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Starker Jahrgang

46 Medikamente mit neuem Wirkstoff auf dem Markt

»Hinsichtlich der Einführung neuer Arzneimittel in Deutschland war 2021 ein außergewöhnliches Jahr«, resümiert der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) zum Jahresende – nicht nur in Bezug auf die Menge, sondern auch beim Tempo der Entwicklung und Zulassung von Corona-Impfstoffen und -Antikörpern.
Daniela Hüttemann
22.12.2021  15:30 Uhr

46 Medikamente mit neuen Wirkstoffen (inklusive Impfstoffe) kamen 2021 in Deutschland auf den Markt – das ist der zweithöchste Wert der vergangenen 30 Jahre. Nur 2014 gab es mit 49 neuen Arzneimitteln mehr Newcomer.

Einen eindeutigen neuen Rekord gibt es: »Nie zuvor ist es gelungen, dass ein therapeutisches Medikament in weniger als zwei Jahren entwickelt, erprobt, behördlich geprüft und nach Zulassung in die Versorgung gebracht wurde«, so der vfa. Gemeint ist das Antikörper-Duo Casirivimab und Imdevimab (Ronapreve® von Roche), das zur Behandlung und Prophylaxe von Covid-19 eingesetzt werden kann. Die anderen Corona-Antikörper haben ihren offiziellen Launch in Deutschland noch vor sich.

Antiinfektiva sind dieses Jahr mit neun Neulingen besonders stark vertreten. Impf- und Arzneistoffe gegen Covid-19 hätten 2021 die höchste Priorität bei Pharmaunternehmen und Arzneimittelbehörden gehabt, so der vfa, doch auch gegen andere Infektionskrankheiten gebe es neue Optionen. Mit der Kombi Relebactam/Imipenem/Cilastatin (Recarbrio®) von MSD und Cefiderocol (Fetcroja®) von Shionogi gibt es zwei neue Reserveantibiotika bei Infektionen mit gramnegativen Problemkeimen. Hinzu kommen zwei neue HIV-Medikamente: Cabotegravir (Vocabria®) und Fostemsavir (Rukobia®), beide von ViiV Healthcare. 

Wieder einmal am stärksten vertreten sind die Krebsmedikamente mit 14 Neuzugängen. Indikationen sind sowohl häufige Krebsarten wie Brust- und Lungenkrebs als auch seltene Lymphome. »Bei fünf dieser Medikamente ist vor der Anwendung mit einem Gen- oder Gewebetest zu prüfen, ob die Krebszellen im vorliegenden Fall bestimmte Merkmale aufweisen, beispielsweise eine Mutation, gegen die das Mittel seine Wirkung ausrichtet«, ergänzt der vfa. Zudem gab es für zwölf bereits zugelassene Krebsmedikamente Indikationserweiterungen.

Immerhin fünf neue Medikamente gibt es im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die immer noch für die meisten Todesfälle in Deutschland verantwortlich sind. »Oft sind chronische Herzinsuffizienz oder durch Lipidstörungen begünstigte Schlaganfälle und Herzinfarkte der Grund dafür«, so der vfa. Zur Linderung oder Prävention dieser Krankheiten dienten mehrere der neuen Arzneimittel, darunter Vericiguat (Verquvo® von Bayer), Icosapent (Vazkepa® von Amarin) und Inclirisan (Leqvio® von Novartis).

Porträts aller neuen Wirkstoffe (außer Impfstoffe) sind kurz nach ihrer Markteinführung in unserer Datenbank »Neue Arzneistoffe« unter ihrem INN-Namen, Markennamen, Jahrgang oder Indikation nach Einteilung der Roten Liste zu finden.

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