| Theo Dingermann |
| 23.10.2026 11:00 Uhr |
Pharmakologisch bemerkenswert ist die Kombination aus ASS und Lansoprazol. Niedrig dosierte ASS wird bereits in der Schwangerschaft eingesetzt, vor allem zur Prävention einer Präeklampsie bei entsprechendem Risiko. Für die Verhinderung spontaner Frühgeburten sind die bisherigen klinischen Ergebnisse dagegen begrenzt und uneinheitlich. Lansoprazol besitzt neben seiner säurehemmenden Wirkung auch immunmodulatorische Eigenschaften. Unter anderem kann der Wirkstoff die durch Lipopolysaccharide ausgelöste Aktivierung des entzündungsfördernden Transkriptionsfaktors NF-κB hemmen.
Die Kombination beider Substanzen zeigte in den Experimenten ein eigenständiges immunologisches Wirkprofil, das sich nicht vollständig aus den Effekten der Einzelwirkstoffe erklären ließ. Bei 79 Prozent der untersuchten Merkmale waren die Wirkungen additiv, bei drei Prozent synergistisch und bei 18 Prozent antagonistisch. Die synergistischen Veränderungen betrafen vor allem den JAK/STAT-Signalweg. Für die Simulation verwendeten die Forschenden als klinische Referenzdosen 81 mg ASS und 30 mg Lansoprazol.
Auch die Ergebnisse zu Folat sind bemerkenswert. Während die Supplementierung von Folsäure in der Schwangerschaft vor allem zur Prävention von Neuralrohrdefekten empfohlen wird, deuten epidemiologische Untersuchungen bereits auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Folatversorgung und Frühgeburtsrisiko hin. Die neuen Daten liefern eine mögliche immunologische Erklärung für diese Beobachtungen. Allerdings wurde im Experiment 5-Methyltetrahydrofolat untersucht, sodass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf unterschiedliche Folatpräparate, Dosierungen oder Supplementierungsstrategien übertragen lassen.
Für die klinische Praxis ergeben sich aus den Ergebnissen derzeit noch keine neuen Therapieempfehlungen. Weder eine zusätzliche Folatsupplementierung über die etablierten Empfehlungen hinaus noch die Kombination aus ASS und Lansoprazol kann auf dieser Grundlage zur Prävention spontaner Frühgeburten empfohlen werden. Ob die Computersimulationen tatsächlich in eine wirksame und sichere Behandlung münden, müssen erst präklinische Untersuchungen und prospektive klinische Studien zeigen.