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AVNR-Chef Preis

Apotheker könnten auch gegen FSME und Pneumokokken impfen

Niederschwelliges Angebot erhöht Impfquote

Wie gut das niederschwellige Impfangebot bei der Bevölkerung ankommt, hatte die Evaluation des Projektes gezeigt, die Anfang des Monats vorgestellt wurde: Die Geimpften hätten das Angebot der Apotheke durchweg positiv beurteilt, so die Politikwissenschaftlerin Cosima Bauer, Mitinhaberin des Forschungsunternehmens »May & Bauer«, die die Evaluation durchgeführt hat.

Besonders positiv bewertet wurde der niederschwellige Zugang, also die gute Erreichbarkeit und das Impfen ohne lange Wartezeiten und zum Teil ohne Termin. Zudem gebe es ein großes Vertrauen in die Kompetenz des Apothekers, das sich durch die vielen zusätzlichen Aufgaben, die die Apotheken während der Corona-Pandemie übernommen habe, noch vergrößert habe. Und das vielleicht wichtigste Argument: Jeder zweite Geimpfte wäre sonst nicht zur Grippeimpfung gegangen. »Das Impfen in der Apotheke ist sicher, effektiv und auch ökonomisch sinnvoll«, so Bauers Fazit. Zudem wünschten sich die Befragten, auch andere Impfungen in der Apotheke vornehmen zu lassen.

Ausweitung auf FSME- und Pneumokokken-Impfung sinnvoll

»Wir haben einen guten Zugang zu den Bürgern, aber um das Angebot bekannter zu machen, brauchen wir auch 100 Prozent Unterstützung der Politik«, forderte Preis. So sollten die Apotheken demnächst in die Grippe- und Corona-Impfkampagnen explizit einbezogen und in der Kommunikation auch in einem Atemzug mit den Ärzten genannt werden.

Zudem solle die Politik schnellstens prüfen, welche Impfungen die Apotheken noch anbieten können. Hier bieten sich laut Preis zum Beispiel die Schutzimpfungen gegen FSME und Pneumokokken an, die ebenfalls als sehr sicher gelten und wo es große Impflücken gebe. Gegen FSME wird beispielsweise problemlos auch in zwölf anderen EU-Ländern in Apotheken geimpft. In Frankreich dürfen die Apotheken seit Neuestem sogar alle Impfungen mit Totimpfstoffen durchführen.

»Das ganzjährige Impfen in der Apotheke, nicht nur gegen Corona und Grippe, ist die Zukunft, da muss die Politik jetzt ran!«, so Preis. Denn für die Apotheken sei es ökonomisch und planerisch schwierig, entsprechendes Personal und Räumlichkeiten für nur acht Wochen im Jahr bereitzuhalten. Zudem könnten die Arztpraxen dadurch weiter entlastet und die Impfquoten erhöht werden. »Wir sollten den Zugang zum Impfen so breit wie möglich machen«, meinte auch Bauer.

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