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Covid-19

Adipositas als Risikofaktor für schwere Verläufe

Adipositas erhöht das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, das zeigen aktuell gleich mehrere Datenanalysen. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Wilfried Dubbels
13.05.2020
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Infektionen mit dem SARS-Coronavirs-2 können ganz unterschiedliche Verläufe nehmen. Während einige Infizierte kaum Symptome entwickeln, erkranken andere so schwer, dass sie hospitalisiert werden müssen, manche sterben. Bislang wurde deutlich, dass vor allem ältere Patienten aufgrund der Immunseneszenz und Personen mit verschiedenen Vorerkrankungen wie chronischen Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes und einigen Krebsarten besonders schwer betroffen sein können. Weniger bekannt war, welche anderen Faktoren den Schweregrad des Verlaufs einer SARS-CoV-2- Infektion beeinflussen, da zum Teil auch jüngere Patienten ohne bekannte Vorerkrankungen schwer betroffen sein können.

Um dies  zu untersuchen, analysierten Forscher vom Imperial College London, der Universität Liverpool und der Universität Edinburgh die Daten von 16.749 Covid-19-Patienten aus britischen Krankenhäusern. Demnach ist Adipositas ein eigenständiger Risikofaktor für schwere Verläufe, berichten die Forscher um Annemarie Docherty aus Edinburgh in einer Preprint-Publikation auf der Plattform »MedRxiv«. Die Analyse ergab, dass vor allem Personen mit Adipositas (BMI über 30) und Männer ein erhöhtes Sterberisiko hatten.

In den USA fiel jetzt auf, dass häufiger jüngere Menschen auf Intensivstationen aufgenommen werden mussten, die fettleibig waren. Das berichten Forscher um Professor Dr. David Kass von der Johns Hopkins University im Fachjournal »The Lancet«. Die Wissenschaftler untersuchten die Daten von 265 Covid-19-Patienten, die auf den Intensivstationen verschiedener Universitätskliniken behandelt wurden. Sie stellten dabei eine signifikante inverse Korrelation zwischen Alter und BMI fest: Je jünger die Person war, desto höher der BMI. In dieser Studie gab es keinen Unterschied nach Geschlecht. Der mittlere BMI betrug 29,3, wobei nur 25 Prozent der untersuchten Patienten einen BMI von weniger als 26 hatten und 25 Prozent einen BMI von über 34,7 aufwiesen.

Bis dato wurde Adipositas als Risikofaktor für Covid-19 unterschätzt, schreiben die Autoren. In den USA ist die Prävalenz dieses Risikofaktors besonders hoch, sie liegt dort bei etwa 40 Prozent gegenüber einer Adipositasprävalenz von 6,2 Prozent in China, 20 Prozent in Italien und 24 Prozent in Spanien.

Auch in einer weiteren Untersuchung aus New York kamen Mediziner um Dr. Christopher M. Petrilli zu dem Schluss, dass nach dem Alter (über 65 Jahre) der stärkste Risikofaktor für eine Hospitalisierung aufgrund einer Covid-19-Erkrankung eine Adipositas (BMI über 40) ist. Aus Frankreich kommen ähnliche Daten: Wie ein Team um Arthur Simonnet von der Universitätsklinik Lille berichtet, haben adipöse Patienten ein höheres Risiko, auf die Intensivstation aufgenommen und beatmet werden zu müssen.

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