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Emotionsregulation
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Wut verstehen – statt brüllen

Emotionen steuern Selbstwahrnehmung, Handlungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Der Berliner Psychologe Lukas Klaschinski erläutert, warum auch unangenehme Gefühle wichtig sind.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 29.10.2026  08:00 Uhr

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Gefühle können wunderbar sein, aber auch unangenehm, sie können uns überwältigen, aber auch leiten. Wie nutzt man ihre Kraft, ohne sich den Impulsen zu ergeben? Das erklärt der Psychologe Lukas Klaschinski gegenüber der dpa.

Gefühle seien das Wichtigste, was wir haben, so Klaschinski. »Alles in uns, ob wir riechen, schmecken, hören oder sehen, wird am Ende in ein Gefühl übersetzt. Gefühle geben uns Informationen über die Welt. Ich unterscheide bewusst nicht zwischen negativ und positiv, sondern zwischen angenehm und unangenehm.«

Die angenehmen wie Glück sagten: Mach das noch mal, das war gut. Die unangenehmen wie Traurigkeit dagegen zeigten beispielsweise an, dass wir einen wichtigen Menschen nicht mehr in unserem Leben haben. Und wenn wir unsere Wut nicht spürten, könnten wir womöglich nicht sehen, dass jemand unsere Grenze überschritten sei. Wut zeigt dem Psychologen zufolge an: »Das ist unser Raum, bis hierhin und nicht weiter.« Und hätten wir keine Gefühle oder fühlten sie nicht, steuerten sie uns trotzdem – aber wir wüssten nicht, wohin. »Das heißt, wir sind wie blind unterwegs, und das ist doch viel gefährlicher.«

Raum zwischen Reiz und Reaktion

Wer Gefühle konstant unterdrückt oder nicht wahrnehmen will, kann die Folgen zu spüren bekommen. Das können psychosomatische Beschwerden wie Reizbarkeit, Erschöpfung, Angststörungen oder, noch schlimmer, Bluthochdruck, Depression und Schlafstörungen sein.

Im Umgang mit Emotionen rät Klaschinski, zwischen Gefühle fühlen und Machen zu unterscheiden – also dem Impuls nachzugehen, den das Gefühl vorgibt, oder eben nicht. »Nur weil ich gerade Wut fühle, heißt es nicht, dass ich meine Aggression ausleben und irgendwas zerschlagen muss«, sagt er.

Das Wichtige sei, in den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu kommen. »Da habe ich dann die Freiheit zu entscheiden: Ich spüre Wut. Aha, was kann hier gerade passiert sein und wie möchte ich mich verhalten?«

Doch wie kommt man in diesen Raum? Klaschinski: »Das heißt, erst einmal den Mut haben, in diesen Moment der Stille zu gehen, wo das Gefühl aufkommen kann. Gefühle zeigen sich immer als körperliche Reaktion.« Vielleicht als Enge im Hals, Druck auf der Brust oder Schwere auf den Schultern.

Hineinfühlen macht kompetenter

Obwohl ganz viele Gefühle unangenehm sind, kann man dem Psychologen zufolge bewusst beschließen, sie zunächst nicht zu bewerten, sondern sie nur wahrzunehmen und in sie hineinzufühlen. »Wir stehen vor dieser körperlichen Empfindung am besten wie vor einem Kunstwerk, das wir einfach beschreiben und nicht bewerten.«  Man könne sie sich auch wie das Wetter am Himmel vorstellen. »Wir sind der Himmel und bleiben bestehen. Das Wetter zieht vorbei und kommt in Wellen. Und das sind die Gefühle.«

Wer sich seiner Emotionen bewusst ist, wirke kompetenter, hebt er hervor. Das stärke nicht nur die Beziehung zu uns selbst, sondern auch zu unserem Gegenüber. Klaschinski: »Wenn ich jemand bin, der keine Traurigkeit bei mir zulassen kann und sie dann irgendwann auch nicht mehr wahrnehme, kann ich nicht erkennen, wenn meine Partnerin traurig nach Hause kommt und ja eigentlich mal in den Arm genommen werden will.«

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