Pharmazeutische Zeitung online
Nordrhein-Westfalen

Apotheker sollen Corona-Impfstoffe doch nicht rekonstituieren

In den Bundesländern laufen die Vorbereitungen auf die Massenimpfungen gegen das Coronavirus derzeit auf Hochtouren. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hatte die Pharmazeuten unter anderem für die aseptische Rekonstitution der Impfstoffe eingeplant. Nun macht das Land aber einen Rückzieher: Nachdem die Impfstoffe fertig rekonstituiert sind, dürften sie nicht mehr transportiert werden, heißt es zur Begründung.
Benjamin Rohrer
03.12.2020  15:30 Uhr

Der mRNA-Impfstoff der Firmen Biontech/Pfizer dürfte einer der ersten sein, der gegen das Coronavirus europaweit zugelassen werden könnte. Läuft alles nach Plan, könnte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) das Präparat noch vor Jahresende zulassen – schon in den Tagen nach der Zulassung könnten die Massenimpfungen in der EU beginnen. Auch die Bundesländer bereiten sich derzeit auf diese Massenimpfungen vor. Ganze Konzerthallen und Fußballstadien werden dafür als Impfzentren vorbereitet.

Aber die Impfaktion hat auch mehrere pharmazeutische Komponenten. Den Biontechs Impfstoff BNT162b2 muss nach Auftauen und vor Applikation noch mit Kochsalzlösung verdünnt werden. In Nordrhein-Westfalen hatten die Apotheker beispielsweise mit der Politik vereinbart, dass etwa 100 auf die Zytostatika-herstellende Apotheken die Impfstoffe rekonstituieren, um sie dann applikationsbereit an die Impfzentren auszuliefern. Im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung hatte Thomas Preis, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein, vor wenigen Tagen diese Gespräche bestätigt und versichert, dass die Apotheken im Bundesland dies leisten könnten.

Und auch in ihrer Organisationsskizze hatte das Land NRW dies bereits so aufgeschrieben: Konkret sollten die vom Bund eingekauften Biontech-Impfstoffe direkt vom Hersteller an die steril herstellenden Apotheken geliefert werden, bevor sie dort aseptisch rekonstituiert und an die Impfstellen ausgeliefert werden. Vorgesehen war, dass pro Impfzentrum zwei steril herstellende Apotheken tätig werden. Pro Tag sollten die etwa 100 Apotheken auf diese Weise bis zu 100.000 Impfdosen applikationsbereit machen.

Doch aus diesem Plan wird nun nichts mehr. Der PZ liegt ein Schreiben des NRW-Gesundheitsministeriums (MAGS) an die vier Apotheker-Standesvertretungen im Land vor, in dem die Landesregierung den Apothekern eine Absage erteilt. Eine Beteilung der Apotheken an der aseptischen Rekonstitution des Impfstoffes sei »leider nicht möglich«, heißt es in diesem Schreiben. Und zur Begründung: »Dem MAGS wurden keine Stabilitatsdaten zum Transport des rekonstituierten Impfstoffes vorgelegt. Ferner hat der pharmazeutische Unternehmer mitgeteilt, dass nach Rekonstitution der Impfstoff nicht mehr transportiert werden kann.«

Seite12>

Mehr von Avoxa