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Großhandel

Der Markt wird sich nicht stark verändern

07.01.2013
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Von Daniel Rücker / Für die private Großhandlung Kehr war 2012 ein mittelprächtiges Jahr. Dem Rest der Branche erging es ähnlich. Geschäftsführer Hanns Heinrich Kehr rechnet auch für 2013 bestenfalls mit einem zufriedenstellenden Ergebnis.

PZ: Bevor wir nach vorne schauen noch ein Blick zurück. Wie zufrieden sind Sie mit dem abgelaufenen Jahr 2012?

 

Kehr: Ich bin nicht unzufrieden, aber ich blicke lieber nach vorne als zurück, weil ich vorne immer Perspektiven sehe. 2012 war speziell für Kehr nicht einfach, weil wir uns mit neuen Niederlassungen von Wettbewerbern auseinandersetzen mussten. Die Ertragssituation ist im Großhandel generell bestenfalls zufriedenstellend. Im vergangenen Jahr ging es zwar ein wenig besser als 2011. Wir kommen aber von einem sehr niedrigen Niveau, das darf man nie vergessen. Die Branche schrieb 2010 rote Zahlen.

 

PZ: Wie hat sich die zweite Stufe des AMNOG auf den Großhandel ausgewirkt?

Kehr: Das hat uns natürlich ein wenig geholfen, allerdings auf Kosten unserer Kunden. Die Politik hatte klare Vorstellungen über die Verteilung der Lasten, wollte dies aber nicht offen an die Apotheken kommunizieren. Damit blieb diese unangenehme Aufgabe an uns Großhändlern hängen. Das hat zwischenzeitlich zu Verstimmungen geführt, das Vertrauen ist aber wieder hergestellt.

 

PZ: Für die Apotheker könnten sich die Konditionen in diesem Jahr wieder verbessern. Derzeit bahnt sich, von Phönix angezettelt, eine neue Rabattschlacht an? Was halten Sie davon?

 

Kehr: Ich sehe das mit großer Sorge. Hier kämpfen mit Phönix und Noweda zwei große Konzerne um Marktanteile. Am Ende wird es aber womöglich nur Verlierer geben. Beide erkaufen sich die Marktanteile mit weitgehenden Preiszugeständnissen sehr teuer. Das hat bereits in der Jahresbilanz 2012 beider Konzerne Spuren hinterlassen und ist kein nachhaltiges Wirtschaften. Zudem wissen Kassen und Politik auch um diesen Preiskampf. Dort kommt als Botschaft an, dass noch Luft im System ist, auch wenn dies nicht stimmt. Die Konsequenzen müssen alle Marktbeteiligten – auch die Apotheken – ausbaden, spätestens wenn eine neue Regierung über Kostensenkungen nachdenkt. Aber auch kurzfristig werden die Verhandlungen über den Kassenabschlag empfindlich gestört.

 

PZ: Sie rechnen damit, dass dieser Kampf um die Poleposition im Markt noch eine Weile tobt?

 

Kehr: Davon gehe ich aus. Es dauert einige Zeit, wenn man das Marktgefüge nachhaltig verändern will.

 

PZ: Was erwarten Sie finanziell von 2013?

 

Kehr: Ich glaube nicht, dass sich der Markt insgesamt stark verändern wird. Wir müssen aber auch wegen der Preisaktivitäten Einzelner wohl damit rechnen, dass der Großhandel in der zweiten Hälfte des Jahres Grund zum Klagen bekommt. Ich kann somit leider keine Kontinuität prognostizieren.

 

PZ: Wird die Konzentration im Markt weitergehen?

 

Kehr: Das halte ich für ausgeschlossen. Pharma Privat ist eine Kooperation von gesunden Unternehmen, die gut und sehr eng zusammenarbeiten. Hier sehe ich keinen Kandidaten für eine Übernahme. Grundsätzlich dürften Fusionen oder Übernahmen unter den Großhandelskonzernen ohnehin am Kartellrecht scheitern. Ich glaube auch nicht, dass auf mittlere Sicht weitere ausländische Großhändler in den Markt drängen werden.

 

PZ: Welche Rolle spielt die Politik derzeit für den Großhandel?

 

Kehr: Mit ihrer Position zum Erstattungsbetrag bereitet sie uns Probleme. Es kann nicht sein, dass Bundesgesundheitsministerium und der GKV-Spitzenverband entgegen der gesetzlichen Regelung und abweichend von zwei aktuellen Gutachten auf der Position beharren, dass sich die Aufschläge der Distributionsstufen nach dem Erstattungsbetrag und nicht nach dem Herstellerabgabepreis berechnen. Dabei mag es heute noch um kleinere Beträge gehen. Diese dürften aber schnell steigen. Das kann zu einem großen Problem für uns werden. Abgesehen davon hält sich der Einfluss der Politik auf den Großhandel derzeit in Grenzen. Ich glaube auch nicht, dass sich dies vor der Bundestagswahl ändert. Eine Gesundheitsreform wird es frühestens 2014 geben. Erwartungen an die Politik habe ich allerdings in Bezug auf die Apotheker. Es muss endlich Rechtssicherheit beim Apothekenabschlag geben. Diese Hängepartie muss ein Ende haben. Die Apotheker brauchen Planungssicherheit.

 

PZ: Großhandlungen bieten heute neben der Distribution mehr Dienstleistungen an. Was halten Sie davon?

 

Kehr: Es lohnt sich immer, in Qualität zu investieren, deshalb sind mehr Dienstleistungen grundsätzlich gut. Es gibt aber auch Angebote, die ich mir für uns nicht vorstellen kann. Aus meiner Sicht ergibt es zum Beispiel überhaupt keinen Sinn, wenn Großhändler Apotheken einen Lieferdienst via Internet anbieten, diese dabei aber nicht die Datenhoheit haben. Das kann und darf sich nicht durchsetzen. Wir bieten mit unserem Pharma Privat eShop unsere Unterstützung an, wenn ein Apotheker einen lokalen Versandhandel aufbauen will. Dann liegen aber auch die Kundendaten bei ihm und nicht bei fremden Dritten.

 

PZ: Es ist noch nicht lange her, da war das Verhältnis zwischen Großhandlungen und Apothekern nicht sehr gut. Heute ist die Lage entspannter; wie wird sie sich 2013 entwickeln?

 

Kehr: Es stimmt, dass es während des AMNOG Dissonanzen zwischen Apothekern und Großhandel gab. Das lag aber wie gesagt auch daran, dass die Politik uns gegeneinander aus­gespielt hatte. Ich denke, dass sich das Verhältnis bis heute wieder deutlich verbessert hat und sehe auch keinen Anlass dafür, dass es sich 2013 eintrüben sollte. Wir Pharma-Privat-Großhändler werden auf jeden Fall wie gewohnt kontinuierlich und verlässlich für unsere Kunden arbeiten und uns weiterhin für Marktstruk­turen einsetzen, die auf Selbstständigkeit und Eigenverantwortung basieren – gerade auch gegenüber der Politik in Berlin. /

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