Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Zulassung in Sicht
-
Arzneistoffe auf der Zielgeraden

Welche innovativen Wirkstoffe stehen hierzulande kurz vor der Zulassung? Ausgewählte Kandidaten stellte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran vor. Darunter befinden sich spannende Neuentwicklungen wie »Drostate« und »PROTAC«.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 08.06.2026  10:30 Uhr

»Es zeichnet sich eine neue Wirkstoffklasse ab – die Drostate«, sagte der pharmazeutische Chemiker von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dabei handelt es sich um selektive Aldosteronsynthase-Inhibitoren, die zur Behandlung einer resistenten Hypertonie eingesetzt werden. Von einer solchen spricht man, wenn der Blutdruck trotz Einnahme eines Diuretikums, eines RAS-Blockers und eines Calciumkanal-Inhibitors nicht unter die 140/90-mmHg-Grenze fällt.

»Drostate sind eine Meisterleistung der medizinischen Chemie«: Erstmals sei es gelungen, selektiv das Enzym Aldosteronsynthase (CYP11B2) zu hemmen, ohne das sehr ähnlich aufgebaute Enzym Cortisolsynthase (CYP11B1) zu tangieren. Mit Baxdrostat (Baxfendy™) von Astra-Zeneca sei in den USA kürzlich ein erster Vertreter zugelassen worden. Die Einnahme von 1 mg Baxdrostat führte zu einer mittleren Blutdrucksenkung von 15 mmHg. Mit Lorundrostat von Mineralys Therapeutics sei ein weiterer Vertreter in Phase III der klinischen Prüfung.

Alternative zur »Abnehmspritze«

Zu erwarten sei auch die Marktzulassung zweier Antiadiposita: des in den USA bereits zugelassenen Orforglipron (Foundayo™) und der Fixkombination Cagri/Sema. »Orforglipron ist im Gegensatz zu den peptidischen GLP-1-Agonisten ein echtes small molecule«, sagte Schubert-Zsilavecz. Im Vergleich zu den am Markt befindlichen Substanzen falle die Körpergewichtsreduktion zwar geringer aus, Orforglipron habe aber einen entscheidenden Vorteil: »Es kann oral eingenommen werden.«

Cagri/Sema ist eine Fixkombination aus Cagrilintid und Semaglutid, für die die Indikationen Adipositas und Typ-2-Diabetes angestrebt werden. Cagrilintid ist ein Analogon des Peptidhormons Amylin, das die Magenentleerung verzögert und zentral das Sättigungsgefühl verstärkt. »Von der Hinzunahme von Amylin erhofft man sich, dass die Gewichtsreduktion weniger auf Kosten der Muskelmasse geht«, sagte der Referent. Im REDEFINE-Studienprogramm erzielte Cagri/Sema eine Gewichtsreduktion von –20,4 Prozent des Ausgangsgewichts. Ob dies mit günstigeren Effekten auf die Muskelmasse einhergeht, könne noch nicht abschließend beurteilt werden.

Noch Ende dieses Monats werde die Zulassung eines neuen PCSK9-Inhibitors zur Behandlung der Hypercholesterolämie erwartet: Lerodalcibep ist ein rekombinantes Fusionsprotein aus einer PCSK9-bindenden Domäne und menschlichem Serumalbumin. Sein Vorteil gegenüber den Antikörpern Alirocumab und Evolocumab sei eine bessere Löslichkeit und längere Halbwertszeit sowie ein geringes Injektionsvolumen und eine höhere Stabilität. Mit Enlicitid befinde sich zudem ein oraler PCSK9-Inhibitor in Phase III.

Impfung gegen Krebs

Erstmals stehe mit Vepdegestrant (Veppanu®) ein PROTAC ante portas. Indiziert ist der Estrogenrezeptor-Degrader bei Patientinnen mit ER-positivem/HER2-negativem (ER+/HER2-) und ESR1-mutiertem Brustkrebs. PROTAC (Proteolysis-Targeting Chimeras) sind orale bifunktionale Wirkstoffe, die intrazellulär den gezielten Abbau von krankheitsrelevanten Proteinen induzieren. Vepdegestrant bindet mit einem Molekülteil an den Estrogenrezeptor (ER) und mit dem anderen an die E3-Ligase. »Die so induzierte räumliche Nähe führt zur Ubiquitinylierung und in der Folge zum gezielten Abbau des ER-Proteins durch das zelluläre Proteasom«, informierte Schubert-Zsilavecz. In der Studie VERITAC-2, die in den USA zur Zulassung geführt hat, zeigte sich eine statistisch signifikante und klinisch relevante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens mit Vepdegestrant gegenüber Fulvestrant.

Abschließend stellte Schubert-Zsilavecz eine Impfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs in Aussicht: den mRNA Impfstoff Autogen Cevumeran. Die Vakzine wird in einem hochkomplexen Prozess maßgeschneidert für jeden Tumorpatienten individuell hergestellt. Von den Daten einer Phase-I-Studie zeige sich Schubert-Zsilavecz »hoffnungsvoll und begeistert«. Bei 8 von 16 Patienten habe die maßgeschneiderte mRNA-Immuntherapie positiv gewirkt, während des dreijährigen Nachbeobachtungszeitraumes hätten sechs Patienten kein Rezidiv erlitten. »Vielleicht ist das der Weg der Zukunft, um schwierig zu behandelnden Tumorentitäten am Ende erfolgreich zu begegnen«.

Mehr von Avoxa