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Covid-19-Impfstoff AZD1222

Astra-Zeneca gesteht Dosierungs-Panne ein

Tatsächlich beruht die Entdeckung dieses Befunds laut einem Artikel auf dem Nachrichtenportal des Fachjournals »Science« auf einem Fehler. Astra-Zeneca hatte die Impfstoffgefäße für die Prime-Impfung im Rahmen der britischen Studie irrtümlich mit der Hälfte der vorgesehenen Dosis befüllt. Anstatt an dieser Stelle die Probanden aus der Studie zu nehmen, die die zu niedrige Dosis bereits erhalten hatten, änderte man das Studienprotokoll dahingehend, dass diese initiale halbe Dosis bewusst gewählt wurde, und verabreichte dann die volle Dosis im Rahmen der Boost-Impfung.

Vermeldet hatte die Panne nicht Astra-Zeneca, sondern die Universität Oxford, berichtet das Manager-Magazin. Danach heißt es, dass die Reduzierung der ersten Dosis auf die Hälfte offenbar auf einem Verpackungsfehler basierte. Das Problem sei allerdings mit den Aufsichtsbehörden besprochen worden, die der Fortsetzung der Studie zugestimmt hätten.

Studiendesign könnte noch geändert werden

Neben dem Verpackungsfehler und der Änderung des Studienprotokolls gibt es nun auch Kritik am Poolen der Ergebnisse aus zwei offensichtlich unterschiedlichen Studien, woraus letztlich die 70 Prozent Wirksamkeit resultierten.  Laut dem Virologen Professor Dr. John Moore vom Weill Cornell Medical College sei unklar, welcher Wert korrekt sei: die 62 oder 90 Prozent Schutzwirkung. In der britischen Studie mit der halben Prime-Dosis seien nicht genügend Fälle aufgetreten, um das Ergebnis – die 90 Prozent – statistisch robust zu machen, sagte er gegenüber »Science«.

Hill erklärt, man werde nicht ein 62-Prozent-Regime entwickeln, wenn man ein 90-Prozent-Regime habe. Für dieses muss Astra-Zeneca jetzt ausreichend Daten sammeln, die die Schutzwirkung belegen. Wenn sich die Evidenz erhärtet, dass das Regime mit einer halben Prime-Dosis zu einer höheren Effizienz führt, könne man eine in den USA gestartete Phase-III-Studie noch switchen, heißt es in dem Artikel weiter. In der für 40.000 Probanden angelegten Studie wurden bislang erst 11.000 Personen rekrutiert und mit der vollen Prime-Dosis geimpft. Man könnte für einen Teil der Probanden auf die halbe Prime-Dosis wechseln.

Der Pharmakonzern Astra-Zeneca kündigte nach Kritik an den Studien an, die Wirksamkeit der Vakzine weiter zu untersuchen. »Es muss bestätigt werden, dass eine niedrigere Dosis des Impfstoffs offenbar zu einem besseren Ergebnis führt«, bekräftigte Konzernchef Pascal Soriot laut Agentur Bloomberg.

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