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ARZNEISTOFFE

Erenumab|Aimovig®|61|2018

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STOFFGRUPPE
61 Migränemittel
WIRKSTOFF
Erenumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Aimovig®
HERSTELLER

Novartis Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
11/2018
DARREICHUNGSFORM

70 mg Injektionslösung im Fertigpen

140 mg Injektionslösung im Fertigpen

70 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

140 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

Indikationen

Aimovig ist zugelassen zur Migräne-Prophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat.

Wirkmechanismus

Erenumab ist der erste Antikörper zur Migräne-Prophylaxe. An der Pathophysiologie der Migräne ist unter anderem das Neuropeptid Calcitonin-Gene-Related Peptide (CGRP) beteiligt. Es reguliert die nozizeptive Signalübertragung und wirkt vasodilatorisch. Untersuchungen zeigen, dass der CGRP-Spiegel während eines Migräne-Anfalls signifikant ansteigt und sich beim Abklingen der Kopfschmerzen wieder normalisiert. Erenumab konkurriert mit CGRP um die Bindung am Rezeptor und hemmt damit dessen Funktion. Ein weiterer Antikörper in dieser Indikation ist Galcanezumab (Emgality®). Er bindet jedoch nicht wie Erenumab an den CGRP-Rezeptor, sondern an CGRP selbst.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt 70 mg Erenumab alle vier Wochen. Manche Patienten können von einer Gabe von 140 mg alle vier Wochen profitieren.

 

Aimovig wird mittels einer Fertigspritze oder eines Fertigpens unter die Haut injiziert. Sind die Patienten entsprechend geschult, können sie sich auch selbst spritzen. Die Injektionsstellen sollten bei jeder Injektion gewechselt werden. 

 

Die Injektion sollte immer bei Raumtemperatur erfolgen. Patienten dürfen die im Kühlschrank zu lagernde Spritze beziehungsweise den Fertigpen jedoch nicht mithilfe einer Wärmequelle erhitzen und das Medikament auch nicht zu stark schütteln.

 

Innerhalb von drei Monaten nach Therapiebeginn sollte sich der Nutzen der Antikörper-Therapie zeigen. Tritt bis dahin keine Verbesserung ein, sollte der Arzt einen Therapieabbruch erwägen. Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit bestimmten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieses Patientenkollektiv war aus den klinischen Studien ausgeschlossen. Demzufolge liegen für diese Patienten keine Sicherheitsdaten vor.

Wichtige Wechselwirkungen

Aufgrund der Metabolisierungswege monoklonaler Antikörper werden keine Interaktionen mit anderen Arzneimitteln erwartet.

Nebenwirkungen

Häufig beobachtete Nebenwirkungen in Studien zu Erenumab waren Reaktionen an der Injektionsstelle, Obstipation, Muskelspasmen und Juckreiz.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Erenumab wurde in zwei Zulassungsstudien belegt. An der Phase-III-Studie STRIVE nahmen 955 Patienten mit episodischer Migräne und durchschnittlich acht Migränetagen pro Monat teil. Sie erhielten ein halbes Jahr lang einmal im Monat subkutan entweder 70 mg oder 140 mg Erenumab oder Placebo. Erenumab verringerte in beiden Dosierungen die Zahl der Migränetage um 3,2 beziehungsweise 3,7 Tage; in der Placebogruppe fiel der Rückgang mit 1,8 Tagen signifikant geringer aus.

 

Seine Effektivität bei Patienten mit chronischer Migräne stellte Erenumab in der Phase-II-Studie NCT020664 unter Beweis. An der Untersuchung nahmen 667 Probanden mit durchschnittlich 18 Migränetagen pro Monat teil. Die Zahl der monatlichen Migränetage sank unter beiden Antikörper-Dosierungen um 6,6 Tage, gegenüber 4,2 Tagen unter Placebo, was ebenfalls statistisch signifikant ist (p < 0,0001).

Besonderheiten

Aimovig ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.

Nach der Entnahme aus dem Kühlschrank muss das Arzneimittel, wenn es bei bis zu 25 °C aufbewahrt wird, innerhalb von 14 Tagen verwendet werden.

Aimovig ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Aus Vorsichtsgründen wird Erenumab für Schwangere nicht empfohlen. In den ersten Tagen nach der Geburt wird auch stillenden Müttern nicht zur Aimovig-Therapie geraten. Falls es klinisch notwendig ist, kann der Arzt danach die Behandlung mit Erenumab während der Stillzeit in Erwägung ziehen.

Vorläufige Bewertung

Sprunginnovation

Letzte Aktualisierung: 26.06.2019