinapotheke arbeiten, weil ich mich dafür sehr interessiere. Langfristig wünsche ich mir, wieder selbstständig tätig zu sein.

Geeintes Auftreten

Seit zweieinhalb Jahrtausenden heißt es mit Heraklit: »Alles verändert sich und nichts steht still.« Dennoch erschrecken wir jedes Jahr neu, wenn die Dinge sich ­ändern. 2017 werden sich zum Beispiel die gesellschaftlichen Regeln zur Versorgung von Krebspatienten deutlich wandeln.

 

Die Exklusivverträge haben schon jetzt dazu geführt, dass viele Versorgungsbeziehungen aufgelöst und neue geschlossen wurden. Wie lange diese Verträge bestehen, lässt sich noch nicht sagen. Ebenso ist noch unklar, was danach kommen wird. Aber das Rad wird nicht zurückgedreht werden. Das vorhandene Einsparpotenzial wird genutzt, so oder so.

 

Ich wünsche mir, dass wir uns diesen Veränderungen als Berufsstand kollegial und lösungsorientiert stellen. Durch nervöses und zerstrittenes Auftreten schaden wir nur uns selbst. Unsere Aufgabe besteht in der ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Die Bedürfnisse des Einzelnen und die technischen Möglichkeiten, diese zu befriedigen, ändern sich ständig – auch ohne unser Zutun. Um zu beeinflussen, was »ordnungsgemäße Versorgung« bedeutet, brauchen wir sachliche Argumente und ein geeintes Auftreten. Dass das auch für eine Versammlung kluger Menschen nicht so einfach ist, wusste schon Heraklit, als er schrieb: »Das Lernen vieler Dinge lehrt nicht Verständnis.«

Planungssicherheit herstellen

Ich wünsche mir für 2017, dass es endlich eine Planungssicherheit für die Zukunft im Apothekenwesen gibt, die Weichen von der Politik klar für die inhabergeführte Apotheke gestellt werden und wir somit auch die Anerkennung für unsere all­tägliche Arbeit von der Politik bekommen.

 

Ich hoffe, dass ein über Jahrzehnte gut funktionierendes Apothekenwesen nicht das Opfer profaner Geldgier und politischen Versagens wird.

Pharmazeuten können mehr

2017 beginnt und die sogenannte Zukunft unseres Berufsstandes rückt wieder ein Stück näher. Was erwartet der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) von 2017? Der BPhD hat sich entschieden, unter dem Motto seiner Imagekampagne »Pharmazeuten können mehr« auch das kommende Jahr zu gestalten, weil es die Entwicklungen in der Apothekerschaft für uns recht gut zusammenfasst. Das weckt natürlich große Erwartungen.

 

Wir können mehr, als in unserem Stundenplan momentan verankert ist. Unser Studium entspricht an vielen Ecken und Enden nicht mehr dem, was wir in der Praxis leisten müssen und wollen. Den Blick in die Zukunft zu richten und dafür an der richtigen Stelle Schwerpunkte zu setzen, gehört zu dem »Mehr«, was wir von der Politik und der Apothekerschaft fordern.

 

Wir können mehr als unser eigenes Süppchen kochen. Die Zusammenarbeit mit anderen Berufen im Gesundheitswesen wird jeden Tag wichtiger, und durch eine frühzeitige Kooperation können wir gegenseitig von­einander lernen und die Kompetenzen des anderen schätzen lernen. Nur so kann das ­Gesundheitswesen in Zukunft besser funktionieren. Hierbei blicken wir auch gespannt auf die Entwicklungen im ­Modellstudiengang Pharmazie in Leipzig.

 

Wir können mehr als in einer Apotheke Schubladen aufziehen. Neben der Beschränkung des Versandhandels auf rezeptfreie Medikamente sollte die Politik in Zukunft vor allem darauf hinwirken, die Kompetenz, die wir als Arzneimittelexperten haben, in den Apotheken viel besser zu nutzen. Dazu gehören auch eine Honorierung von Beratungsleistungen in der Apotheke und die Einbeziehung von Apothekern in alle Fragen des Medikationsmanagements.

 

Wir können auch mehr aus unserem PJ machen – wenn man uns die Chance dazu gibt. Die Ausbildung im dritten Ausbildungsabschnitt wird auch 2017 für uns ein Thema bleiben, weil – wie schon auf dem Deutschen Apothekertag 2016 klargestellt – hier vieles verbessert werden muss, um qualifizierten Nachwuchs in die Apotheken zu locken.

 

Wir sind gespannt, was uns im kommenden Jahr erwartet. 

Eines der besten Apothekensysteme weltweit verteidigen

Von den bundes- und landespolitischen Entscheidungsträgern wünsche ich mir ein klares Bekenntnis ohne Wenn und Aber zur selbstständig geführten ­Vollapotheke! Ich hoffe, sie haben den Mut, ein Bundesgesetz auf den Weg zu bringen, das den Versandhandel auf nichtverschreibungspflichtige Arzneimittel schnellstmöglich zurückführt.

