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Neues Bestellintervall

Ärzte bestellen Covid-19-Impfstoffe zwei Wochen im Voraus

Seit April verteilen Apotheken Covid-19-Impfstoffe an die Arztpraxen. Die Prozesse sind inzwischen gut etabliert. Doch nun müssen sich alle Akteure auf neue Abläufe einstellen. Hintergrund ist ein neuer Verteilschlüssel, den das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einführen will.
Stephanie Schersch
07.07.2021  15:00 Uhr

Über viele Wochen stand die Impfkampagne in Deutschland immer wieder in der Kritik. So kam die Immunisierung der Bürger nur schleppend voran, auch weil schlichtweg nicht genug Impfstoff verfügbar war. Inzwischen allerdings zeigt sich ein erster Erfolg. Knapp 40 Prozent der Deutschen sind vollständig geimpft und die Coronavirus-Fallzahlen gehen zurück.

Ein Teil dieses Erfolgs geht auch auf den Einsatz der Apotheken zurück. Sie verteilen seit Anfang April die Impfstoffe an Hausarztpraxen. Im Juni sind auch Betriebs- und Privatärzte dazugekommen. Dabei ist die Belieferung durchaus komplex. Ärzte bestellen nach einem festen Schema und nach strengen Fristen in der Offizin. Bereits in der kommenden Woche müssen sich alle Beteiligten nun auf neue Prozesse einstellen. Dann wird das Bestellintervall von einer auf zwei Wochen heraufgesetzt.

Verteilschlüssel wird den Bedarfen nicht mehr gerecht

Wer wie viel Impfstoff bekommt, hängt von einem Verteilschlüssel ab, den das BMG erstellt hat. Um die zunächst knappe Vakzine möglichst fair in die Fläche zu bringen, ist bislang die Bevölkerungszahl in einer Region ausschlaggebend. Das heißt: Dicht besiedelte Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen bekommen entsprechend mehr Impfstoff zugeteilt als bevölkerungsarme Gegenden wie etwa Mecklenburg-Vorpommern. Die Anzahl der Dosen, die der Pharmagroßhandel bekommt, hängt mit den jeweiligen Marktanteilen der einzelnen Grossisten in den Bundesländern zusammen.

Allmählich jedoch gerät das System ins Wanken. Denn deutschlandweit sind die Unterschiede mit Blick auf den Fortschritt der Impfkampagne groß. An der Spitze steht das Saarland, wo ganze 44 Prozent der Bürger bereits den vollständigen Impfschutz haben. Beim Schlusslicht Brandenburg trifft das gerade einmal auf knapp 36 Prozent der Menschen zu. Damit ist auch die Nachfrage nach einer Impfung in den einzelnen Ländern unterschiedlich groß. »Eine weiterhin streng bevölkerungsbezogene Verteilung würden den Bedarfen nicht mehr gerecht«, schreibt der Deutsche Apothekerverband (DAV) in einem Rundschreiben an seine Mitglieder.

In Zukunft soll daher nun allein der Bedarf ausschlaggebend sein für die Verteilung. Möglich machen das auch die Liefermengen der Hersteller, da inzwischen deutlich mehr Impfstoffe verfügbar sind. Allerdings sorgt das neue System zunächst auch für komplexere Prozesse in Praxen und Apotheken. So müssen Haus- und Privatärzte in Zukunft immer zwei Wochen im Voraus die Impfstoffe bestellen, bislang gilt eine Woche Vorlauf. Auf diese Weise sollen BMG und Großhandel rechtzeitig einen Überblick darüber bekommen, »wie viele Covid-19-Impfstoffe wo benötigt werden, um dann die Verteilung vornehmen zu können«, so der DAV. »An der wöchentlichen Belieferung der Praxen ändert sich allerdings nichts.«

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