Der diesjährige ADKA-Jahreskongress findet vom 11. bis 13. Juni in Düsseldorf statt. / © Avoxa/Matthias Merz
»Wir Krankenhausapotheker stehen für das Recht jedes Patienten und jeder Patientin auf eine sichere und wirksame Arzneimitteltherapie«, betonte ADKA-Präsident Dr. Jochen Schnurrer in seiner Eröffnungsrede. Die Gewährleistung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sei der Kern des Handelns. Die Patientinnen und Patienten ständen im Mittelpunkt des beruflichen Selbstverständnisses, nicht Institutionen oder Strukturen, betonte er. »Unser Maßstab ist der Mensch, der seine Gesundheit uns anvertraut.«
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte in einem schriftlichen Grußwort zum ADKA-Kongress betont, dass Krankenhausapotheken unverzichtbar in der stationären Versorgung seien. »Doch wenn Krankenhausapotheken unverzichtbar sind, müssen wir uns fragen, warum sie bislang nicht strukturell in den zentralen Reformvorhaben des Gesundheitsministeriums verankert sind«, so Schnurrer. Er fragte beispielhaft, warum es etwa der Klinikleitung vor Ort überlassen sei, ob eine Krankenhausapotheke vorgehalten wird oder warum der Einsatz von Stationsapothekern noch nicht flächendeckend in den Bundesländern verpflichtend verankert sei. »Wir stellen diese Fragen nicht aus reinem Standesinteresse, sondern aus Verantwortung für die Patienten«, so Schnurrer. Wenn die AMTS ein zentrales Qualitätsmerkmal einer moderne Gesundheitsversorgung sei, dann müssten die hierfür erforderlichen Strukturen auch verbindlich geschaffen werden, forderte er.
Die vergangenen Jahre hätten eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig belastbare Strukturen sind. Man habe gesehen, wie schnell globale Lieferketten ins Wanken geraten können, und auch welche Bedeutung Krankenhausapotheker in Krisensituationen haben können. Krankenhausapotheken sind nicht bloße Versorgungsstrukturen, sie sind Teil der kritischen Infrastruktur unseres Gesundheitswesens und sollten auch als solche behandelt werden. »Wir können Krise, das haben wir bewiesen«, bekräftigte der ADKA-Präsident.
Dr. Jochen Schnurrer / © Avoxa/Matthias Merz
»Die Pharmazie im Krankenhaus fordert die gesamte Bandbreite pharmazeutischer Kompetenz«, betonte Professor Dr. Frank Stollmann vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen in seinem Grußwort. Der Minister verwies auf den Wandel der Krankenhauspharmazie – nicht zuletzt vor dem Hintergrund geopolitischer Entwicklungen.
Professor Dr. Frank Stollmann / © Avoxa/Matthias Merz
»Die Infrastruktur des Systems muss in den Blick genommen werden«, so Stollmann. In NRW lasse sich beobachten, dass sich die Versorgung zunehmend auf wenige Apotheken konzentriert. »Wenn die versorgende Apotheke nicht Teil des Krankenhauses ist, besteht immer die Gefahr, dass die Logistik anstelle des Patientenwohls im Vordergrund steht.« Die Tendenz zum Outsourcing sollte daher kritisch geprüft werden.
Zugleich plädierte Stollmann für mehr regulatorische Flexibilität: »Die Krankenhaus-Pharmazie befindet sich im Wandel. Dieser muss sich auch im rechtlichen Rahmen widerspiegeln.« Ebenso bleibe die Nachwuchsgewinnung zentral.
»Krankenhaus-Apothekerinnen und -Apotheker tragen Verantwortung für Qualität, AMTS und Wirtschaftlichkeit. Dabei bleibt jedoch häufig unsichtbar, wie viel pharmazeutische Expertise notwendig ist, damit moderne Medizin überhaupt funktioniert«, sagte Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer.
Dr. Armin Hoffmann / © Avoxa/Matthias Merz
Diese Expertise sei auch ein Stabilitätsfaktor in Krisenzeiten. »Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre wird die weitere Verbesserung der AMTS sein«, so Hoffmann. Mit zunehmenden Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung könne eine sichere Arzneimitteltherapie nur interprofessionell gelingen. Der Kongress biete dafür wichtige Vernetzungsmöglichkeiten.
Mit Blick auf Zukunftsthemen wie Zell- und Gentherapien, personalisierte Medizin und künstliche Intelligenz mahnte Hoffmann: »Aber: Innovation allein schafft noch keinen Nutzen.« Es brauche fachkundige Begleitung – hier komme Krankenhausapothekern eine Schlüsselrolle zu. Auch zwischen öffentlicher und Krankenhauspharmazie gelte: »Wir müssen die Versorgung zunehmend ganzheitlich behandeln.«
Privatdozentin Dr. Claudia Langebrake, Vorsitzende des wissenschaftlichen Komitees des ADKA-Kongresses, unterstrich die zentrale Rolle der AMTS: »AMTS ist der Kern unseres täglichen Tun und Handelns und betrifft alle Bereiche der Krankenhaus-Pharmazie.« Der Patient stehe dabei stets im Mittelpunkt.
Privatdozentin Dr. Claudia Langebrake / © Avoxa/Matthias Merz
Um die Krankenhauspharmazie weiterzuentwickeln, brauche es die Verbindung aus bewährten und neuen Ansätzen. »Wir entwickeln Ideen und evaluieren sie wissenschaftlich.« Entscheidend seien validierte Methoden sowie der fachliche Austausch über Ergebnisse. »Genau dafür ist der Kongress da.«
Ihr Appell: »Lassen Sie uns gemeinsam den Kongress als wichtige Plattform nutzen.« Neben aktuellen Erkenntnissen gehe es auch um Inspiration für eigene Projekte. Gerade für den Nachwuchs sei zudem der Aufbau von Netzwerken ein entscheidender Faktor.