 

Mut trotz aller Befürchtungen macht mir dabei die parteiübergreifende mehrheitliche Positionierung der Bundesländer im Bundesrat zu diesem Thema.

 

Es gilt, eines der besten Apothekensysteme der Welt mit der zentralen Rolle des Apothekers als un­abhängiger Freiberufler gegen Angriffe von außen und innen zu verteidigen. Uns Apotheker mit unserer Rolle als Notar unserer Patienten und Kunden gilt es, zukünftig strukturell noch zu stärken.

 

Ich hoffe, dass dabei unsere pharmazeutischen Leistungen wie ARMIN, die den Patienten einen hohen Mehrwert in der immer komplizierter werdenden Therapiewelt bieten, vom Gesetzgeber im Sozialgesetzbuch verankert und gleichzeitig von Kranken­kassen leistungsgerecht honoriert werden.

 

Die steigende Zahl von eingeschriebenen Patienten in ARMIN, die unsere Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement ­zusammen mit unseren ärztlichen Partnern erfahren, sind glaubwürdige Zeugen dieser längst überfälligen Verbesserung einer um­fassenden Arzneimitteltherapie.

 

Von uns Apothekenleitern wünsche ich mir eine eindeutige geschlossene Positionierung und gemeinsames Handeln gegen den Rx-Versandhandel. Das gemeinsame Bekenntnis zur Selbstständigkeit und Freiberuf­lichkeit gepaart mit Glaubwürdigkeit, Ver­antwortlichkeit und der hohen Qualität unserer Arbeit gilt es, in die Waagschale zu werfen gegen die durchsichtigen Bestrebun­gen kapitalgetriebener ausländischer Versand­apotheken.

 

Ich hoffe, wir schaffen es gemeinsam wieder, wie bei all den großen zurückliegenden Herausforderungen, das bestehende Apothekensystem für die Menschen zu erhalten. Es ist schlichtweg das beste!

Vielfältiger Beruf

Auch im Jahr 2017 wird es wieder Reformen und ­gesetzliche Änderungen im Gesundheitssystem ­geben. In der Indus­trie ist dabei nach wie vor das ­Thema der Arzneimittelpreisgestaltung besonders wichtig. Die Erfahrung mit dem AMNOG im Jahr 2011 hat gezeigt, dass der eingeschlagene Weg richtig ist, aber an vielen Stellen noch nicht richtig funktioniert. Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr die guten ­Er­gebnisse des Pharmadialogs fortsetzen und dazu beitragen können, für Patienten, aber auch für Ärzte, Apotheker und Hersteller sinnvolle Regelungen zu finden, um innovative Arzneimittel weiterhin in Deutschland auf dem Markt zu halten. Dabei hoffe ich besonders darauf, dass nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Interessen, sondern vor allem pharmazeutische und medizinische Argumente mehr berücksichtigt werden als bisher. Das ist auch unser Job als Apotheker in der Industrie.

 

Ansonsten hoffe ich, dass wir Apotheker uns zukünftig noch besser ergänzen. Mit dem Berufsbild haben wir dabei in diesem Jahr bereits einen großen Schritt gemacht. Dort wird die Vielfältigkeit des Apothekerberufs, der ja weit über die Tätigkeit in der Offizin hinausgeht, gut dargestellt. Dazu zählen nicht nur wir Industrieapotheker, sondern auch die Kollegen in Krankenhaus, Hochschule oder Verwaltung, um nur einige zu nennen.

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein enger Schulterschluss zwischen diesen Teildisziplinen dem Apothekerberuf zugutekommt. Am Ende ­haben wir alle die gleichen Ziele: Die gute und kompetente Versorgung unserer Patienten mit den ­richtigen Arzneimitteln und dadurch die Wertschätzung und Erhaltung des Apothekerberufs.

Digitale Konzepte vorantreiben

Das Jahr 2016 war ein ganz besonderes für Stada, für Aliud Pharma und damit auch für mich. Es gab viele Veränderungen in der Führungsstruktur des Konzerns. Für mich per­sönlich gingen diese mit einer Ernennung zur Vice President Generika Deutschland einher. Nun gilt es, gemeinsam mit allen Beteiligten in den Vertriebsgesellschaften, das Generika­geschäft noch weiter voranzubringen. Auch der Aufbau eines starken Profils bei Innovationen wie Biosimilars wird zunehmend im Fokus stehen. Dabei hilft uns der Kulturwandel, den Stada angestoßen hat. Wir arbeiten jetzt noch enger zusammen – vor allem auch mit unseren internationalen Kollegen. Es ist schön, immer wieder festzustellen, wie sehr wir gegenseitig von unseren Erfahrungen mit Produkteinführ­ungen in den einzelnen Ländern profitieren - und das, obwohl die politischen Gegebenheiten überall anders sind.

