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Erstes Lebensjahr

Achtsamer Umgang mit zarter Babyhaut

Harmlose Hautveränderungen bei Neugeborenen

Kleine Pickel, Ausschläge und Rötungen auf der Haut sind meist harmlos und entstehen durch den Reifungsprozess und die Anpassung an die Umwelt.

Der selbstlimitierende Neugeborenen-Ausschlag mit roten Flecken, weißen Knötchen oder gelblichen Pickeln kann etwa zwei Wochen anhalten und neben Handflächen und Fußsohlen auch den ganzen Körper betreffen. Milien, kleine gelblich-weiße, mit Hornmaterial gefüllte Pünktchen, befinden sich in der Nähe von Nase und Augen. Sind die Pickel rötlich mit einem gelben Knötchen, handelt es sich um Säuglingsakne, vermutlich verursacht durch Reste mütterlicher Hormone. Die Pickelchen dürfen nicht ausgedrückt werden und sollten von Pflegeprodukten ausgespart bleiben.

Da auch die inneren Organe noch nicht voll ausgereift sind, kann die Leber die roten Blutkörperchen nicht schnell genug abbauen. Der resultierende Bilirubinstau führt für ein paar Tage zur Neugeborenen-Gelbsucht.

Das Apothekenpersonal kann die Eltern beruhigen: Diese Hauterscheinungen verschwinden oft nach einigen Wochen und bedürfen keiner besonderen Behandlung. Sollte sich das Hautbild verschlechtern, ist der Kinderarzt oder die Hebamme hinzuzuziehen.

Storchenbiss oder Hämangiom

Der Storchenbiss (Naevus flammeus medialis, symmetrisches Feuermal) ist ein rotes, unregelmäßig geformtes, abgegrenztes Hautmal, das in der Körpermitte, zumeist im Nacken, auf der Stirn oder an der Nasenwurzel, zu sehen ist (2). Nervenfasern, die die Gefäßweitstellung steuern, sind noch unzureichend ausgereift. So bleiben die kleinen roten Äderchen an dieser Stelle erweitert. Im Lauf des ersten Lebensjahrs erfolgt im Gesicht häufig eine spontane Rückbildung. Der Storchenbiss im Nacken verblasst mit der Zeit und darüber wachsende Haare decken ihn ab.

Davon abzugrenzen ist der Naevus flammeus lateralis (asymmetrisches Feuermal), der am ganzen Körper auftreten kann. Dies ist eine gutartige Fehlbildung oberflächlicher Blutgefäße mit permanenter Weitstellung aufgrund fehlender korrigierender Nervenfasern.

Hämangiom am Arm… / Foto: Adobe Stock/Gordana Sermek
… und Storchenbiss an Stirn und Augenlidern: Beide Hautveränderungen sollte der Kinderarzt beobachten. / Foto: Adobe Stock/Deymos.HR

Blutschwämmchen (Hämangiom) sind eine gutartige Wucherung von erweiterten Blutgefäßen, sichtbar als hellrote, bläuliche und erhabene Hautmale (3). Sie können sich in den ersten Lebensmonaten leicht vergrößern und verschwinden dann spätestens bis zum fünften Lebensjahr. 90 Prozent aller Hämangiome gehören zu den lokalisierten, scharf begrenzten Formen. Die seltenen segmentalen Gewebstumoren können begleitet sein von Gefäß- oder Organfehlbildungen. So können Gehirn, Augen, Leber, Lunge, Herz oder Organe des Gastrointestinaltrakts mitbetroffen sein.

Gemäß der aktuellen S2k-Leitlinie »Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kleinkindesalter« (AWMF-Reg.-Nr. 006-100, Stand: Oktober 2020) ist bei komplizierteren Hämangiomen die systemische Behandlung mit dem Betablocker Propranolol über sechs Monate Therapie der Wahl (Hemangiol®; standardisierte Magistralrezeptur Propranolol-Hydrochlorid-Saft 5 mg/ml, NRF 11.142.). Der Wirkmechanismus ist noch unklar. Diskutiert werden eine Vasokonstriktion der Blutgefäße, abnehmende Spiegel von VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor) und FGF-2 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor 2) sowie die Apoptose der proliferierenden Endothelzellen. Vor der Behandlung mit Propanolol sollte auch bei einem gesunden Säugling und unauffälliger Familienanamnese ein EKG aufgezeichnet werden.

Sinnvoll ist die möglichst frühzeitige Therapie und zwar einschleichend mit 1 mg/kg Körpergewicht/Tag. In stationärer Behandlung erfolgt die Dosiserhöhung täglich, bei ambulanter Therapie wöchentlich auf die Zieldosis von 2 (bis 3) mg/kg KG/Tag. Die Einnahme erfolgt zu oder kurz nach den Mahlzeiten. Bei unzureichender Nahrungsaufnahme, Erbrechen oder Bronchitis muss die Behandlung unterbrochen werden.

Das Apothekenteam sollte darauf hinweisen, Hautveränderungen wie einen Storchenbiss oder ein Hämangiom zu beobachten und ärztlich abklären zu lassen.

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