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GKV-Finanzreform

Jede zweite Kasse senkt den Beitrag

07.01.2015  10:02 Uhr

Von Stephanie Schersch / Mehr als die Hälfte der Krankenkassen hat ihren Beitrag zu Jahresbeginn gesenkt. Viele Versicherte profitieren davon. Doch schon 2016 könnte die Situation ganz anders aussehen.

Seit Anfang Januar dürfen die Kassen wieder weitgehend selbst bestimmen, wie viel Geld sie von ihren Mitgliedern verlangen. Hintergrund ist die Finanzreform der Gesetzlichen Krankenve1rsicherung (GKV). Der allgemeine Beitragssatz ist zu Jahresbeginn um 0,9 Prozentpunkte von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent gefallen. Arbeitgeber und Angestellte tragen davon mit 7,3 Prozent jeweils die Hälfte.

 

Ein Richtwert

 

Kommt eine Kasse mit dem Geld nicht aus, kann sie einen prozentualen Zusatzbeitrag verlangen, den allein der Versicherte schultern muss. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hatte bereits im vergangenen Herbst für das Jahr 2015 einen durchschnittlichen Extrabeitrag in Höhe von 0,9 Prozent errechnet. Für die Krankenkassen war das eine Art Richtwert bei der Festlegung ihrer individuellen Beiträge.

 

Wie aus einer aktuellen Liste des GKV-Spitzenverbands hervorgeht, erheben 50 Krankenkassen nun tatsächlich einen Extrabeitrag von 0,9 Prozent. Für die Versicherten dieser Kassen ändert sich im Vergleich zum Vorjahr somit nichts – ihr Beitrag bleibt stabil. 63 weitere Kassen stellen ihren Mitgliedern hingegen einen geringeren Extrabeitrag zwischen 0,3 und 0,8 Prozent in Rechnung, darunter Schwergewichte wie die AOK Plus und die Techniker Krankenkasse. Die Beiträge sinken damit leicht.

 

Besonderen Grund zur Freude haben die Versicherten der BKK Euregio sowie der Metzinger BKK. Die beiden Kassen verzichten komplett auf einen Zusatzbeitrag. Zwar handelt es sich in beiden Fällen um recht kleine Kassen mit vergleichsweise wenigen Mitgliedern. Dennoch dürfte ihr Beispiel für Furore sorgen und den Druck auf teurere Krankenkassen erhöhen.

 

Immerhin acht Versicherungen verlangen mehr als 0,9 Prozent zusätzlich von ihren Mitgliedern. Diese müssen damit künftig tiefer in die Tasche greifen als bislang. Am meisten müssen die Versicherten der Brandenburgischen BKK zahlen, mit einem Extrabeitrag von 1,3 Prozent.

 

Laut Bundesversicherungsamt (BVA) liegt der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bei rund 0,8 Prozent und damit leicht unter dem vom BMG ursprünglich festgesetzen Wert. Grundsätzlich können Versicherte kündigen und sich nach einer günstigeren Alternative umschauen, wenn sie mit dem Beitrag ihrer Kasse nicht einverstanden sind. BVA-Präsident Maximilian Gaßner rät allerdings von einem vorschnellen Kassenwechsel ab. »Wer mit seiner Krankenkasse zufrieden ist, sollte nicht wegen geringfügiger Beitragssatzunterschiede wechseln«, sagte er.

 

Ohnehin könnten die Zusatzbeiträge aller Kassen schon bald steigen. Gaßner rechnet zwar nicht damit, dass es dazu noch in diesem Jahr kommen wird. »Für das Jahr 2016 sind Beitragssatzerhöhungen jedoch unvermeidlich«, sagte er. Viele Kassen glichen ihre Haushalte derzeit durch einen Griff in die Reserven aus. 2016 sei das nicht mehr möglich.

 

Teure Reformen

 

Ähnlich äußerte sich auch die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer. Noch gebe es bei den Kassen und dem Gesundheitsfonds erhebliche Rücklagen, sagte Pfeiffer der »Berliner Zeitung«. »Aber die werden schmelzen wie Schnee in der Sonne.« Ende 2016 könnten die Zusatzbeiträge im Durchschnitt dann bereits bei mehr als 1 Prozent liegen. Grund dafür seien auch verschiedene Reformvorhaben der Regierung, etwa im Bereich der Kliniken und der Gesundheitsvorsorge, so Pfeiffer. Sie würden die Ausgaben 2016 um rund 1,3 Milliarden Euro in die Höhe treiben. /

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