 

Nicht nur Stada verändert sich. Auch der Apothekenmarkt muss sich neuen Herausforderungen stellen. Eine davon heißt Digitalisierung. Die Zukunft bietet Chancen, die wir aktiv mitgestalten wollen. Deshalb beschäftigen wir uns bei Aliud Pharma mit digitalen Konzepten für die ­Offizin. Zur Entwicklung entsprechender Services wurde im Jahr 2013 gemeinsam mit Apothekern der Apotheken-Fachkreis gegründet. Im kommenden Jahr soll er als Plattform für den Austausch untereinander noch weiter aus­gebaut werden. Dabei können die Mitglieder ihre Erfahrungen einbringen und gemeinsam digitale Services entwickeln – eine große Chance für Apotheker, auch vor dem Hintergrund des EuGH-Urteils. Alles in allem steht das Jahr 2017 für mich also ganz im Zeichen des Wandels und der Zusammenarbeit.

Gesteckte Ziele weiterverfolgen

Da ich vor Kurzem meine erste Professur angetreten habe und von der Uni Münster nach Hamburg gewechselt bin, wünsche ich mir für das Jahr 2017 ­natürlich in erster Linie, dass sich mein gesamter ­Arbeitskreis gut im Fachbereich Chemie der Universität Hamburg etabliert und dass sich mit zahlreichen Kollegen Anknüpfungspunkte für neue Kooperationen ergeben sowie die bereits bestehenden erfolgreich fortgeführt werden können.

 

Meine Mitarbeiter und ich synthetisieren, charakterisieren und testen neuartige Antibiotika mit bisher nicht genutzten Wirkmechanismen. Das ist ein Forschungsbereich, den ich für sehr wichtig halte und der mir ganz persönlich am Herzen liegt. Natürlich befinden wir uns hier noch in einem sehr frühen ­Stadium der Entwicklung. Dennoch hoffe ich, mit meiner Forschung eines Tages zumindest einen ­kleinen Beitrag zur Therapie von mit multiresistenten Bakterien infizierten Patienten leisten zu können. Und da erwarte ich 2017 auch einige Fortschritte.

 

Als Apotheker erhoffe ich mir, dass unser Berufsstand die im Rahmen des Perspektivpapiers Apotheke 2030 gesteckten Ziele noch konsequenter weiterverfolgt und trotz aller in letzter Zeit erlebten Rückschläge gestärkt in die Zukunft geht. Derzeit wandelt sich das Berufsbild sehr stark und neue ­Inhalte gewinnen zunehmend an Bedeutung – auch im Hinblick auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Medizinische Chemie für das Verständnis des Arzneimittels als Ganzes nach wie vor unverzichtbar ist. Insofern wünsche ich mir, dass meine Kollegen dies auch 2017 nicht vergessen. Im Rahmen meiner Lehre, die für mich immer sehr wichtig war und ist, möchte ich meine Begeisterung für dieses Fachgebiet gerne weitergeben.

Herausforderungen annehmen

Es dürfte wieder ein spannendes Jahr werden. Das aktuelle EuGH-Urteil zu Rx-Boni kam für viele überraschend. Ich meine, das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken! Es ist ja nicht das erste Mal, dass die Apotheken Veränderungen ausgesetzt sind. Da heißt es, mit starken Leistungen zu überzeugen, die die wohnortnahe, inhabergeführte Apotheke ­bieten kann: mit guter Beratung, aber auch mit innovativen Konzepten, die zur Kundenbindung bei­tragen. »Hier bin ich richtig aufgehoben«: Auf dieses Gefühl kommt es beim Betreten einer Apotheke oder auch bei der Nutzung von Online-Angeboten wie der Vorbestellung von Medikamenten mit Botendienst innerhalb weniger Stunden an.

 

Auch wir als Apothekensoftware-Unternehmen nehmen die Herausforderungen an. Unser Fokus liegt dabei wie immer bei unseren Kunden, den Apotheken und deren spezifischen Anforderungen. Wir ­arbeiten an Innovationen, die die Apotheken stark machen für den Wettbewerb. In 2017 werden wir daher auch un­sere Zukunftsstrategie awintaONE weiter vorantreiben. Gleichzeitig bringen wir über Zentralmodule Innovationen in allen Produktlinien. So bieten wir Unterstützung bei wichtigen Themen für den betriebswirtschaftlichen Erfolg und für die Stärkung der Kundenbindung. Ein Beispiel ist die bisher nur von Awinta angebotene Cash-back-Funktion zur Geldauszahlung in der Apotheke.

 

Wir wollen unsere Anstrengungen weiter ver­stärken, um noch näher an unseren Kunden zu sein. Das lösen wir technisch zum Beispiel mit der Online-Hilfe aHelp, aber auch in der Unter­nehmensstruktur durch die Regionalisierung unserer Kundenbetreuung. Gemeinsam mit ­einem hervorragenden Mitarbeiterteam packen wir die ­Zukunft an – für unsere Kunden, die Apotheken.

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