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ARZNEISTOFFE

Frovatriptan|Allegro®|61|2002

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STOFFGRUPPE
61 Migränemittel
WIRKSTOFF
Frovatriptan
FERTIGARZNEIMITTEL
Allegro®
HERSTELLER

Berlin Chemie

MARKTEINFÜHRUNG (D)
11/2002
DARREICHUNGSFORM

2,5 mg Filmtabletten

Indikationen

Allegro ist zugelassen bei Erwachsenen zur Behandlung der akuten Kopfschmerzphase von Migräneanfällen mit oder ohne Aura.

Wirkmechanismus

Frovatriptan wirkt agonistisch an 5-HT1B/1D-Rezeptoren. Vermutlich greift es selektiv an extrazerebralen, intrakraniellen Gefäßen an und verhindert die übermäßige Dilatation dieser Gefäße im Migräneanfall. Anders als Sumatriptan und Naratriptan wirkt Frovatriptan als (schwacher) Agonist an 5-HT7-Rezeptoren, die zum Beispiel am Herzen eine Vasodilatation vermitteln.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis ist einmalig 2,5 mg Frovatriptan. Sie soll so früh wie möglich nach Einsetzen des Migränekopfschmerzes eingenommen werden, ist aber auch bei Einnahme zu einem späteren Zeitpunkt wirksam. Prophylaktisch soll das Arzneimittel nicht angewendet werden.Falls die Migräne nach einer initialen Besserung erneut auftritt, kann eine zweite Dosis eingenommen werden, wenn mindestens zwei Stunden nach Einnahme der ersten Dosis vergangen sind. Hat ein Patient auf die erste Dosis nicht angesprochen, soll für denselben Migräneanfall keine zweite Dosis eingenommen werden, da hierfür kein Nutzen nachgewiesen werden konnte. Bei späteren Migräneanfällen kann Frovatriptan erneut verwendet werden.

 

Die Gesamttagesdosis darf 5 mg pro Tag nicht überschreiten.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Verabreichung von Frovatriptan mit Ergotamin oder Ergotamin-Derivaten (einschließlich Methysergid) oder anderen 5-Hydroxytryptamin(5-HT1)-Rezeptor-Agonisten sind kontraindiziert.

 

Eine gemeinsame Anwendung von Frovatriptan mit Hemmstoffen der Monoaminoxidase A wird nicht empfohlen, da möglicherweise das Risiko für ein Serotonin-Syndrom oder eine Hypertonie auftreten können.

 

Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von SSRI wie Citalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin oder Sertralin, da sich hierbei ebenfalls das Risiko für einer Hypertonie oder ein Serotonin-Syndrom erhöht. Darüber hinaus steigt die Gefahr einer koronaren Vasokonstriktion.

 

Fluvoxamin als potenter CYP1A2-Inhibitor kann zudem die Blutkonzentrationen von Frovatriptan deutlich erhöhen.

 

Eine Erhöhung der Frovatriptan-Konzentrationen wurde auch bei den Anwenderinnen von oralen Kontrazeptiva beobachtet. Eine Anstieg der Häufigkeit von Nebenwirkungen wurde jedoch nicht berichtet.

 

Zu einem erhöhten Risiko für eine Hypertonie oder einer Konstriktion von Koronararterien kann es auch bei der gleichzeitigen Anwendung von Methylergometrin kommen.

 

Das Risiko für ein Serotonin-Syndrom kann möglicherweise steigen, wenn gleichzeitig Johanniskraut-Präparate eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Im Vergleich zu 100 mg Sumatriptan waren 2,5 mg Frovatriptan etwas weniger wirksam, aber auch Nebenwirkungen traten etwas seltener auf. Am häufigsten klagen die Patienten unter Schwindel, Müdigkeit, Parästhesien, Kopfschmerz und Hitzewallungen.

 

Die Häufigkeit eines Wiederkehrkopfschmerzes innerhalb eines Tages lag bei 10 bis 25 Prozent (im Durchschnitt 17 Prozent) und damit niedriger als bei anderen Therapien.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht angewendet werden darf Frovatriptan bei Patienten mit anamnestisch bekanntem Myokardinfarkt, ischämischer Herzkrankheit, koronarem Vasospasmus (z. B. Prinzmetal-Angina), peripherer Gefäßerkrankung, bei Patienten mit Symptomen oder Zeichen einer ischämischen Herzkrankheit. Ebenfalls kontraindiziert ist es bei mäßig schwerer oder schwerer Hypertonie sowie unkontrollierter leichter Hypertonie, bei Patienten mit früherem zerebrovaskulären Insult (Apoplexie) oder früherer transitorischer ischämischer Attacke (TIA). Auch bei schwerer Leberinsuffizienz (Child-Pugh C) und die gleichzeitige Verabreichung von Frovatriptan mit Ergotamin oder Ergotamin- Derivaten (einschließlich Methysergid) oder anderen 5-Hydroxytryptamin(5-HT1)-Rezeptor-Agonisten sind ein Ausschlussgrund.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In Dosisfindungsstudien wurden 2,5 mg Frovatriptan als niedrigste wirksame Dosis erkannt. Diese soll möglichst früh bei Beginn des Migränekopfschmerzes genommen werden; wenn der Patient darauf nicht anspricht, bringt Nachdosieren auch keinen Nutzen. Falls die Migräne nach einer Besserung erneut aufflammt, kann eine zweite Tablette genommen werden.

 

In drei multizentrischen Studien mit etwa 2700 Patienten war Frovatriptan einem Placebo signifikant überlegen. Nach zwei Stunden besserten sich die Schmerzen bei 37 bis 46 Prozent unter Verum gegenüber 21 bis 27 Prozent unter Placebo. Eine völlige Schmerzlinderung erzielten in dieser Zeit 9 bis 14, unter Placebo 2 bis 3 Prozent der Patienten. Die maximale Wirksamkeit wird innerhalb von vier Stunden erreicht; rund die Hälfte bis zwei Drittel der Patienten sprachen auf das Medikament an.

Besonderheiten

Allegro ist bei Temperaturen nicht über 30 °C sowie vor Feuchtigkeit geschützt (Originalverpackung) zu lagern.

Allegro ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Frovatriptan nur angewendet werden, wenn dies zwingend erforderlich ist. Bei einer Anwendung in der Stillzeit ist ein zeitlich Abstand von 24 Stunden zwischen Anwendung und Stillen einzuhalten.

Letzte Aktualisierung: 23.02.2017