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Awinta

Beide Kulturen ergänzen sich gut

08.01.2013
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Von Daniel Rücker / Nach einigen Querelen unter den Gesellschaftern hat das Softwarehaus Awinta mit Florian Giermann einen neuen Geschäftsführer. Er bestimmt nun gemeinsam mit Hermann Sommer die Geschicke des Branchenprimus. Giermann will Awinta weiter auf Wachstumskurs halten.

PZ: Sie sind ab Januar Geschäftsführer bei Awinta. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das kommende Jahr?

 

Giermann: Das erste Jahr nach dem Ausscheiden des Pro-Medisoft-Gründers und bisherigen Awinta-Geschäftsführers Manfred Seibold wird sicher eine Herausforderung, auf die mich Seibold jedoch schon seit Langem vorbereitet hat. Seibold war jemand, an dem sich die Apotheker orientieren konnten. Aber auch ich werde meinen eigenen Stil in das Unternehmen bringen. Gemeinsam mit dem anderen Geschäftsführer Hermann Sommer will ich die Awinta zukunftsfest machen und den Ausbau der Marke weiter vorantreiben. Unsere Kunden werden merken, dass sich bei der Awinta einiges bewegt und es neue Entwicklungen gibt.

 

PZ: Woran werden das die Kunden genau merken?

Giermann: An den Produkten. In den vergangenen Jahren war unsere Arbeit stark von gesetzlichen und vertraglichen Vorgaben geprägt. Wir mussten unter anderem die Rabattverträge umsetzen, die Software auf die achtstellige PZN umstellen und die Vorgaben für die Teilnahme der Apotheken an Securpharm ermöglichen. Das hat viele Ressourcen gebunden. Deshalb konnten wir uns nicht in vollem Maße auf die Weiterentwicklungen und neuen Module für unsere vier Warenwirtschaftssysteme konzentrieren. Das wird 2013 anders werden. Schon bald werden wir zum Beispiel ein neues Programm zur Rezeptkontrolle präsentieren. Wir werden uns auch verstärkt um die Weiterentwicklung unseres neuesten Warenwirtschaftssystems »Jump« kümmern. Hierin steckt noch viel Potenzial, das werden wir in diesem und den nachfolgenden Jahren ausschöpfen. Wir wollen damit in der Warenwirtschaft Maßstäbe setzen.

 

PZ: Sie haben derzeit vier Warenwirtschaftssysteme im Angebot. Wird es dabei bleiben oder werden Sie die Zahl mittelfristig reduzieren?

 

Giermann: Ich sehe diese Vielfalt als Stärke. Wir haben vier Systeme und ihre Anwender sind damit zufrieden. Warum sollten wir jetzt das Angebot reduzieren und damit unsere Kunden zu einer ungewollten Systemumstellung zwingen? Wir werden in der nächsten Zeit vielleicht etwas mehr in die Entwicklung von Jump investieren, es wird aber nicht unsere anderen Marken verdrängen.

 

PZ: Wie beurteilen Sie die Fusion von Pro Medisoft und der VSA ApothekenSysteme GmbH zu Awinta insgesamt? War dies der richtige Schritt?

 

Giermann: Eindeutig ja. Mit der Fusion entstand ein zukunftsträchtiges Programm-Portfolio, das Bewährtes und Innovation perfekt kombiniert.

 

PZ: Verlief die Fusion reibungsfrei?

 

Giermann: Nicht ganz. Pro Medisoft und VSA hatten eine sehr unterschiedliche Unternehmenskultur. Bei Pro Medisoft gab es viele intuitive Entscheidungen. Die VSA geht die Dinge prozess­orientierter an. Es dauerte deshalb einige Zeit, bis alles reibungsfrei lief. Beide Kulturen haben sich dann aber gut ergänzt. Heute können wir sagen, dass Awinta zu einer Marke geworden ist, mit der sich auch die Mitarbeiter außerordentlich gut identifizieren. Wichtig ist, dass am Ende etwas richtig Gutes dabei herausgekommen ist.

 

PZ: Seibold ist jetzt aus der Geschäftsführung von Awinta ausgeschieden. Welche Rolle spielt er noch in dem Unternehmen?

 

Giermann: Auch in Zukunft werde ich vieles mit ihm abstimmen. Das haben wir bislang schon so gemacht und es hat immer sehr gut funktioniert. Ich sehe die Situation jetzt als einen Aufbruch in eine neue Ära.

 

PZ: Rechnen Sie mit einer weiteren Marktkonzentration?

 

Giermann: Ja, auf jeden Fall. Ich rechne fest damit, dass die kleinen Softwarehäuser nicht alle eigenständig bleiben werden. Ob auch von den großen Softwarehäusern welche zusammengehen, lässt sich schwer abschätzen.

 

PZ: Wäre Awinta an einer Übernahme interessiert?

 

Giermann: Ich würde das auf längere Sicht nicht ausschließen. Es müsste daraus aber ein deutlicher Nutzen für uns und unsere Kunden resultieren. Als Marktführer mit knapp 7000 Kunden sind wir nicht zwingend auf Zukäufe angewiesen. Natürlich wollen wir weiter wachsen, aber nicht um jeden Preis.

 

PZ: Pharmagroßhändler und -hersteller hat es ins Ausland gezogen, weil in Deutschland mit Arzneimitteln nicht mehr viel Geld zu verdienen ist. Wäre das auch für Sie eine Option?

 

Giermann: Ich will das nicht ausschließen. Die große Herausforderung sind allerdings die unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben in den nationalen Arzneimittelmärkten. Deshalb könnten wir unsere für den deutschen Markt entwickelten Warenwirtschaftssysteme nicht ohne Weiteres in anderen Ländern anbieten. Wir müssten sehr viel anpassen, vor allem im Front-End. Wir werden diese Option im Auge behalten.

 

PZ: Awinta nimmt mit allen Warenwirtschaftssystemen am Securpharm-Projekt teil. Wie viel Aufwand hat das für sie bedeutet. Wie viel Aufwand wird die Umsetzung für Apotheker bedeuten?

 

Giermann: Viel. Bislang haben wir die Kosten für gesetzlich motivierte Anpassungen der Warenwirtschaft nicht an unsere Kunden weitergegeben. Bei Securpharm und vor allem bei der Umstellungen der PZN auf acht Stellen war die Belastung jedoch zu groß. Wir werden deshalb die monatlichen Nutzungsgebühren für unsere Kunden um im Verhältnis zum Aufwand sehr moderate 4,50 Euro anheben.

 

PZ: Awinta hat sich bei vielen Apothekern und ganz besonders bei den Standesvertretungen unbeliebt gemacht, weil Sie Software für Vorteil 24 entwickelt haben. Warum haben Sie sich darauf eingelassen?

 

Giermann: Der Initiator von Vorteil 24 ist ein langjähriger Kunde von uns. Er hat uns gebeten, das Warenwirtschaftssystem für ihn in diese Richtung weiterzuentwickeln. Wir haben das als Dienstleistung für einen guten Kunden gesehen. Im Nachhinein wissen wir natürlich, dass dies nicht besonders glücklich war. Wir haben die Reaktionen damals unterschätzt. Hätten wir die Konsequenzen früher abgesehen, hätte es diese Anpassung wohl nicht gegeben. /

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